Daniela Kammerer starb wenige Tage vor ihrem 20. Geburtstag

© Helmut Lackinger

Innsbruck
02/07/2014

Mordfall Kammerer: Verdächtiger nach sechs Wochen frei

Kein dringender Tatverdacht mehr gegeben. Schwere Vorwürfe gegen die BK-Ermittler.

von Michaela Reibenwein

Wende im Mordfall Kammerer: Sechs Wochen lang saß der 29-jährige Thomas B. aus Perchtoldsdorf in Untersuchungshaft. Der Verdacht: Er soll im Jahr 2005 die Studentin Daniela Kammerer aus NÖ in einer Telefonzelle in Innsbruck erstochen haben. Doch bei der Haftprüfung Freitagfrüh stellte sich heraus: Die Suppe ist zu dünn. Thomas B. ist wieder in Freiheit. „Es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Er ist erleichtert. Und er freut sich über den Wiedergewinn der Freiheit“, sagt sein Anwalt Albert Heiss. „Ich will, dass so etwas nie wieder passieren kann“, lässt Thomas B. ausrichten.

Beweise getrimmt?

Gleichzeitig erhebt der Verteidiger schwere Vorwürfe gegen die Ermittler des Cold-Case-Teams des Bundeskriminalamtes (BK). „Da wurden Beweise entsprechend hingetrimmt. Das lässt sich anhand des Aktenverlaufs nachweisen.“

Bisher stützte sich die Staatsanwaltschaft auf zwei Beweise: Eine DNA-Spur des Verdächtigen, die auf der Innenseite des Rocks von Daniela Kammerer gefunden wurde. Doch: Diese Spur lässt aufgrund ihrer „geringen Intensität“ keine aussagekräftigen Schlüsse gegen den Beschuldigten zu, sagt Thomas Willem, Sprecher der Staatsanwaltschaft Innsbruck. Und: Der ehemalige Mitbewohner des Verdächtigen machte unterschiedliche Aussagen darüber, ob Thomas B. zum Tatzeitpunkt daheim gewesen ist oder nicht.

Schlussendlich habe die Vernehmung des Beschuldigten den Ausschlag für die Enthaftung gegeben. Thomas B. bestritt von Anfang an jeden Zusammenhang mit der Tat.

Wie berichtet, war Thomas B. am 22. Dezember des Vorjahres auf dem Flughafen Schwechat von den Ermittlern festgenommen worden. Er war von Australien angereist, wo er arbeitet, und wollte Weihnachten zu Hause verbringen. Zu der Verhaftung hätte es laut seinem Anwalt Heiss erst gar nicht kommen dürfen. „Das ist skandalös. Von Anfang an bestand kein dringender Tatverdacht. Die Ermittler wollten endlich einen Täter überführen.“

Dabei hätten sie sich auch fragwürdiger Methoden bedient, wirft Heiss den Ermittlern vor. Die Art der Befragungen stößt ihm ebenso auf wie eine Einvernahme des Verdächtigen ohne Anwalt. „Bei der Einvernahme fiel die Bemerkung eines Ermittlers: ,Jetzt haben wir diese Drecksau.‘“ Entsprechende Verfahren gegen die Beamten wären im Laufen. Das Bundeskriminalamt wollte zu den Vorwürfen vorerst keine Stellungnahme abgeben.

Die Ermittlungen im Fall Kammerer gehen weiter. Inoffiziell heißt es von einem Ermittler nur: „Es ist nicht lustig, wenn der Hauptverdächtige ausgelassen wird.“

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