Chronik | Österreich
23.05.2017

Neue "Spielhallen" in islamischen Einrichtungen?

Studienautor sieht eine Verlagerung vor allem in Kulturvereinslokale. Die Finanzpolizei widerspricht.

Schärfere Gesetze und strenge Kontrollen der Finanzpolizei: Die Unternehmensberater von Kreutzer Fischer & Partner haben in ihrer jährlichen Studie 2017 deutlich weniger illegale Glücksspielautomaten gezählt als im Jahr davor. Waren es 2016 noch 2986 illegale Geräte, die von den rund 150 laut Beratern ehrenamtlichen Mitarbeitern registriert wurden, so sind es heuer "nur" 2201 Glücksspielautomaten.

Spitzenreiter ist demnach weiterhin Salzburg (590 Geräte) vor Tirol (411) und Wien (382). 1219 Automaten sind von der Finanzpolizei 2016 einkassiert worden. Zum Vergleich: Im Jahr davor waren es 2207.

"Das Automatenglücksspiel wird immer stärker zurückgedrängt", stellt Studienautor Andreas Kreutzer fest. Er sieht eine Verlagerung. Österreichweit seien vor allem in islamischen Glaubenseinrichtungen und Kulturvereinslokalen neue Automaten hinzugekommen – auch weil dort die Finanzpolizei nicht hineingehen würde. "Unter den muslimischen Mitbürgern haben wir starke Spieler", meint Kreutzer.

IGGÖ wehrt sich

Ibrahim Olgun, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) zeigt sich verwundert über die Aussagen Kreutzers. Er sei sicher, dass es in den bundesweit rund 350 Moschee-Einrichtungen garantiert keine illegalen Glücksspielautomaten gebe. "Da könnte ein Moschee-Verein gleich zusperren. Es ist ein klares Prinzip unserer Religion, dass Glücksspiele verboten sind", sagt Olgun.

Man habe es als Glaubensgemeinschaft sogar begrüßt, dass dem illegalen Glücksspiel gesetzlich ein Riegel vorgeschoben worden sei (in Wien wurde das sogenannte Kleine Glücksspiel mit 1. Jänner 2015 verboten, Anm.). Denn Probleme mit Spielsüchtigen seien ihm sehr wohl bekannt: "Wir wissen, dass unter den Muslimen sehr viele ihr Gehalt verspielt haben und es deswegen in Familien zu Konflikten gekommen ist", meint Olgun.

Eine Antwort auf die Frage, in welchen Einrichtungen sich konkret illegale Glücksspielautomaten befinden, bleibt Studienautor Andreas Kreutzer schuldig. Er spricht von "sensiblen" Angaben. "Diese Daten bekommt auch die Soko Glücksspiel nicht von uns", sagt Kreutzer.

Keine Anzeigen

Die Finanzpolizei kann die Annahme des Studienautors jedenfalls nicht bestätigen. "Es liegen weder Ermittlungsergebnisse noch Anzeigen vor – und davon gibt es eine ganze Reihe", heißt es von einem Sprecher des Finanzministeriums. Man stelle das illegale Glücksspiel häufiger in Privatwohnungen fest. Generell seien die Ergebnisse der Erhebung für die Finanzpolizei nicht nachvollziehbar.