Chronik | Österreich
02/05/2019

Vater des neunjährigen Unfallopfers fordert Lkw-Nachrüstung

Eine Petition will Lkw-Assistenzsysteme verpflichtend im Gesetz verankern, um den „toten Winkel“ zu entschärfen.

„Unser größtes Glück ist uns genommen worden. Unser geliebter Sohn ist auf dem Schulweg von einem abbiegenden Lkw überfahren worden. Er durfte nur neun Jahre leben. Vielleicht erspart diese Initiative anderen Menschen die Verzweiflung, die wir fühlen.“

Mit diesen bewegenden Worten wandte sich der Vater eines in der Vorwoche bei einem Lkw-Unfall getöteten Neunjährigen am Dienstag via Twitter an die Öffentlichkeit. Er rief dazu auf, eine Petition für verpflichtende Abbiegeassistenten bei Lkw zu unterschreiben. Der Bub war beim Überqueren der Straße auf einem Zebrastreifen von dem Lkw erfasst worden. Insgesamt verloren im Vorjahr 14 Fußgänger und Radfahrer bei Unfällen mit Lkw ihr Leben. Nach einem Tag hatte die Initiative die etwa von der Radlobby, vom Verkehrsclub Österreich und der TU Wien begrüßt wird, bereits knapp 3000 Unterstützer. Nun soll sich Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) mit dem Thema beschäftigen – zumindest, wenn es nach den Initiatoren geht.

Der tote Winkel macht die Situation zwischen Lastwagen und anderen Verkehrsteilnehmern so gefährlich. Abhilfe schaffen können Kamera-Systeme, die den toten Winkel abdecken. Die EU schreibt diese verpflichtend erst ab 2024 vor. Die Nachrüstung alter Lkw ist dabei aber nicht vorgesehen.

Kostenfaktor

Die Wirtschaftskammer (WKO) hat sich bereits für verpflichtende Abbiegeassistenten ausgesprochen. Spediteure stehen dem aber kritisch gegenüber. Für Ludwig Pall, den Chef eines Speditionsunternehmens in Oberwart, wäre eine Nachrüstung ein „finanzieller Wahnsinnsakt“. Teilweise sei diese bei älteren Lkw gar nicht möglich. „Wir wären dafür, aber finanziell schaffen wir es nicht“, sagt der Unternehmer.

Auch Markus Fischer, Obmann der niederösterreichischen Spediteure, pocht auf den Kostenfaktor. „Wir unterstützen grundsätzlich die Forderung nach verpflichtenden Abbiegeassistenten – auch als Nachrüstung. Man muss aber schauen, bei welchen Modellen das technisch ohne zu großen finanziellen Aufwand möglich ist.“ Sein Vorschlag: Die öffentliche Hand soll die Anschaffung der Geräte fördern, das würde den Anreiz für die Frächter erhöhen.

Auch in Deutschland wurde nach tödlichen Unfällen eine Pflicht für Abbiegeassistenten diskutiert. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) versprach im vergangenen Jahr eine Nachrüst-Förderung von insgesamt fünf Millionen Euro. Gesetzlich umgesetzt wurde bisher aber noch nichts.

Blickfeldforschung

Unfallforscher Ernst Pfleger beschäftigt sich detailliert mit der Thematik. Eine strengere Regelung ist für den Experten unumgänglich. Man müsse aber genau überlegen, welche generelle Lösung kommen soll: „Der Sachverhalt muss gelöst werden und Nachrüsten ist wichtig. Man muss aber auch die Blickfeldforschung miteinbeziehen. Wenn es Kameras geben soll, ist die Frage auch, wo dann das Display im Lkw platziert ist“, sagt Experte Pfleger.