Um sie bei Unfällen zu schützen, sollten Kinder beim Rodeln eigentlich besser hinten sitzen. 

© Innsbruck Tourismus / Christian Vorhofer

Chronik Österreich
01/04/2021

Nach schweren Rodelunfällen: Verband will Helmpflicht

Rodler unterschätzen laut Experten oft das Risiko. Dabei ließe es sich leicht minimieren.

von Stefanie Rachbauer

Es ist Samstag um 15.15 Uhr, als ein zehnjähriges Mädchen am Semmering einen schweren Rodelunfall hat. Es verletzt sich dabei am Bein und wird mit dem Rettungshubschrauber ins Spital geflogen.

Es wird an diesem Tag nicht der einzige Unfall auf der beliebten niederösterreichischen Rodelbahn bleiben.

Innerhalb der nächsten 45 Minuten verletzen sich auf der drei Kilometer langen Strecke zwei weiteren Rodlerinnen im Alter von 19 und 53 Jahren. Das teilte die Polizei am Sonntag mit.

Und bekannt wurde, dass im steirischen Steinhaus am Semmering eine 22-jährige Rodlerin schwer stürzte. Auch sie wird mit dem Hubschrauber ins Spital geflogen – ebenso wie eine 47-Jährige, die sich in Kirchdorf in Tirol bei einem Rodelunfall lebensgefährliche Verletzungen zuzog.

2.200 Rodelunfälle jährlich

Unfälle wie diese ereignen sich in Österreich laut dem Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) rund 2.200 Mal pro Jahr. Im Schnitt enden zwei davon tödlich.

Wesentlicher Grund für die Unfallzahlen: „Rodel-Risiken werden oft unterschätzt“, sagt Johanna Trauner-Karner, Expertin für Sportprävention beim KFV, im KURIER-Gespräch.

Das harmlos wirkende Rodeln sei eine der gefährlichsten Sportarten überhaupt. Die häufigsten Verletzungen sind laut Daten des KFV aus dem Jahr 2017 mit 60 Prozent Knochenbrüche sowie Prellungen (20 Prozent) – neun Prozent sind Kopfverletzungen.

Risiko ab 10 km/h

Um das Risiko, das mit der Schlittenfahrt einhergeht, zu veranschaulichen, hat das KFV vor Kurzem mit der TU Graz mit Computersimulationen Rodelunfälle untersucht.

Das Ergebnis: Bei Kindern, die ohne Helm rodeln, besteht bereits ab einer Geschwindigkeit von 10 km/h ein erhebliches Risiko für schwere Kopfverletzungen. Ab 20 km/h haben Erwachsene ohne Helm „keine Chance“, sagt Trauner-Karner.

Für die Expertin ist daher „Schutzausrüstung besonders wichtig“. Vor allem, was den Helm angeht, brauche es „mehr Bewusstseinsbildung“.

Deutlicher wird man auf Anfrage beim Österreichischen Rodelverband (ÖRV). „Wir wären die Letzten, die sich gegen eine generelle Helmpflicht wehren würden“, sagt ÖRV-Profi-Rodlerin Sandra Mariner.

In einigen Bundesländern wurde eine derartige Vorgabe bereits zumindest für Kinder bis 15 Jahre eingeführt – sie gilt beim Skifahren und Rodeln.

Zusätzlich brauche es die entsprechenden Fähigkeiten: „Es herrscht immer noch die Meinung, dass jeder Rodeln kann“, sagt Mariner. Dem sei aber nicht so.

1. Gute Ausrüstung verwenden: Qualitätsrodel mit Lenkriemen benutzen. Schutzhelm, feste Schuhe, Handschuhe und eine Skibrille tragen.  

2. Kinder nach hinten setzen: Rodeln Erwachsene und Kinder auf einem Schlitten, sollten Letztere hinten sitzen. Das verschafft ihnen, sollte es zu einem Unfall kommen, einen Aufprallschutz. 

3. Richtige Technik  anwenden: Nie mit dem Kopf voraus Rodeln. Immer mit beiden Schuhsohlen bremsen. Eine genaue Anleitung ist auf dem YouTube-Kanal des Rodelverbandes zu finden. (Zum Video geht es hier.)

„Man muss den Umgang mit dem Material lernen", so Mariner. Sinnvoll wären daher auch Rodelkurse in Schulen – nach dem Vorbild von Skikursen.

Extremer Andrang

Dem Rodeln komme diese Saison eine besondere Bedeutung zu, so Mariner. Weil Corona kaum Freizeitaktivitäten zulasse, und sich so mancher vielleicht doch nicht beim Skilift anstellen möchte, werde möglicherweise mehr gerodelt als sonst.

Dass sie damit richtig liegen könnte, darauf hat das vergangene Wochenende hingedeutet: Laut Hermann Doppelreiter, Bürgermeister der Gemeinde Semmering (ÖVP), war der Zustrom extrem: „Es waren fast mehr Wanderer, Spaziergänger und Rodler als Skifahrer da.“

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