Chronik | Österreich
14.08.2017

Wo es sich lohnt, vom Gas zu gehen

Jeder Crash auf Autobahnen und Schnellstraßen fließt in eine Verkehrssicherheitsanalyse ein.

Es gibt Abschnitte in Österreichs Autobahn- und Schnellstraßennetz, auf denen es besonders häufig kracht. An vorderster Stelle der traurigen Hitliste stehen laut Verkehrsanalysen:

  • S31 Burgenland-Schnellstraße bei Eisenstadt und südlich von Mattersburg,
  • S6 Semmering-Schnellstraße Richtung Steiermark, knapp vor der steirischen Landesgrenze,
  • A6 Nordost-Autobahn bei Kittsee,
  • A9 Pyhrn-Autobahn Richtung Linz zwischen St. Pankraz und Micheldorf,
  • A2 Südautobahn bei Graz
  • E59 Richtung Graz bei Spielfeld,
  • S16 Arlberg-Schnellstraße bei Bludenz
Hinter jedem Verkehrstoten in Österreich steckt nicht nur eine menschliche Tragödie, die mit Trauer und Leid verbunden ist. Jeder Unfall bedeutet auch enormen volkswirtschaftlichen Schaden. Im Schnitt verursacht ein Toter laut Verkehrsministerium (Unfallkostenrate) mehr als drei Millionen Euro an Kosten, ein schwer Verletzter 381.480 Euro und ein leicht Verletzter 26.894 Euro – menschliches Leid mit eingerechnet, also Psychotherapie, Schmerzensgeld, etc.

Bei 432 Verkehrstoten im vergangenen Jahr schlägt sich das mit 1,3 Milliarden Euro zu Buche. Der Staat hat da großes Interesse, die Straßen so sicher wie möglich zu machen und damit die Zahl der Unfälle nach unten zu drücken. Seit 2011 gibt es daher auch die gesetzliche Verpflichtung der Verkehrsanalyse, sagt Cornelia Strasser von der Abteilung für Verkehrssicherheit der Asfinag. "Auf hochrangigen und in die Zuständigkeit des Ministeriums fallenden Straßen ist damit eine qualitätsgesicherte und vollkommen transparente Verkehrssicherheitsarbeit seit 2011 Standard", sagt Verkehrsminister Jörg Leichtfried in der parlamentarischen Anfragebeantwortung zu den Unfallhäufungspunkten in Österreich.

Steigung und Kurven

Mittels "Network Safety Management" hat die Asfinag das Autobahnen- und Schnellstraßennetz in Abschnitte unterteilt. Wichtig ist, dass es auf den Teilstücken keine zu großen Unterschiede in Sachen Verkehrsaufkommen, Steigung oder Kurvenverhalten gibt. Ein Abschnitt (nicht länger als 250 Meter) gilt dann als Unfallhäufungspunkt, wenn sich mindestens drei gleichartige Unfälle in drei Jahren mit Personenschaden oder zumindest fünf Sachschadenunfälle in einem Jahr ereignet haben.

"Auf Grundlage dieser Daten werden Gutachter beauftragt, die Strecke an Hand des Unfallgeschehens zu analysieren und geeignete Maßnahmen abzuleiten. Das Ergebnis ziehen wir dann für Verbesserungen heran", erklärt Strasser. Gemeint sind damit Tempolimits, Fahrbahnsanierungen, Baumaßnahmen oder Ähnliches.

Ein Paradebeispiel ist die Burgenland-Schnellstraße S31, die als Abschnitt mit extrem hoher Unfallkostenrate dunkelrot in der Grafik heraussticht. Auf einem Teilstück gibt es noch keine bauliche Trennung zwischen den Richtungsfahrbahnen und eine dementsprechend hohe Unfall- und Opferzahl. Solche Strecken stehen in Sachen Entschärfung in der Prioritätenliste des Straßenerhalters ganz oben.

Opfer werden weniger

Laut Ministerium habe die Verkehrsanalyse auf dem 2199 Kilometer langen Straßennetz dazu geführt, die Zahl der Unfallhäufungspunkte auf konstant unter 50 zu halten. Im Vergleich dazu waren es 2007 noch 97. Generell sind die Unfallzahlen in Österreich deutlich rückläufig. 2007 gab es bundesweit noch 691 Verkehrstote, im Vorjahr waren es 432. Auch die Autobahnen und Schnellstraßen sind sicherer geworden: Auf der gesamten Südautobahn (A2) gab es 2001 noch 612 Verkehrsunfälle mit 941 Verletzten und 41 Toten. Im Vorjahr waren es 475 Unfälle mit 672 Verletzten und acht Todesopfern.