Requiem im Linzer Mariendom für verstorbenen Altbischof Aichern

MAXIMILIAN AICHERN
Tausende nahmen am Samstag Abschied vom verstorbenen Altbischof Maximilian Aichern.

Tausende Menschen haben Samstagmittag beim Requiem im Linzer Mariendom Abschied von Altbischof Maximilian Aichern genommen, der am 31. Jänner im Alter von 93 Jahren gestorben ist. 

Neun Bischöfe, zahlreiche Kirchenmänner und Ehrengäste sowie Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter nahmen am Trauergottesdienst in der größten Kirche Österreichs teil. Der Linzer Bischof Manfred Scheuer hielt die Predigt, Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) sprach Gedenkworte.

"Seine Freundlichkeit hat gut getan", betonte Scheuer. Aichern sei damals mit Grundvertrauen nach Oberösterreich gekommen, unkompliziert, offen und herzlich. Dennoch sei das Bischofsamt in Linz "eine harte Knochenarbeit" gewesen, die ihn manchmal an den Rand seiner Kräfte gebracht habe. "Die Ablehnung und Gegnerschaft innerhalb der Kirche, die Denunziationen, die Querschüsse und die massiven Spannungen haben sich auf seine Nieren geschlagen und die Bandscheiben beschädigt."

"Allianz von Solidarität, Würde und Gerechtigkeit"

Aichern sei eine Projektionsfläche für Erwartungen und Idealisierungen von Kirche gewesen, "was Menschlichkeit anlangt, auch für Enttäuschungen und Aggressionen. Er wurde verantwortlich dafür gemacht, was immer passierte", erinnerte Scheuer. "Es war und ist eine Kunst, den Spagat zwischen Personen, Gruppen und Positionen, die Zerreißproben in Konflikten und Machtkämpfen zu koordinieren."

Bischof Maximilian sei jedoch immer für eine Allianz von Solidarität, Würde und Gerechtigkeit gestanden. Zudem habe er durch Entscheidungen, Ermutigung, Förderung und Weichenstellungen das Leben vieler Menschen mitgeprägt. "Heute danken wir Gott, dass er uns Bischof Maximilian in der Diözese Linz geschenkt hat", sagte Scheuer. "Vergelt's Gott für sein Wirken als Bischof, für sein Zeugnis, für seine Arbeit und auch für sein Gebet."

Landeshauptmann würdigte "wichtigen, mahnenden Gestalter"

Bischof Maximilian habe stets vermittelt, dass er die Menschen mochte, betonte Landeshauptmann Stelzer in seinen Gedenkworten. "Und die Menschen mochten und mögen ihn." Aichern habe durch viele Jahrzehnte das kirchliche, aber auch das gesellschaftliche Leben in Oberösterreich entscheidend mitgestaltet und geprägt. Für das Bundesland sei er ein wichtiger, mahnender und mithelfender Gestalter gewesen. "Denn ein Land darf sich nur dann wirklich stark nennen, wenn es niemanden zurück- und niemanden alleinlässt. Bischof Maximilian stand dafür und wirkte dafür."

Brigitte Gruber-Aichberger, die geschäftsführende Vorsitzende des Pastoralrates der Diözese Linz, erinnerte in ihren Worten an einen Mann, der "viele Brücken gebaut hat, hin zu Menschen aller Schichten, zu und zwischen zivilgesellschaftlichen Initiativen, zur Politik, zu Interessensvertretungen, Wirtschaft. Er sah Kirche klar in der Mitverantwortung für das Gemeinwohl." Sie würdigte besonders Aicherns Einsatz für die Laien und Frauen in der Kirche, etwa indem er Pastoral- und Pfarrassistentinnen und -assistenten mit der Leitung von Begräbnissen und Wortgottesfeiern beauftragte - was durchaus auf innerkirchlichen Widerstand traf.

Aichern trug Prädikat "Sozialbischof"

Der spätere Linzer Oberhirte wurde am 26. Dezember 1932 in Wien geboren. Nach der Matura arbeitete er zunächst in der elterlichen Fleischhauerei, 1954 trat er in das Benediktinerstift St. Lambrecht in der Steiermark ein. Er studierte in Salzburg und Rom, 1959 folgte die Priesterweihe und im Dezember 1981 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum zwölften Bischof von Linz, am 17. Jänner 1982 empfing Aichern die Weihe. Zuvor hatte er das Bischofsamt mehrmals abgelehnt. Bis 2005 stand er an der Spitze der Diözese. Mit seiner eher liberalen Amtsführung begründete er den "Linzer Weg". Sein Engagement für den arbeitsfreien Sonntag und andere Anliegen der Arbeitnehmer trug ihm das Prädikat "Sozialbischof" ein.

Nach den Trauerfeierlichkeiten in Linz wird der Sarg in sein Heimatkloster St. Lambrecht überstellt und am Sonntag ab 11.30 Uhr in der Stiftskirche aufgebahrt. Am Montag um 14.00 Uhr wird dort ein Requiem gefeiert. Die Einsegnung nimmt der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl vor. Danach wird der Altbischof auf eigenen Wunsch in der Äbtegruft der Stiftskirche beigesetzt. Die Spenden, die am Samstag während der Gabenbereitung im Requiem zusammenkamen, gehen an den von Aichern gegründeten Osthilfefonds, der in Ost- und Mitteleuropa unter anderem den Einsatz der Kirche in den Bereichen Bildung, Soziales und Menschenrechte unterstützt.

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