Symbolbild

© Getty Images/iStockphoto/Serghei Turcanu/iStockphoto

Chronik Österreich
12/11/2019

„Nacht der Emotionen“: Experten warnen vor Gewaltanstieg zu Weihnachten

Negative Emotionen würden sich zur stressigen Zeit verstärken. Andrang auf Frauenhäuser wird während der Feiertage mehr.

von Markus Strohmayer, Konstantin Auer

Als „Nacht der Emotionen“ bezeichnet Franz Lang vom Bundeskriminalamt den Heiligen Abend und liefert damit eine Erklärung, warum sich gerade in der „besinnlichsten Zeit des Jahres“ die Morde in Österreich häufen. Erst diesen Montag, dem Tag nach dem zweiten Advent, soll ein 53-Jähriger seine Lebensgefährtin in Mistelbach erstochen haben. Vergangenes Jahr schockte der Fall eines Mannes, der kurz vor Weihnachten in Wien-Donaustadt seine Ehefrau aus Eifersucht in der Badewanne ertränkte.

Dabei handelte es sich um den traurigen Schlusspunkt eines Jahres, indem es auffallend viele Frauenmorde gab (siehe Grafik). Ein Trend, der sich 2019 mit bisher 34 weiblichen Mordopfern fortsetzte. Auslöser dafür waren in vielen Fällen Trennungsabsichten, Arbeitslosigkeit, Suchtmittel oder Eifersucht. Auch sogenannte Lebensbilanzmorde sind laut Lang gerade zur Weihnachtszeit ein trauriges Phänomen. Dabei handle es sich um alte Ehepaare, die aufgrund von Krankheit und Pflegebedürftigkeit keine Zukunft mehr sehen.

Allesamt Phänomene, die sich in der stressigen Weihnachtszeit verstärken, wie Maria Rösslhumer von den Österreichischen Frauenhäusern immer wieder beobachtet: „Es gibt unterschiedliche Jahre, aber grundsätzlich steigt der Andrang auf unsere Einrichtungen rund um die Feiertage.“ Wenn es in Beziehungen Gewalt gebe, dann falle diese zu Weihnachten oft noch heftiger aus. Das liege vor allem an den Erwartungshaltungen zu Weihnachten.

Wegweisung statt Flucht

Das bestätigt auch Paul Herbinger. Der Soziologe forscht für das Institut Vicesse EU-weit zur häuslichen Gewalt: „Der finanzielle Druck ist in dieser Phase unterschätzt.“ Hinzu komme, dass die Feiertage einen Routinebruch darstellen würden. „Probleme, die vom Alltag kaschiert werden, kommen an die Oberfläche.“ Das sei besonders gefährlich, wenn gewaltbereite Menschen das Gefühl haben, die Kontrolle über den Partner zu verlieren.

In den Frauenhäusern sei deswegen auch an Feiertagen jemand anwesend: „Selbst wenn wir überfüllt sind, finden wir immer eine Lösung.“ Man würde zudem versuchen, die Polizei einzuschalten und Wegweisungen oder Betretungsverbote gegen gewalttätige Männer zu erwirken, denn: „Warum müssen immer die Frauen und Kinder flüchten“, fragt Rösslhummer.

Auch die forensische Psychiaterin Sigrun Roßmanith bestätigt das Risiko eines Gewaltanstiegs während den Feiertagen: Zu Weihnachten und zum Jahresende herrsche eine gewisse „Endzeitstimmung“, sagt sie. Im Rückblick auf das vergangene Jahr würden viele darauf schauen, was nicht gelungen ist. Gewalt in Familien hätte meist eine Vorgeschichte, bei Feiern würden dann aber oft banale Vorwürfe für eine Eskalation reichen. Vor allem da häufig noch Alkohol dazukomme, erklärt die Psychiaterin.

Betroffene erhalten Hilfe bei der Interventionsstelle gegen Gewalt und dem Frauennotruf: 0800/222555 bzw. 01/71719. M. Strohmayer & K. Auer

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.