ÖBB-Chef Matthä, Tirol LH Platter und Verkehrslandesrätin Felipe haben einen neuen Bahntunnel im Visier

© Land Tirol

Chronik Österreich
05/21/2019

ÖBB-Chef sieht Bahn trotz Regierungskrise weiter auf Schiene

Dank 6-Jahres-Verträgen ist die ÖBB bei Infrasturkturprojekten nicht gebremst. In Tirol wurde über neue verhandelt

von Christian Willim

Rund zwei Milliarden Euro investiert die ÖBB jährlich in die Bahninfrastruktur. Die Tunnelprojekte durch den Koralm, den Semmering und den Brenner sind dabei die größten Brocken. Dazu kommen noch Schienenausbau und Investitionen in Bahnhöfe und Haltestellen.

Die Regierungskrise in Wien könnte in vielen Bereichen Entscheidungen auf etliche Monate verzögern. Bahnchef Andreas Matthä sieht sein Unternehmen durch diese Situation aber nicht gebremst, wie er am Dienstag nach einem Arbeitstreffen mit Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) und Verkehrslandesrätin Ingrid Felipe (Grüne) in Innsbrucker erklärte.

Politische Unstetigkeiten kein Thema

Österreich ist, was die Infrastrukturfinanzierung betrifft, Benchmark (Anm.: Maßstab) in ganz Europa. Die ÖBB hat einen Vertrag mit dem Bund, der über eine sechsjährige Periode geht und die Finanzierung für die darin enthaltenen Projekte definiert“, erklärt der ÖBB-Vorstandsvorsitzende.

Zu diesem Finanzierungsmodell hätten sich alle bisherigen Regierungen bekannt. Daher seien „diese Unstetigkeiten, die es manchmal in der Politik gibt, für die Projektabwicklung in Österreich kein Thema.“

Fernpass-Bahntunnel

In Tirol einigte man sich am Dienstag auf weitere Maßnahmen für die Attraktivierung des Schienenverkehrs. Dazu zählt auch das Vorantreiben eines neuen Tunnelprojekts. Und zwar einer Verbindung des Bezirks Reutte mit dem Inntal unter dem notorisch vom Verkehr belasteten Fernpass.

„Wir haben uns darauf geeinigt, dass an diesem großen Projekt weiter gearbeitet wird“, erklärte Platter. Eine Machbarkeitsstudie gibt es bereits. Nun soll eine Potenzial-Analyse erstellt werden. Die ist Teil eines „Tirol-Vertrags“, der Vorhaben in Höhe von 200 Millionen Euro beinhaltet.

Zulaufstrecken für Brenner-Tunnel

Geplant sind unter anderem auch weitere Haltestellen im Großraum Innsbruck für den Ausbau der Schnellbahn. Und im Tiroler Oberland soll endlich – bis 2030 – der zweigleisige Ausbau kommen, um dort den Takt verdichten zu können.

Die mögliche Entschärfung eines der drängendsten Probleme in Tirol könnte ebenfalls über die Schiene führen: das Einbremsen des Lkw-Transits. „Der Brenner Basistunnel wird hier ein wesentlicher Schlüssel sein“, sagt Matthä. In Bayern hakt es jedoch bei den Zulaufstrecken. Man sei aber mit den deutschen Kollegen dabei, eine grenzüberschreitende Trassenvariante durchzuführen.