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Chronik Österreich
03/30/2021

Mit dem Smartphone Zucchini ernten

Gemüse virtuell anbauen, aber real ernten. Das Erfolgskonzept zweier Kärntner, von denen nun ein Handelsriese lernt.

von Anja Kröll

2.408 Gärtner fiebern dem Beginn der Aussaat auf ganz besonderen Äckern in Kärnten entgegen. Gummistiefel oder einen Spaten braucht keiner von ihnen. Denn gegartelt wird ausschließlich vom Smartphone, Tablet bzw. Computer aus. Völlig virtuell, und dennoch mit einer realen Ernte am Ende.„Frisches Gemüse vom eigenen Acker, egal wo man wohnt, das war unsere Idee“, erklärt Christoph Raunig, Gründer der Plattform „MyAcker“. Gemeinsam mit seinem Partner Patrick Kleinfercher hatte der Kärntner 2018 die Idee für den virtuellen Gemüsegarten. Nach einem Auftritt bei der Sendung „2 Minuten, 2 Millionen“, starteten die beiden mit einem kleinen Acker und damals noch 400 Online-Gärtnern in Oberkärnten durch. 23.480 Pflanzen später, geht die Erfolgsgeschichte der Kärntner weiter.

 

Doch dazu später.

Jäten mit dem Handy

Die virtuelle Gemüsegärtnerei zum Mieten funktioniert so: Man sitzt Zuhause, z. B. in Wien, und aktiviert per App seine Gemüsegarten-Parzelle in Kärnten. Dann wählt man, was angepflanzt werden soll. Daraufhin legen die echten Gärtner von MyAcker den echten Garten exakt nach den Vorstellungen des Online-Gärtners an. Mit einer speziellen Technik wird die Parzelle ab diesem Zeitpunkt überwacht. Diese Technik ist es auch, die dem Online-Gärtner alle Informationen über sein Gemüsebeet direkt aufs Handy liefert – etwa wann das Beet gegossen oder gejätet werden muss.

Per Knopfdruck werden virtuell die Aufträge erteilt, der echte Kärntner-Gärtner rückt aus. „Und wenn das Gemüse reif ist, ernten wir es nach Aufforderung und schicken es CO²-neutral über Nacht an die gewünschte Lieferadresse“, erklärt Raunig.

Selbstbedienungsläden

Doch Garteln allein war den beiden innovativen Köpfen nicht genug. Was zurück zur Erfolgsgeschichte führt. Den Online-Gärtnern fiel auf, dass viele Kunden ihr Gemüse auf dem eigenen Marktplatz von MyAcker verkauften. „Hinzu kam, dass jeder zweite Kunde regionale Kärntner Produkte zum Gemüse auf dem Marktplatz dazu bestellt hat und viele Einheimische auch Ware von uns kaufen wollten. So entstand die Idee für die Ackerboxen“, erzählt Raunig.

Dabei handelt es sich um kleine Selbstbedienungsboxen, die mit den Produkten von „MyAcker“ und regionalen Produzenten befüllt werden. Ihr Unternehmen beschreiben der 37-jährige Raunig, der vor allem für die strategische Ausrichtung verantwortlich ist und sein Partner Kleinfercher (36), der sich um die IT kümmert, so: „Wir sehen uns als innovatives IT-Unternehmen. Wir programmieren und erstellen Systeme, die auch andere übernehmen. So findet man unsere IT etwa in den Shop-Systemen der Therme Loipersdorf.“

Zurück zu den Ackerboxen. „Wir vertreiben die Boxen mittlerweile im Franchise-System. Auch der Schritt nach Wien ist angedacht.“

Handelsriese lernt von kleinem Start-up

Die Boxen entsprechen gerade in der Pandemie dem Trend der Zeit, dies hat auch die Handelskette Billa erkannt. „Billa ist vor Weihnachten an uns herangetreten. Ein riesiges Unternehmen kommt auf ein kleines Start-up auf Kärnten zu, das ist schon ein Wahnsinn“, sagt der MyAcker-Gründer. Das Ergebnis: Am Mittwoch wird in Oberkärnten die erste Billa-Regional-Box aufgestellt, mit der Beratung, dem Konzept und dem System des Kärntner Start-ups. Der Handelsriese wurde bei der Umsetzung von „MyAcker“ beraten und erhielt die nötige Technik vom Start-up gestellt. Billa dürfte wie die „MyAcker-Boxen“ – die weiterhin selbstständig bestehen bleiben – auf regionale Produkte setzen, zusätzlich mit einem kleinen Sortiment an Hygieneartikeln. Nach Ostern soll der Verkauf offiziell an vier Standorten in Kärnten beginnen. Zeigt sich, dass der Feldversuch ein Erfolg ist, könnte eine Ausrollung auf ganz Österreich erfolgen. 


Zutritt zur Ackerbox erhält man übrigens mittels Kundenkarte oder EC-Karte. Geöffnet ist die Ackerbox 72 Stunden in der Woche. Mehr als einen halbe Million Produkte wurden  bisher verkauft. Bis Jahresende soll es in ganz Österreich 30 Franchise-Ackerboxen geben.

Wer nun Lust aufs Garteln bekommen hat, der muss sich ein wenig gedulden. „Wir haben Wartelisten, weil alle Äcker voll sind. Aber der nächste Schritt, ist, dass wir mit unseren Äckern noch regionaler werden“, sagt Raunig. Wer solange echte Ackerluft schnuppern will, ist jederzeit in Kärnten willkommen. Dann aber besser mit Gummistiefeln statt Handy.

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