Chronik | Österreich
05.05.2018

Nur für die Herren der Schöpfung

Tanzen, trommeln, spielen und diskutieren © Bild: Männerfestival/ Oliver Seven Simon

Männerfestival bietet Programm vom Schwertkampf bis zur Massage – und will keine Frauen dabei haben

„Wenn es unter Männern keine Hierarchie gibt, geht alles sanft über die Bühne. Es werden unbewusste Qualitäten frei“, meint Franz Josef Neuwirt. Deshalb will er bei seinem fünftägigen „ Männerfestival“ nur Männer dabeihaben. Und auch wenn die europaweit einzigartige Veranstaltung in Kirchschlag bei Linz just am Muttertag-Wochenende steigt, glaubt der Veranstalter, dass die daheim gebliebenen Frauen der Teilnehmer ebenso von der Auszeit ihrer Männer profitieren.

Und diese Auszeit kann vielfältigsein: Männer dürfen bei dem Festival vom 9. bis 13. Mai zu spielenden Kindern werden, tanzen, mit Schwertern kämpfen oder andere maskuline Urtriebe befriedigen. 35 Referenten bieten in Workshops auch recht schweißtreibende Aktivitäten an: Boxen, Taekwondo oder das auf Gehirnschmalz ausgerichtete Aikido werden von Profis angeleitet.

Vorkenntnisse braucht niemand, versichert Neuwirt: „Das Spezielle bei uns ist, dass unsere Referenten nicht vorne stehen und wissen, wie es geht. Bei uns spielt sich alles auf Augenhöhe ab“. Jeder Mann hätte etwas zu geben, durch lockeren Austausch können alle anderen davon profitieren. Insgesamt 100 Männer waren bei der vorjährigen Premiere dabei. Das Spektakel sei absolut ohne Reibereien abgelaufen.

Organisator: Franz Josef Neuwirt © Bild: Atzenhofer Wolfgang

Keine Frauen

Und weil keine Frauen teilnehmen, gäbe es auch keine Ablenkung „weil dauernd jemand einem Rockzipfel hinterherschaut“, glaubt der Chef des Veranstalterteams. Auch Proteste von Frauenorganisationen habe es bisher nicht gegeben, versichert er. „Frauen haben ebenso ihre Festln, da sind wir ohnehin hinten nach“, meint Neuwirt. Keinesfalls wolle man als militant frauenfeindlicher Event dastehen.

Natürlich dürfe die weibliche Belegschaft des Bildungshauses, in dem das Fest steigt, dabei sein und ihrem Job, etwa in der Küche, nachgehen. Sollte sich doch noch eine Frau anmelden, „würde ich an ihre Wertschätzung uns Männern gegenüber appellieren.“

Keine Beanstandungen am maskulinen Treffen hat auch Sandra Konstatzky, die Leiterin der Gleichbehandlungsanwaltschaft beim Bundeskanzleramt: „Es kann nach dem Gleichbehandlungsgesetz eigene Männer- und Frauenveranstaltungen geben, wenn es etwa um einen speziellen Raum für geschlechtsspezifische Gesundheitsvorsorge oder Sittlichkeitserwägungen geht. Das Ziel von geschlechtsspezifischen Angeboten muss der Gleichstellung zwischen den Geschlechtern förderlich sein“, sagt sie.

Vielfalt

Das Festival soll in Männern die Lust auf Aktivität wecken. Neuwirth und seine Mitstreiter wollen „eine Plattform sein“, die das Hineinschnuppern in eigene Interessen und neue Angebote ermöglicht. „Wer meldet sich in einem Boxklub an, wenn er gar nicht weiß, ob ihm der Sport wirklich taugt“. Beim breiten Angebotsspektrum würden Gefühle, intellektuelle Interessen, Spieltrieb oder Ideen geweckt. Personal- und Organisationscoaches, Sozial- und Wirtschaftspädagogen oder Ärzte erkunden Themen rund um Gesundheit, Persönlichkeit, Körpersprache oder auch berufliche Chancen. Auch für Natur- und Familienmenschen ist etwas dabei – wie der Workshop „Natur mit Kindern erleben“.

Aber auch Zusammenhalt und Bierrunden kommen nicht zu kurz. Gut möglich, dass auch heuer wieder auf ein Pfiff-Kommando ein mächtiger Baumstamm durch den Wald gehievt wird.