© Denise Kopyciok

Chronik Österreich
06/24/2022

Nach sechs Jahren: Abschiebung statt Matura

Die 19-jährige Ajla muss nach Serbien zurück, weil ihrem Vater eine Scheinehe vor acht Jahren nachgewiesen wurde. Die Schülerin wurde zusätzlich mit einem dreijährigen Einreiseverbot belegt.

von Josef Kleinrath

„Grüß Gott, hier spricht Ajla, das Mädchen, das abgeschoben werden soll.“ Höflich, in perfektem Deutsch, meldet sich die 19-Jährige am Handy, als sie zurückruft, um ihre Geschichte zu erzählen. „Vor acht Jahren ist mein Vater eine Scheinehe eingegangen, die Behörden haben das herausgefunden und wollen uns abschieben“, schildert sie ohne Umschweife den Sachverhalt.

Das ist vor vier Jahren aufgeflogen, seither kämpft die Familie um den Verbleib in Österreich. Ihre Familie, das sind der Vater, er arbeitet als Zimmerer, die Mutter, die sich um den Haushalt und die zehnjährige Schwester kümmert, der 22-jährige Bruder, der die Lehrabschlussprüfung in Elektrotechnik nicht mehr machen kann, und eben Ajla.

Ajla ist mit 13 ihrem Vater nach Österreich gefolgt, besuchte zuerst eine Neue Mittelschule, wechselte dann ins Gymnasium Anton-Krieger-Gasse in Wien, wo sie zu den Klassenbesten zählt. „Ich habe nur Einser und Zweier in der Schule“, ist sie stolz auf den sehr guten Erfolg in der 7. Klasse. Ob sie die Matura machen kann, hängt von den österreichischen Behörden ab.

"Vater hat Aufenthaltsrecht verwirkt"

Die Wiener MA 35 erklärt dazu: „Der Vater hat sein Aufenthaltsrecht verwirkt, infolgedessen auch seine Kinder. Daher musste der Aufenthaltstitel entzogen werden, diese Entscheidung wurde bereits vor mehreren Jahren vom Verwaltungsgericht Wien bestätigt.“ Da die Familie kein Aufenthaltsrecht in Österreich mehr hat, wurde eine „Rückkehrentscheidung“ durch das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) getroffen. „Im November war die Polizei um elf Uhr in der Nacht bei uns und hat uns zur Rückkehr nach Serbien aufgefordert“, erinnert sich Ajla.

Einreiseverbote

Das BFA entscheidet, ob Personen, die ausgewiesen werden, mit einem Einreiseverbot belegt werden. Im Falle von Ajlas Familie wurden sie und ihre Mutter mit drei, der Bruder mit vier und der Vater mit fünf Jahren Einreiseverbot belegt, nur die 10-jährige Schwester nicht.

Ob das Einreiseverbot als „Lex Tina“ zu sehen sei, um eine neuerliche medienwirksame Rückkehr einer abgeschobenen Schülerin zu verhindern, wie im Fall der Georgierin, wurde nicht beantwortet: Zu Einzelfällen gebe es aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Auskunft, so das BFA.

Onkel in Wien würde für Ajla sorgen

„Ich habe große Angst, weiß nicht, was mich erwartet“, schildert Ajla, „ich bin hier zu Hause, ich brauche die Matura, um studieren und einen Job bekommen zu können.“ Was sie gar nicht versteht: „Die Richterin hat angeführt, wir seien nicht integriert und ich hätte nicht gearbeitet. Wie soll ich neben der Schule arbeiten?“ Um ihren Unterhalt müsse sich der Staat keine Sorgen machen, so die 19-Jährige: „Ich kann bei meinem Onkel wohnen, der bürgt für mich und kommt für alles auf, was ich brauche.“ Ajla hofft noch auf ein Einlenken der Behörden, das Einreiseverbot will sie juristisch bekämpfen.

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