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Chronik Österreich
07/05/2019

Millionenkosten: Reiterstaffel wartet darauf, wie es weitergeht

Große Investitionen stehen an, doch vorerst darf die „Berittene“ nur im Park ausreiten.

Knapp 2,5 Millionen Euro.

So viel hat laut mehreren hochrangigen Beamten des Innenministeriums die berittene Polizeieinheit bisher insgesamt gekostet. Dazu kamen laut einer Berechnung des Bundeskriminalamts (inklusive Personal) noch laufende Kosten von einer Million Euro im ersten Jahr.

Also offenbar weit mehr als die bisher von Ex-Innenminister Herbert Kickl genannten 600.000 Euro für zwei Jahre.

Wie im Juni berichtet, läuft bereits eine Evaluierung des Innenministeriums, um diese ressortintern kursierenden Zahlen zu überprüfen. Denn es werden weitere Kosten anfallen, wenn in Wien ein fixer Standort für die „Berittene“ gesucht wird.

Glaubt man der ersten Berechnungen der Wiener Polizei von vor über einem Jahr, dann könnten hier bis zu fünf Millionen Euro an Investitionen anstehen. Denn es müssten nicht nur Ställe gefunden werden, sondern auch eine Koppel. Dazu wäre wohl eine Bewachung oder Sicherung notwendig.

Darüber hinaus gibt es derzeit außerdem Pläne, die Reiterstaffel von der „Cobra“ aus Wiener Neustadt an die Wiener Verkehrspolizei zu übertragen. Doch dort soll man dem Vernehmen nach von dieser Idee eher wenig begeistert sein.

Einsatzbereit

Vorerst bleibt der Standort jedenfalls in Wiener Neustadt. Dass die Reiterstaffel derzeit nicht in den Einsatz gehen darf, ist für den (erst kürzlich auf elf uniformierten Polizisten und Polizistinnen gekürzte) Trupp ein hartes Los. Die Beamten haben monatelang darauf hintrainiert. Zuletzt war die Kavallerie sogar in Ungarn um mit der dort erfahrenen Polizei-Reiterstaffel gemeinsame Streifen auf der Margareteninsel in Budapest zu reiten.

Dieser Tage haben alle elf Beamten mit ihren Pferden die Abschlussprüfung für den berittenen Streifendienst positiv abgelegt. Dafür wurde extra eine Fachjury aus Experten des Österreichischen Pferdesportverbandes und anderer Institutionen zusammen gestellt. Die Jury arbeitete die Anforderungen für die Dienstprüfung aus und nahm diese auch ab.

„Wir wären bereit für den Streifendienst“, heißt es von Seiten der Einheit.

Doch derzeit hängt alles in der Luft. Solange sich Innenminister Wolfgang Peschorn nicht entscheidet, wie es mit der Truppe weitergeht, sind die teuren Pferde und fertig ausgebildeten Reiter zum Trainingsgalopp degradiert. Und das nur noch ausschließlich im Akademiepark in Wiener Neustadt, dem Sitz der Ausbildungsanlage.

Um kein „unnötiges öffentliches Interesse zu erregen“, sind die Austritte im Stadtgebiet von Wiener Neustadt derzeit bis auf weiteres vom Innenministerium untersagt worden. Und das, obwohl es eine Einigung mit der Stadtgemeinde Wiener Neustadt gibt. Das Magistrat hat sich bereit erklärt, dass die Abfallbeseitigung den anfallenden Pferdemist von den Gehwegen und Straßen entfernt. Um einen unnötigen Flurschaden in den Grünanlagen zu vermeiden, waren die Reiter von Seiten des Magistratsdirektors angehalten, die Rasenflächen zu meiden.

Warten auf Peschorn

Derzeit scharren die Beamten also in den Startlöchern, welche Entscheidung der Neo-Innenminister trifft. Im Ressort kursieren bereits Gerüchte, wonach von Peschorn überhaupt kein Machtwort mehr zu erwarten sei. Doch das dürfte laut KURIER-Informationen nicht der Fall sein, der Minister will die Entscheidung gut abwägen. Bei so einem umstrittenen und teuren Projekt sicherlich keine leichte Sache.

Heftige Kritik an der Reiterstaffel kommt vom Chef der Polizeigewerkschaft, Reinhard Zimmermann (FCG): „Für 2,5 Millionen Euro hätte man für die Bediensteten 14.500 feuerfeste Overalls oder 60.000 der benötigten neuen Poloshirts kaufen können. Oder um es überspitzt zu formulieren: 1,2 Millionen Liter Farbe zum Ausmalen unserer dringend renovierungsbedürftigen Inspektionen.“