Chronik | Österreich
13.10.2018

Muslimische Jugend besuchte Auschwitz

Reise mit knapp 20 Jugendlichen im Rahmen des Projekts "MuslimInnen gegen Antisemitismus".

Erstmals hat eine Delegation der Muslimischen Jugend Österreich (MJÖ) die Gedenkstätte im ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau besucht. Knapp 20 Jugendliche aus sechs Bundesländern bekamen am Freitag und Samstag Einblick in das grausamste Vernichtungslager des Nationalsozialismus, in dem mehr als 1,1 Millionen Menschen ums Leben gekommen waren.

Die Reise nach Polen, die vom österreichischen Gedenkdienst organisiert wurde, findet im Rahmen des Projekts "MuslimInnen gegen Antisemitismus" statt, das seit Jahresbeginn läuft und bereits einige Besuche jüdischer Einrichtungen beinhaltet hat. Auch Kooperationen mit jüdischen Einrichtungen wurden eingegangen, die Israelitische Kultusgemeinde hatte die Initiative begrüßt, gleichzeitig aber auf antiisraelische Propaganda von muslimischen Vereinen in Österreich hingewiesen.

Die Muslimische Jugend ist seit langem bemüht, ihre Solidarität mit den Opfern des Holocaust zu bekunden. Seit mehr als einem Jahrzehnt nimmt die Organisation an den Gedenkfeiern im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen teil, wie Nermina Mumic, eine der Vorsitzenden, betont.

Muslimische Jugend: Antisemitismus nicht islam-spezifisch

Freilich will man bei der Reise nicht nur auf den Aspekt hinweisen, dass hier muslimische Jugendliche dem Vernichtungslager einen Besuch abstatten. Es gehe auch darum, dass sich österreichische Jugendliche der Vergangenheit ihres Landes stellen, erläutert Canan Yasar vom Vorsitzteam der MJÖ den Sinn der Reise. Dem Pauschalvorwurf, dass Muslime Antisemiten seien, tritt sie entgegen. Dieses Phänomen gebe es tatsächlich, aber genauso bei Österreichern anderer Konfessionen.

Die Gruppe, die übrigens in einer christlichen Einrichtung untergebracht ist, war Donnerstag spätabends in Auschwitz (Oswiecim) eingetroffen und besuchte am Freitag vier Stunden lang die Gedenkstätte. Am Samstag gab eseine ebenso lange Führung in Birkenau.