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Ermittlungen
09/13/2016

Neue Rätsel um tödlichen Absturz von Hannes Arch

Laut Internetportal war sein eigentliches Ziel die Schweiz – und der Transponder war abgeschaltet.

von Dominik Schreiber, Thomas Sendlhofer

Das Rätsel um den mysteriösen tödlichen Absturz der steirischen Kunstflug-Legende Hannes Arch wird täglich größer. Laut dem Internetportal flightradar24.com soll der Steirer bei seinem Abflug um 14.20 Uhr als Flugziel St. Gallen in der Schweiz angegeben haben – und nicht die Elberfelder Hütte in Kärnten. Ungewöhnlich auch: Der Transponder wurde nur etwa bis Berchtesgaden aufgezeichnet, danach verliert sich sein Signal plötzlich. Vom Rückflug gibt es keine Aufzeichnung.

Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Variante eins ist ein Fehler bei der Flugaufzeichnung durch flightradar24, denn Arch ist offenbar mehrfach, zuletzt im Juli, nach St. Gallen geflogen. Das erklärt aber nicht, warum kein Transponder-Signal aufgezeichnet wurde. Variante zwei wäre ein (manuelles) Abschalten des Transponders. "Das geht mit einem Handgriff. Das würde ich aber nur tun, wenn ich etwas zu verbergen habe", erklärt der Pilot eines baugleichen Robinson-Hubschraubers dem KURIER.

Der Transponder

"Sinn und Zweck des Transponders ist es, Abstände zu anderen Fluggeräten, insbesondere jenen des Linienverkehrs, zu erkennen und die eigene Route gegebenenfalls zu korrigieren. Als Pilot ist es umgekehrt von Vorteil, von anderen Fluggeräten erkannt zu werden – besonders in der Nacht", erklärt ein Flugsachverständiger.

Offizielle Stellen – von Verkehrsministerium bis zu Austro-Control – wollen die beiden Auffälligkeiten weder bestätigen, noch dementieren. Laut der ermittelnden Staatsanwaltschaft Klagenfurt geht aus den bisherigen Ermittlungen nicht hervor, welches Reiseziel Arch angegeben hat. Ein Sachverständiger soll diese offenen Fragen klären – auch ob tatsächlich der Transponder abgeschaltet wurde.

Ebenfalls unklar ist, obArch überhaupt hätte starten dürfen. Piloten weisen daraufhin, dass Hubschrauber-Flüge eigentlich in der Nacht nur von Flugplatz zu Flugplatz erlaubt sind, außerdem müsse ständig Kontakt zur Flugsicherung bestehen.

Fix ist, dass Archs private Versorgungsflüge dem großen Unternehmen Wucher das Wasser abgraben. Der Hüttenwirt gab an, dass der 48-Jährige ihn (unentgeltlich) mit Erdäpfeln versorgte, weil sein bisheriger Lieferant offenbar teuer war.

Seit April hatte Arch die Genehmigungen für Landungen zur Versorgung der Hütte. Wie er die allerdings bekommen hat, ist unklar. Normalerweise gelten im Nationalpark Hohe Tauern strengste Flugregeln. Nachdem Arch, wie berichtet, keine Konzession für Versorgungsflüge hatte, muss er diesen Freundschaftsdienst als Privatperson durchgeführt haben.

Wie bekam Arch also die Erlaubnis, für einen Privatflug in der Nacht von einer Hütte im Nationalpark Hohe Tauern abzuheben? Fehlende Genehmigungen wären ein mögliches Motiv, den Transponder abzuschalten.

Das mag auch einen weiteren Grund haben, denn derzeit laufen bei einem ähnlich gelagerten Hubschrauber-Absturz Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Mitarbeiter der Flugunfall-Untersuchungsstelle. Bei diesem Fall wurde ein eigentlich kommerzieller Flug plötzlich zu einem privaten gemacht, lautet der Vorwurf. Die Hinterbliebenen des Hubschrauberpiloten bekamen deshalb bis heute keinen Schadenersatz. Ob Anklage erhoben wird, steht noch nicht fest. Gegen einige Beschuldigte wurde das Verfahren eingestellt.

"Ein Todesschrei"

Der mit Arch verunglückte Hüttenwart Reinhard B. konnte jedenfalls bisher wenig zur Ursache des Unfalls beitragen. "Hannes meinte, er habe eine Nachtflug-Ausrüstung. Ich habe das akzeptiert. Als ich dann drin saß und nur der Lichtstrahl des Start- und Landescheinwerfers zu sehen war, sah ich keine Konturen mehr. Dann hat er sich durch das Gelände getastet, nur mithilfe der Scheinwerfer", sagte er gegenüber der deutschen Bild. Im Lichtkegel tauchte demnach eine Felswand auf. Arch versuchte noch hochzuziehen – vergeblich. "Hannes stieß einen Todesschrei aus, den vergesse ich nie."

Interessant ist jedenfalls auch, dass Arch offenbar mehrfach St. Gallen angeflogen hat; Ziel war dabei der Heliport Schindellegi. Über den Grund für die Flüge dorthin gibt sich der Chef des Heliports jedenfalls kryptisch: "Der Hannes ist ein Freund, dazu sage ich nichts."

Indes wird am Samstag in Archs Heimat ein "Lichtermeer" für den Kunstflieger stattfinden.

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