© Eva Gruber

Chronik Österreich
07/22/2021

Namen von Kletterrouten in Wiener Hausbergen sorgen für Kontroversen

Anspielungen auf rechtes Gedankengut. Naturfreunde fordern Änderung.

Wer im Internet nach Kletterrouten in den Wiener Hausbergen sucht, stößt manchmal auf merkwürdige Namen. „Festung Europa“, heißt etwa ein Steig auf der Hohen Wand. Ein Begriff aus dem Zweiten Weltkrieg, den die NS-Propaganda geprägt hat.

Im Kleinen Höllental findet sich wiederum eine Route namens „Der Blutharsch“ – offensichtlich eine Anspielung auf die gleichnamige Band, der in der Vergangenheit wiederholt Nähe zu rechtsextremem Gedankengut vorgeworfen wurde.

Gegen solche fragwürdigen Bezeichnungen machen jetzt die SPÖ-nahen Naturfreunde mobil. Sie weisen darauf hin, dass Klettersport nicht für rechte Propaganda benützt werden dürfe. In der Zeit des Austrofaschismus und des NS-Regimes verboten, fühle man sich dem antifaschistischen Widerstand verpflichtet, betont der Vorsitzende Andreas Schieder.

Heikle Materie

Die Mittel, gegen solche obskuren Bezeichnungen vorzugehen, sind allerdings beschränkt. Auf Basis einer mehr oder weniger informellen Übereinkunft steht es dem Erstbesteiger oder Erschließer einer Route zu, dieser einen Namen zu geben. Somit bleibt nicht viel mehr übrig, als an den Namensgeber zu appellieren.

Die Naturfreunde orten darin ein Problem: Die Namen würden auch in Kletterforen und Publikationen verwendet und würden so in das Bewusstsein der Kletterer sickern, die sie dann – ohne viel darüber nachzudenken – im Kletteralltag verwenden würden.

„Riefenstahl“

Das Thema ist nicht ganz neu: Bereits vor gut einem Jahrzehnt berichteten Medien über Klettersteige im Wiener Umland mit Namen wie „Riefenstahl“, „Besatzerfraß“ (ein Titel einer Rechtsrock-Band), „Kristalltag“, „Swastikaar“ (Hinweis auf das Hakenkreuz-Symbol) oder „Heil der Eiche“.

Als Urheber dieser Bezeichnungen wurde damals ein Kletterer und Autor aus Niederösterreich ausgemacht. Er bestritt jeglichen Bezug zum Nationalsozialismus bei der Namensgebung der Kletterrouten und beteuerte, diese Ideologie abzulehnen. Immerhin erklärte er sich damals dazu bereit, die umstrittenen Namen zu ändern.

Er ist offenbar auch der Namenspate der „Festung Europa“. Aktuell scheint er aber eher Vorbilder aus der modernen Fernsehwelt gefunden zu haben. Eine von ihm in der Hohen Wand im Vorjahr erschlossene Kletterroute heißt „Der Wegscheider“.

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