© Christophe Favreau

Chronik Österreich
12/27/2020

Norbert Sedlacek Koch: Der wagemutige Öko-Pionier der Nautik

Der Extremsegler will mit seinem Boot aus Recyclingmaterial Weltrekorde aufstellen – dabei geht es durchs Eis und die fünf Ozeane.

von Marlene Penz

34.000 Seemeilen, fünf Ozeane, durch die berüchtigte Nordwestpassage, einmal allein um die Welt in sieben Monaten – das hat sich der österreichische Extremsegler Norbert Sedlacek Koch für 2021 vorgenommen. Er will dabei zwei Weltrekorde aufstellen. Und das alles in einem Boot aus „Stein“.

„Die Rennjacht besteht aus Vulkanfaser – die ist hydrophob und nimmt kein Wasser auf“, erklärt Sedlacek Koch. Damit will der Altlengbacher die Qualität des Recyclingsmaterials unter Beweis stellen. Bei dem 18,3 Meter langen Open 60-Modell aus seiner eigenen Werft „Innovation Yachts“ im französischen Les Sables d’Olonne wurden ausschließlich wiederverwendbare Materialien verbaut. „Hier sind wir Pioniere. Man kann das ganze Boot shreddern und einer zweiten Verwendung zuführen“, erzählt er.

Der 58-Jährige will die Nautik revolutionieren. „Beim Segeln sitzt man im Moment in einem Kunststoffgefäß, wo man giftige Dämpfe einatmet“, so der Profiskipper. Dabei sei das nicht notwendig, die Vulkanfaser in Verbindung mit einem speziellen Epoxidharz einer österreichischen Firma und Balsahirnholz sei nachhaltig und gesundheitlich unbedenklich. Dass auch die Qualität stimmt und das Material unter schweren Belastungen – wie etwa bei Kollisionen mit Treibeis – standhält, will er beim Weltrekordversuch allen Zweiflern demonstrieren.

Dritter Anlauf

Es ist der dritte Anlauf für das Vorhaben, das unter dem Namen „Ant-Arctic-Lab“ läuft. 2018 musste er kurz nach dem Start umkehren: „Vieles auf der Yacht sind Entwicklungsprodukte und wenn man merkt, dass etwas nicht funktioniert, wie es sollte, heißt es zurück an den Start und Hausaufgaben machen.“ Und so geschah es.

Beim zweiten Versuch ein Jahr später haben Sedlacek Koch dann Sturmböen überrascht und es gab Schäden bei der Besegelung. „Die Nordwestpassage hat noch nie jemand einhand durchsegelt, entweder ist zu viel oder zu wenig Wind, da sollte alles passen“, erklärt er. Bei der Arktis gibt es nur ein bestimmtes Zeitfenster, wo das Eis offen ist, „wenn man davor schon Zeit verliert, ist es besser, man fährt nicht ein, sonst könnte man eingeschlossen werden“, erläutert Sedlacek Koch eines der bestehenden Risiken.

600 Kilo Verpflegung

Bis zum Start am 18. Juli werden er und sein Team die Zeit nutzen, um noch einiges an Bord zu optimieren. „Im besten Fall bin ich sechs Monate unterwegs, alles, was aber länger als sieben Monate ist, ist ein Wettlauf gegen die Zeit“, erklärt der Niederösterreicher.

Neben Ersatzteilen und Reparaturmaterial hat er 600 Kilogramm Verpflegung in 60 Containern mit. Das soll für 300 Tage reichen. „Selbst wenn sich etwas verzögert, weil Dinge brechen und repariert werden müssen, oder etwas Unvorhersehbares passiert, möchte ich nicht abbrechen müssen, weil ich zu wenig Nahrung mithabe“, betont der ehemalige Straßenbahnfahrer. Er war schon einmal 142 Tage lang allein auf See, noch einmal mindestens zwei Monate länger sollen es diesmal sein.

Viele Extremsituationen hat er bei seinen Missionen und Rennen (er nahm mehrmals an der Vendée Globe teil, sie gilt als die härteste Einhandregatta der Welt) erlebt und gemeistert. Die schlimmsten Situationen in seiner Segellaufbahn waren für ihn aber jene, wenn er Projekte abbrechen musste. „Nach allen schweren, angsteinflößenden Stürmen stellt sich ein Erfolgsgefühl ein, wenn man es geschafft hat und erfolgreich durchgetaucht ist. Auch wenn man erschöpft ist, weil es mehrere Tage gedauert hat. Wenn man aber aufgeben und umdrehen muss, ist das nicht so, das sind die traurigen Situationen.“

Testlauf für das Material

Er hofft, beim dritten Anlauf mit seiner Rennjacht nicht wieder umkehren zu müssen. Einen „Testlauf“ für das Material gab es bereits. Mit dem weltweit ersten Vulkanfaser-Prototypen, genannt Open16, der nur 4,9 Meter lang war, wagte Sedlacek Koch im Jahr 2015 zwei Rekordfahrten über den Atlantik.

Wegen gravierender Probleme mit der Stromversorgung und Elektronik musste er in Spanien anlaufen. Danach war die Zeit soweit fortgeschritten, dass sein Sohn Harald Sedlacek übernahm, während er selbst sich um die Vermarktung seines Material- und Jachtbaukonzeptes bemühte. Harald Sedlacek beendete beide Nonstop-Atlantiküberquerungen erfolgreich.

Norbert Sedlacek Kochs Antrieb für das durchaus riskante Projekt „Ant-Arctic-Lab“ ist einerseits „die persönliche Challenge, etwas noch nie Dagewesenes zu schaffen“, andererseits „den Platzhirschen am Markt zu zeigen, was unser Material kann.“

Ant-Arctic-Lab
Norbert Sedlacek Koch startet am 18. Juli 2021 mit seiner Rennjacht einen neuen Rekordversuch 

34.000 Seemeilen
Er will die Erde nonstop, einhand und ohne Hilfe von außen über beide Pol-Routen und durch alle fünf Ozeane umsegeln

23 Monate
dauerte Norbert Sedlacek Kochs Weltumsegelung in einem selbst gebauten Boot in den 1990er-Jahren. Er umrundete als erster Österreicher einhand die Erde

Vendée Globe
2004 nahm der am 27. Jänner 1962 in Wien geborene Norbert Sedlacek Koch erstmals an der Non-Stop-Regatta für Einhandsegler, die entlang des Südpolarmeers  einmal um den Globus führt, teil

Innovation Yachts
So heißt Sedlacek Kochs Firma für nachhaltigen Bootsbau 
 

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