Der Bankier Jürgen Frick wurde am Montag in der Tiefgarage des Geldinstituts erschossen.

© APA/EPA/ARNO BALZARINI

Liechtenstein, Vorarlberg
04/09/2014

Noch keine Spur vom mutmaßlichen Bankiersmörder

Solange die Polizei keine Leiche findet, besteht ein Restrisiko, dass der Tatverdächtige erneut zuschlägt.

Die Nervosität im Fürstentum Liechtenstein ist auch Tage nach der Ermordung des bekannten Bankdirektors Jürgen Frick (48) groß. Am Mittwoch hat die dreitägige Session des Landtages unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen begonnen. Neben dem Landtagsgebäude, in dem das 25-köpfige Parlament tagt, stehen auch weitere Institutionen und Personen unter Polizeischutz. Details dazu wollte die Polizei aus taktischen Gründen nicht nennen.

Denn vom gesuchten mutmaßlichen Todesschützen, dem gescheiterten Fondsmanager Jürgen Hermann, der unter anderem die Frick-Bank für seinen Ruin verantwortlich machte, fehlte auch am Mittwoch noch jede Spur. Auch im angrenzenden Vorarlberg wurde nach wie vor fieberhaft nach ihm gesucht.

Spekulationen

Die Polizei geht zwar davon aus, dass der 58-Jährige im Rhein Selbstmord begangen hat, eine Leiche wurde bis dato aber nicht gefunden – was Spekulationen nährt, Hermann, der ein erfahrener Taucher ist, könnte im wahrsten Sinne des Wortes abgetaucht sein. Jules Hoch, der Polizeichef von Liechtenstein, im Interview mit der Süddeutschen Zeitung: "Solange der Leichnam nicht gefunden wurde, besteht ein Restrisiko."

Der Österreicher Peter Kölbel, Programmchef und Moderator von 1FLTV, dem Liechtensteiner Fernsehen, der Hermann 2010 bei einem Interview kennen gelernt hatte, erklärte in seiner Nachrichtensendung seine beiden Theorien zum Verschwinden des mutmaßlichen Mörders: "Entweder hat sich Hermann in die USA, wo er bereits zuvor lange gelebt hatte, abgesetzt - oder er plant einen zweiten Teil seines Rachefeldzugs." Vor allem das Fürstenhaus müsse nun gut bewacht werden, meint Kölbel, der überzeugt ist: "Das Thema wird uns noch länger beschäftigen."

Familienmitglied besorgte die Tatwaffe illegal

Auch die Waffe, mit der Hermann am Montag drei Mal auf den Bankier geschossen haben soll, wurde weiterhin nicht gefunden. Die Ermittlungen hätten aber ergeben, dass ein Familienmitglied des mutmaßlichen Täters die Waffe im Oktober 2012 illegal im Ausland erworben und nach Liechtenstein gebracht habe, teilte die Polizei des Fürstentums mit. Weitere Abklärungen dazu seien im Gange.

Am Dienstagabend habe man zudem die Inhalte der Website des Tatverdächtigen löschen lassen. Damit soll diese vor Manipulationen durch Dritte geschützt werden, die die Ermittlungen behindern würden. Zuletzt stand darauf zu lesen: "Catch me if you can, dead or alive, reward 200’000’000 CHF" (Fangt mich, wenn ihr könnt, tot oder lebendig, Belohnung 200 Millionen Franken) – ob die Botschaft von Hermann selbst oder einem Hacker verfasst wurde, ist noch unklar. Die 200 Millionen Schweizer Franken entsprechen jedenfalls genau jener Summe, auf die der ehemalige Fondsmanager das Fürstentum und die Frick-Bank verklagt hatte.

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