Chronik | Österreich
13.07.2017

Mussolini-Kult am Brenner: Ablaufdatum für den Duce-Wein

Italien will faschistische Propaganda unterbinden. Die ist derzeit noch ein gutes Geschäft.

Drei Mal haben sich Adolf Hitler und Benito Mussolini in den 1940er-Jahren am Brenner getroffen. Präsent sind der "Führer" und der "Duce" in dem Ort auf der Passhöhe bis heute geblieben. In einer Bar auf der italienischen Seite der Grenze ist dem NS-Diktator in einer Ecke des Lokals ein ganzes Regal mit Weinen gewidmet, auf deren Etiketten Hitlers Konterfei abgebildet ist.

Ein Stück weiter die Straße hinunter hat ein Weinhändler Italiens faschistischen Diktator Mussolini im Angebot. Zwischen Chianti, Ramazzotti und Cynar finden sich auch noch Flaschen mit den Abbildern von Che Guevara, berühmten Nazis und Kaiser Franz Joseph I.

Bleibt die Frage, wer solche bizarren Artikel kauft. "Es sind vor allem Junge", sagt der Chef des Ladens auf den Duce-Wein angesprochen. Deren Interesse kann der Mann selbst nicht ganz verstehen. "Aber es gibt eine große Nachfrage", erklärt er. Probleme mit der Polizei bringt dem Händler dieses offenbar florierende Geschäft keines, wie er versichert: "Die Abbildungen sind kein Problem. Nur Werbung für das System zu machen, wäre verboten."

Wellen der Empörung

Was nördlich der Grenze in Österreich sofort eine Anzeige wegen Wiederbetätigung bescheren würde, sorgt am Brenner seit Jahr und Tag maximal für Kopfschütteln und alle paar Jahre einmal für größeres mediales Aufsehen. Die Diktatoren-Weine in dem Dorf sind sinnbildlich für den laxen Umgang Italiens mit seiner faschistischen Vergangenheit. Das Geschäft mit Mussolini-Devotionalien und anderen Souvenirs aus dunklen Zeiten blüht im ganzen Land.

Doch damit könnte bald Schluss sein. Im italienischen Parlament wird derzeit über einen Gesetzesentwurf diskutiert, mit dem das Delikt der Propaganda für das faschistische und nationalsozialistische Regime in des Strafgesetzbuch eingeführt wird. Produktion, Verkauf und Vertrieb von Waren mit Bildern und Symbolen, die sich auf NS-Diktator Adolf Hitler oder Italiens faschistischen Diktator Benito Mussolini beziehen, soll streng bestraft, der faschistische "Römische Gruß" verboten werden.

Franz Kompatscher, Bürgermeister der Gemeinde Brenner, begrüßt den Gesetzesentwurf. "Mir ist es ganz recht, wenn es keine Hitler- und Mussolini-Weine mehr gibt", sagt er. Dass diese in Geschäften seines Orts verkauften Artikel bei Opfern des Faschismus oder ihren Angehörigen immer wieder für Empörung gesorgt haben, ist für Kompatscher nur zu gut nachvollziehbar. Ob das neue Gesetz beschlossen wird, ist derzeit aber noch offen.