Chronik | Österreich
03.07.2017

Neuer Fall für Cold-Case-Ermittler

Bundeskriminalamt rollt den Fall der verschwundenen Mühlviertler neu auf.

Es ist ein Fall, der den Ermittlern des Landeskriminalamts Oberösterreich "ein Dorn im Auge" ist, wie es Leiter Gottfried Mitterlehner ausdrückt. Maximilian Baumgartner und Andreas Leitner werden seit 11. September 2015 vermisst. Verwertbare Spuren gibt es keine. Und auch nur wenige Hinweise. Im vergangenen Winter wurde die Region abgeflogen – in der Hoffnung, vielleicht ihr Auto doch noch zu finden, wenn die Bäume ihr Laub verloren haben. Auch der Moldau-Stausee wurde mit Sonargeräten untersucht. Aber auch hier: Keine Spur von den jungen Männern und ihrem Auto.

Strohhalm

Ab sofort ist der Fall ein "Cold Case" – und somit rollen die Ermittler des Bundeskriminalamts rund um Kurt Linzer den Fall noch einmal auf. "Vielleicht finden sie den Strohhalm, den wir so lange gesucht haben", sagt Mitterlehner. "Denn wir haben ein Problem damit, wenn zwei Männer spurlos verschwinden." Aktuell wird eine Fallanalyse erstellt.

Die Geschichte der beiden Jugendfreunde ist tatsächlich mysteriös. Am Abend des Verschwindens treffen sich die beiden damals 27-Jährigen in Zwettl an der Rodl mit zwei weiteren Freunden, um Bier zu trinken und zu schnapsen. Die Freunde verabschieden sich. Baumgartner und Leitner bleiben sitzen, telefonieren noch mit einer Bekannten, später wollen sie noch ein Taxi rufen, vergeblich. Wohin sie wollen, sagen sie nicht.

Die letzte Sichtung der Jugendfreunde gibt es kurz nach 2 Uhr Früh. Da wird der alte Citroën von Baumgartner auf der Bundesstraße bei Bad Leonfelden geblitzt – nur ein paar Kilometer von der tschechischen Grenze entfernt.

Was sie dort gesucht haben könnten, ist unklar. Sie hatten keine Reisepässe dabei. Im nahen Vyšší Brod gibt es ein paar Glücksspiellokale und Rotlicht-Etablissements, hier sollen auch Drogen recht leicht zu erhalten sein. Auch in diese Richtung wurde – mit Hilfe der tschechischen Kollegen – ermittelt. "Aber es gab wieder keine Hinweise", sagt Mitterlehner und seufzt. Ein Mann allerdings will die beiden Vermissten dort auf dem Marktplatz getroffen haben. Von vorne, so erzählte er, habe er sie zwar nicht gesehen. Doch der Mühlviertler Dialekt sei ihm sofort aufgefallen – und das markante Auto. Und die Beschreibung des Wagens passt tatsächlich auf den silbernen Citroën: die auffallenden Aufkleber auf der Heckscheibe, die schwarze Lackierung der Türen ab der Mitte.

Und hier stocken die Ermittlungen. Der Fall wurde schon in der Sendung " Aktenzeichen XY Ungelöst" vorgestellt – die (wenigen) Hinweise waren quer über Europa verstreut und brachten keinen Durchbruch.

Einen Unfall halten die Ermittler für unwahrscheinlich – der Pkw wäre längst irgendwo aufgetaucht. Bleiben also nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder sie sind freiwillig abgetaucht oder sie wurden Opfer einer Straftat.

"Wir haben getan, was wir konnten", sagt Mitterlehner. "Aber was sollen wir noch tun, wenn es keine Hinweise mehr gibt?"

Hinweise: 01/24836-985025.