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Chronik Österreich
01/31/2022

Nur ein "Häf‘n“ in Österreich ist ausbruchssicher

Sieben Fluchten zählten die heimischen Gefängnisse im vergangenen Jahr.

von Michael Chudik

Drei Häftlinge wittern in einer kalten Februarnacht ihre Chance und versuchen, durch ein Loch aus der Zelle zu fliehen. Über eine zerrissene und später wieder zusammengeknüpfte Bettwäsche seilen sich die Männer in den Innenhof ab. Vorerst unbemerkt. Auch die Hürde Stacheldrahtzaun überwinden sie. Bei der Außenmauer ist aber Endstation. Die Drei lassen sich widerstandslos festnehmen.

So geschehen im Vorjahr in der Justizanstalt Graz-Karlau. Ausbrüche wie diese haben in Österreich aber Seltenheitscharakter. Das zeigen Daten, die dem KURIER vorliegen.

Hohe Sicherheit

Insgesamt sieben Ausbrüche zählt das Justizministerium im Jahr 2021. Das sind um zwei mehr als im Jahr davor. „Dabei ist hervorzuheben, dass es sich um lediglich zwei Ausbrüche im klassischen Sinn, also aus dem geschlossenen Anstaltsbereich, gehandelt hat“, heißt es seitens des Justizministeriums. Am häufigsten (dreimal) wurde in Wien-Simmering ausgebüchst.

Für Kriminalsoziologe Walter Hammerschick deuten die Zahlen auf eine hohe Sicherheit hin. „Die klassischen, spektakulären Ausbrüche sind in Österreich absolute Einzelfälle. Es ist sehr, sehr schwer, auszubrechen.“

Ausgebrochen wurde in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten dennoch aus den verschiedensten Gefängnissen. Nur nicht aus einem: Die Justizanstalt Wien-Mittersteig zählt in diesem Jahrtausend, also seit dem 1. Jänner 2000, als einziges Gefängnis keinen Ausbruch.

Rückgang durch Corona

Als Flucht zählt das Justizministerium nicht nur klassische Ausbrüche, sondern auch Entweichungen, also zum Beispiel das Entziehen aus einem bewachten Außenaufenthalt und die Nichtrückkehr, also zum Beispiel nach einem Ausgang.

Auffällig ist, dass die Zahl der Ausbrüche generell und auch jene der Nichtrückkehrer von 2019 auf 2020 rapide gesunken ist. Vieles deutet auf einen Zusammenhang mit der Corona-Pandemie hin. Das sieht auch Hammerschick so: „Ganz klar. Man muss bedenken, dass der Strafvollzug in der Pandemie nach außen hin viel stärker abgeschottet wurde.“

In Österreich wird jeder Fluchtversuch genau analysiert, um Sicherheitsvorkehrungen adaptieren zu können. Auch die Vorbereitungen für eine Entlassung spielen eine wichtige Rolle. „Je besser ich die Überführung in die Freiheit gestalte, umso höher ist die resultierende Sicherheit“, sagt Hammerschick, der hinsichtlich der Entlassungsvorbereitung durchaus Luft nach oben sieht: „Das wird unterschiedlich, großteils aber eher zurückhaltend gehandhabt, da gibt es Spielraum.“ Entscheiden müsse das jedoch der Anstaltsleiter.

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