© Nationalpark Hohe Tauern/Tobias Kaser

Chronik Österreich
06/14/2020

Österreichs höchster Berg: G’schichteln vom Glockner

Erzählungen von Trabis, alten Rechten am Berg und einem Streit ums Münzfernrohr.

von Simone Hoepke

900.000 Besucher sind im Vorjahr über die Großglockner Hochalpenstraße gefahren und es waren schon einmal mehr. „Das war vor 30 Jahren, nach dem Berliner Mauerfall, als die Ostdeutschen gekommen sind. Da sind oft hunderte Trabanten zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe gefahren“, sagt Johannes Hörl, seit zehn Jahren Vorstand der Großglockner-Hochalpenstraßen-Aktiengesellschaft (Grohag).

„900 Parkplätze, ein Gastrobetrieb mit 400 Sitzplätzen, sieben Ausstellungen, Souvenirladen“, liefert Hörl ein paar Eckpunkte zur Franz-Josefs-Höhe, dem Endpunkt der Großglockner Hochalpenstraße, die zwischen 1931 und 1935 gebaut wurde.

Nicht gerade zur Freude der dort ansässigen Bergbauern, wie Einheimische erzählen. Sie wollten die Straße verhindern, haben ihre Grundstücke nicht verkauft, wurden letztlich enteignet. Nur die Bergbauern Pichler und Sauper gingen damals einen anderen Weg.

Sie haben ihre Gründe freiwillig an den Straßenbauer Grohag übergeben. Unter der Auflage, dass sie das Recht bekommen, auf der Franz-Josefs-Höhe die Gastronomie (Familie Sauper) und das Souvenirgeschäft (Familie Pichler) zu übernehmen. „Das ist ein verbrieftes Recht“, erläutert Grohag-Chef Hörl. „Ich würde sagen, es ist ganz gut für sie gelaufen, wir stellen ihnen ja eine Million Menschen im Jahr vor die Tür.“

Münzfernrohr

Einmal, vor Jahren, habe ein Salzburger mit Erlaubnis der Grohag ein Münzfernrohr auf der Franz-Josefs-Höhe aufgestellt. Ein Rechtsanwalt habe sofort mitgeteilt, dass das Fernrohr in die Kategorie Souvenirgeschäft gehört und der Zustimmung der Familie Pichler bedarf, die es freilich nicht gab, plaudert Hörl aus dem Nähkästchen.

Nachsatz: „Wir haben das Münzfernrohr dann auf der über 200 Meter höher gelegenen Edelweißspitze aufstellen lassen.“

Von den Diskussionen am Berg bekommen die vielen Tagesgäste freilich wenig mit. Die Zahl der Busreisenden nimmt ab, dafür sind auf der Strecke immer mehr Motorradfahrer unterwegs. Hörl: „Daran kann man auch die gesellschaftliche Entwicklung ablesen. Die Kaffeefahrten in den 1970er und 1980er Jahren haben sich völlig aufgehört. Auch, weil heute praktisch jeder einen Führerschein hat.“

Wie die Sommersaison läuft, bleibt abzuwarten. Hörl betont, er sei in Corona-Zeiten lieber Chef der Glocknerstraße als eines Museums: „Die Freiheit am Berg wird heuer sicher ein großes Thema sein.“

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