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Chronik Österreich
03/29/2021

Ausbildungsstau bei der Alpinpolizei

Alpinpolizisten sind wegen Corona doppelt gefordert: Mehr Einsätze, weniger Nachwuchs

von Anja Kröll

Schneefall, Sturm und Lawinenwarnstufe vier auf der fünfteiligen Lawinengefahren-Skala: Das Wetter stellte die angehenden Alpinpolizistinnen und -polizisten, die in der vergangenen Woche in der Steiermark ihre Alpinausbildung abgeschlossen haben, auf eine harte Probe. „Wir mussten am Ende sogar zwei Führungstouren auf die Südabdachung der Hohen Tauern verlegen, weil die Lawinenlage so angespannt war“, erzählt der Leiter der steirischen Alpinpolizei Siegmund Schnabl.

Die andere harte Probe für alle Alpinpolizisten Österreichs lautet seit mehr als einem Jahr: Corona. Wegen der Pandemie mussten und müssen österreichweit immer wieder Ausbildungskurse verschoben werden. So auch in der Steiermark. „Wir hätten den Kurs von vergangener Woche eigentlich im März vor einem Jahr geplant gehabt, doch dann kam Corona und wir mussten aus Sicherheitsgründen alles verlegen“, sagt Schnabl. Die Folge: Ein regelrechter Ausbildungsstau bei den rot-weiß-roten Nachwuchs-Alpinpolizisten. Und ein Einsatzproblem in der Praxis.

Experten der Polizei für die Berge

Zur Erklärung: Die Alpinpolizei kommt in Österreich immer dann zum Einsatz, wenn es darum geht, Unfälle im alpinen Gelände zu erheben und Anzeigen bzw. Berichte für die Staatsanwaltschaften und Behörden zu erstellen. Ebenso steht sie bei Fahndungen und beim Suchen nach vermissten Personen in den Bergen im Einsatz.

So war es vor Corona. Seit Corona kontrollieren die polizeilichen Experten der Berge zusätzlich, ob negative Tests bei Skifahrern vorliegen (auf dem Nassfeld in Kärnten oder im Skigebiet Gasteinertal wurden diese etwa eine Zeit lang gefordert, Anm.), ob der Mindestabstand beim Anstehen eingehalten wird oder ob Skihütten auch wirklich geschlossen halten bzw. ob die Take-away-Auflagen regelkonform erfolgen.

Viele Aufgaben für die rund 500 Alpinpolizisten in ganz Österreich. Nachwuchs wäre also dringend gefragt. Diesen gibt es auch, aber die Alpinpolizeianwärter dürfen erst nach ihrer abgeschlossenen Ausbildung auch im freien Gelände tätig werden. „Davor dürfen sie Ski- und Rodelunfälle aufnehmen, aber eben bei Skitouren- und Lawinenunfällen nicht aktiv werden“, erklärt Schnabl.

Ansturm unerfahrener Skitourengeher

In einem Jahr, in dem Österreichs Berge von – teilweise unerfahrenen – Skitourengehern und Schneeschuhwandern regelrecht gestürmt werden, keine gute Voraussetzung.

„Aktuelle Statistiken zeigen, dass die Zahl der Alpinunfälle gerade in Zeiten der Pandemie zugenommen hat“, weiß auch der Landespolizeidirektor der Steiermark, Gerald Ortner.

Es wäre ein Einfaches zu sagen: Nehmt mehr Alpinpolizisten auf. Doch die Zahl für die intensive, zeitaufwendige und nicht für jeden geeignete Ausbildung ist beschränkt. In der Steiermark, wo es aktuell 73 Alpinpolizisten gibt, kommen so etwa jährlich nur acht bis neun neue Alpinpolizisten hinzu.

Nur mit negativen Corona-Test zur Ausbildung

So auch beim Kurs von vergangener Woche in der Steiermark: Insgesamt acht Polizistinnen und Polizisten, die weiter Dienst auf einer Polizeiinspektion versehen und im Bedarfsfall für den Einsatz in den Bergen angefordert werden, dürfen sich nun Alpinpolizisten nennen.

Um dies in Corona-Zeiten zu ermöglichen, öffnete für die Gruppe extra ein Hotel seine Pforten. Und zum Kurs ging es nur mit Eintritts- bzw. Austrittstest.

Ende gut, alles gut? Nicht ganz. „Wir sind mit den anderen Ausbildungskursen nicht ganz im Plan, weil sich einfach alles verschoben hat. Nicht nur dieser Kurs“, sagt Schnabl.

So ähnlich dürfte es nicht nur der Alpinpolizei ergehen, sondern auch der Österreichischen Bergrettung. Kurse finden aktuell nur sehr eingeschränkt bzw. gar nicht statt.

„Corona schafft für uns mehr Arbeit und bringt weniger Kolleginnen und Kollegen in die Ausbildung“, zieht Alpinpolizist Schnabl Bilanz.

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