Chronik | Österreich
30.12.2017

Neues Jahr startet mit schlechter Luft

Feinstaub: Wegen der Silvesterfeuerwerke steigen die Werte in ohnedies belasteten Orten bis auf das Zehnfache an.

Etwa zehn Millionen Euro jagen die Österreicher alle Jahre wieder innerhalb weniger Minuten in die Luft: So viel gibt man quer durch das Land für Silvesterraketen aus. Doch so hübsch das auch aussehen mag, die Folgen des kurzen Vergnügens sind beträchtlich: Deutschen Studien zufolge wird durch die Feuerwerke zum Jahreswechsel ein Sechstel jener Feinstaubmenge produziert, die der Kfz-Verkehr binnen eines ganzen Jahres verursacht.

Doch es braucht gar keine theoretischen Expertisen, ein Blick auf die tatsächlich gemessenen Werte genügt. So schnellte etwa in Graz die Feinstaubbelastung am 1. Jänner dieses alten Jahres auf 183 Mikrogramm, in Wien auf 172, in Innsbruck auf 123 Mikrogramm (siehe Grafik). Die EU zog eigentlich eine tägliche Höchstbelastungsgrenze von 50 Mikrogramm ein.

Belastung steigt

Auf ein Jahr gerechnet liegt die Feinstaubkonzentration in Graz, Wien und Innsbruck zwischen 25 und 18 Mikrogramm täglich. Somit wird der Jahresmittelwert je nach Region wegen der Silvesterkracher bis um das Zehnfache überschritten. Ein Zustand, der vor allem in schon belasteten Gebieten die Luft noch mehr verschlechtert. In Graz etwa wurde der EU-Grenzwert heuer bereits an 49 Tagen überschritten nirgendwo sonst in Österreich ist die Belastung vergleichbar hoch.

Das war der Grund der Grazer Politik, sämtliche Feuerwerke innerhalb des Stadtgebietes zu verbieten. Nicht einmal ein offizielles am Schlossberg gibt es mehr. Denn mit dem 1. Jänner sei es nicht vorbei mit der miesen Luft, betont Gerhard Semmelrock von der steirischen Landesregierung. "Je nach Durchlüftungssituation kann die Schadstoffbelastung mehrere Tage dauern."

Auch in anderen Landeshauptstädten ist Silvesterfeuerwerk versus Luftgüte ein kontrovers diskutiertes Thema. Innsbruck etwa entschied sich, einmal noch den beliebten Bergsilvester so richtig krachen zu lassen. Mit Jahreswechsel 2018/19 soll damit Schluss sein. Salzburg bleibt trotz einiger Debatten beim Feuerwerk über der Festung, auch Wien und Linz lassen es knallen.

Klagenfurt hingegen hat schon vor ein paar Jahren auf ein offizielles Feuerwerk verzichtet, allerdings gibt es im Gegensatz zu Graz kein generelles Verbot. Feuerwerkskörper der Kategorie F2 sind in bestimmten Stadtteilen erlaubt. Doch das reicht offenbar schon, um die Feinstaubbelastung nach oben zu schrauben: Auch in Klagenfurt wurden die Grenzwerte zu Jahresbeginn überschritten.

Der Körper schafft das

Feinstaub ist unbestritten gesundheitsschädlich, weil die kleinen Partikel in die Lunge und den Blutkreislauf geraten können. "Bestimmte Feinstäube können auch zur Verengung der Atemwege führen, auch zu Asthma", warnt Lungenfacharzt Horst Olschewski, Leiter der Abteilung für Pulmonologie am Klinikum Graz. Belastend sei vor allem die kalte Jahreszeit, in der die Heizungen hochgefahren werden und Feinstaub verursachen. Als großes Gesundheitsproblem gelte langjährige, andauernde Belastung. Bezüglich der schlechten Luft rund um den Jahreswechsel beruhigt der Experte ein bisschen: So belastend diese Tage auch seien, "damit kann der Körper sehr gut umgehen. Die Werte erreichen bei weitem noch nicht jene einer Disco, in der geraucht wird." In solchen Lokalen würden bis zu 16.000 Mikrogramm gemessen.