Obonya und Co. fordern Umbenennung der Dinghoferstraße in Linz
Es ist ein brisantes Schreiben, das der Linzer SPÖ-Bürgermeister Dietmar Prammer diese Woche erhalten hat. Es geht darin um ein Thema, das in Linz schon länger hitzig diskutiert wird - nämlich um die Umbenennung einer historisch belasteten Straße.
Konkret geht es um die Dinghoferstraße, einen langen und stark befahrenen Straßenzug in der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz. Und bei Franz Dinghofer handelt es sich um einen sogenannten „Säulenheiligen“ der FPÖ; eine Akademie ist nach ihm benannt, in Linz findet regelmäßig das Dinghofer-Symposium statt.
„Radikaler Antisemit“
Aber, und das bringen die rund 60 hochrangigen Unterzeichner des Schreibens rund um Schauspieler und Präsident der Aktion gegen den Antisemitismus, Cornelius Obonya, sehr deutlich zu Papier: „Dinghofer war nicht nur Linzer Bürgermeister, Dritter Nationalratspräsident, Vizekanzler, Justizminister und Präsident des Obersten Gerichtshofs. Er war auch “radikaler Antisemit„ – so seine Selbstbezeichnung. Zu seinem persönlichen Profit beteiligte er sich an einer “Arisierung„, also dem Raub jüdischen Vermögens. 1940 trat er der NSDAP bei.“
Grund genug also, um die Umbenennung dieses „braunen Flecken in der einstigen Führerstadt Linz“, zu fordern, meinen Obonya, der frühere Sozialminister Erwin Buchinger, die beiden ehemaligen evangelischen Bischöfe Michael Chalupka und Michael Bünker, Kabarettist Josef Hader oder Karikaturist Gerhard Haderer.
Breite Unterstützung für Bischof Aichern
Und der Linzer SPÖ-Bürgermeister wird in dem Schreiben selbst sozusagen schon als Befürworter angesprochen - mit einem Zitat, das dieser zum Dinghofer-Symposium im November des Vorjahres getätig hat: „Ein ehrendes Andenken Dinghofers widerspricht den demokratischen Werten unserer Republik.“ Das treffe zu, sind sich die Unterzeichner des Briefes sicher und fragen Prammer: „Was ist die nach Dinghofer benannte Straße in der Linzer Innenstadt anderes als ein ehrendes Andenken?“
Maximilian Aichern (verstorben 2026).
Die Unterzeichner - darunter noch die Schriftsteller Michael Köhlmeier und Ludwig Laher oder Schauspielerin Chris Lohner - haben auch einen Vorschlag parat: Maximilian Aichern. „Der heuer im Alter von 93 Jahren verstorbene Bischof stand der katholischen Kirche der Diözese Linz von 1982 bis 2005 vor“, erläutern das Mauthausen Komitee, die Katholische Aktion OÖ und das Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus, die gemeinsam diese Initiative gestartet haben.
Aichern habe sich einen Namen als „Sozialbischof“, der für die Rechte der arbeitenden Menschen eintrat, gemacht, die die Bischöfliche Arbeitslosenstiftung und mit den Gewerkschaften die „Allianz für den arbeitsfreien Sonntag“ gegründet. Darüber hinaus sei er ein überzeugter Gegner des Faschismus und einer der wichtigsten Wegbereiter der Seligsprechung von Franz Jägerstätter gewesen.
Forderung „gut nachvollziehbar“
SPÖ-Bürgermeister Prammer will den Vorschlag ernst nehmen: „Ich kann gut nachvollziehen, dass der Name Dinghofer bei vielen Menschen Fragen und Kritik auslöst. Historische Belastungen müssen klar benannt und dürfen nicht relativiert werden. Gleichzeitig braucht es bei Straßenbenennungen nachvollziehbare Kriterien und eine fundierte wissenschaftliche Grundlage. Deshalb habe ich das Archiv der Stadt Linz um eine fachliche Einordnung ersucht.“
In der bereits vorliegenden Beurteilung der Linzer Straßennamen durch eine Historikerkommission, aufgrund der bereits vier Namen (Ferdinand Porsche, Hans Pfitzner, Franz Resl, Johannes Maria Gföllner) aus dem Stadtbild verschwunden sind, findet sich Franz Dinghofer auf fast 260 Seiten in der Kategorie zwei - in „guter“ Gesellschaft mit Ex-Landeshauptmann Heinrich Gleißner, Ex-Kanzler Julius Raab und Franz Stelzhamer, Dichter der oberösterreichischen Landeshymne.
Bei Personen in der Kategorie 2 finde sich nach diesem Bereich eine „stabile Spur im Erwachsenenleben“, also etwa Funktionen in Parteien und Organisationen, zu deren Wesenskern Rassismus, Antisemitismus und eine antidemokratische Einstellung gehören und sowei eine nachweisliche Förderung bzw. Vertretung dieses Gedankenguts. Und diese Gedankengut sei in Quellen gut rekonstruierbar, heißt es weiter.
Derzeit für SPÖ keine Umbenennung möglich
Für Prammer gilt derzeit aber dennoch: Eine „isolierte Umbenennung der Dinghoferstraße“ aus der Kategorie 2 würde ohne neue historische Erkenntnisse „die einheitliche Systematik und das Gesamtergebnis der Untersuchung infrage stellen“. Aber er verspricht: „Sollten künftig neue Informationen bekannt werden, die das historische Bild Dinghofers wesentlich verändern, kann selbstverständlich eine neuerliche fachliche Beurteilung erfolgen.“
Was der FPÖ naturgemäß in die Hände spielt. Stadtrat Michael Raml hält nämlich auf Anfrage fest: „Für uns kommt eine Umbenennung nicht infrage. Das war auch keine Empfehlung der offiziellen Kommission zu den Linzer Straßennamen.“
Eine Straße nach Maximilian Aichern zu benennen, werde jedenfalls ausdrücklich gewürdigt: „Aichern prägte über viele Jahre hinweg das religiöse, soziale und gesellschaftliche Leben der Stadt. Aufgrund seiner Verdienste und seiner breiten Anerkennung wurde er vom Stadtarchiv bereits auf die Liste möglicher künftiger Namensgeber aufgenommen.“ Das könne aber nach einer Regelung der Stadt Linz erst drei Jahre nach dem Tod der betroffenen Person erfolgen.
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