Chronik | Österreich
15.04.2018

Millionengeschäft in den Alpen

© Bild: Grand Tirolia

Projektentwickler aus Niederösterreich kaufte Fünfsternhotel Grand Tirolia samt Top-Golfplatz von russischer Milliardärin.

Die Nachricht sorgte im Tiroler Nobel-Urlaubsort Kitzbühel für Aufsehen: ein niederösterreichischer Investor hat Elena Baturina, Milliardärin und Frau des ehemaligen Moskauer Bürgermeisters, (siehe Zusatzbericht) das Fünfsterne-Hotel „Grand Tirolia“ samt angrenzendem Golfplatz abgekauft. In dessen 340-Quadratmeter-Suite hat bereits Russlands Präsident Wladimir Putin genächtigt. „Eine unglaubliche Gelegenheit“, strahlt der neue Besitzer Othmar Seidl. Zufällig habe er Ende des Vorjahres erfahren, dass es zu haben sei.

Wobei der kolportierte Kaufpreis von 45 Millionen Euro „nicht stimmt“, wie Seidl betont. Die genaue Summe will er nicht bekannt geben. Ebenso wenig wie den Namen des Partners, mit dem er das Haus gemeinsam erworben hat. Mit der Übergabe des Objekts am kommenden Freitag werden jedenfalls seine Architekten anrücken. Er will einige Teile des vorerst geschlossenen Hotels mit seinem riesigen Spa-Bereich modernisieren. „Entweder sperren wir mit Juli oder erst zum Start der nächsten Saison wieder auf.“

Othmar Seidl freut sich schon auf sein neuestes Projekt, das Hotel Grand Tirolia in Kitzbühel © Bild: Weisbier Gilbert

Betreiber

Der Golfklub wird nahtlos weiter betrieben. Auch das Hotel werde auf bisheriges Personal zurückgreifen. Mehrere Firmen hätten ihm bereits angeboten, das Hotel zu betreiben. Das wird erst entschieden.

Doch wer ist Othmar Seidl? Allzu viel wissen selbst die meisten Bewohner seiner Heimatstadt Krems an der Donau nicht über ihn. Das ist dem 53-Jährigen ganz recht. „Ich will nicht groß in der Öffentlichkeit stehen“, meint der Sohn eines früh verstorbenen Winzers. „Der Weinbau war nie meins“, erinnert er sich. So machte er sich 1992 als Finanzdienstleister selbstständig und schwenkte im Jahr 2000 zum Immobilienbereich um. „Es gibt nichts Schöneres, als das Potenzial eines Objektes zu erkennen, etwas daraus zu machen. Das ist mir inzwischen gut 100-mal gelungen“, erzählt er. So baute Seidl etwa ein großes Haus im historischen Kern von Mautern an der Donau um. Er kaufte und renovierte in Berlin gut 90 Gebäude – darunter Wohnhäuser ebenso wie das Innenstadt-Hotel Ramada.

Erst als er 2013 das Einkaufszentrum (EKZ) neben dem Kremser Stadtwahrzeichen Steinertor erwarb und umbaute, wurde vielen in der Region klar, was er zustande bringt. Inzwischen hat Seidl in seinem EKZ einen Ableger des Münchener Hofbräuhauses errichtet. Das Lokal mit seinem Gastgarten brummt – besonders im Sommer. Das Einkaufszentrum, das an die Fußgängerzone angrenzt, baut er gerade erneut um. Doch auf die Stadt ist er sauer: „Pläne für eine Tiefgarage oder Verkehrsanbindung des Zentrums liegen dort einfach auf Eis.“

Das Grand Tirolia in Kitzbühel © Bild: Grand Tirolia

Willkommen

Umso mehr freut er sich über die bisher freundliche Aufnahme in Kitzbühel. „Dort sieht man einen Unternehmer nicht gleich Kapitalisten, sondern jemanden, der Geld bringt“, sagt Seidl über die dortige Gemeindespitze. Er hätte für Krems viele Pläne, aber so engagiere er sich eben anderswo. Zuletzt erwarb Seidl am Attersee ein 29.000 Quadratmeter großes Ufergrundstück.

Die Russensaga der reichen Vorbesitzerin

Mitte der 2000er-Jahre waren Russen in Tirol immer für einen Aufreger gut. 2007 gingen etwa die Wogen hoch, weil Kitzbühels scheidende Tourismuschefin den Andrang des damals noch neuen Gästeklientels mit einer „Russenquote“ beschränken wollte. Es war die Zeit, als die zahlungskräftigen Besucher aus dem Osten vielfach noch das Klischee der Neureichen bestätigten, die mit Geld nur so um sich werfen und dabei so manchen Stammgast vor den Kopf stießen.

Nicht von ungefähr plante Felix Mitterer lange eine „Russensaga“ als Fortführung seiner legendären Piefkesaga. Eine Milliardärin vom Zuschnitt einer Elena Baturina hätte sich da als Vorbild für eine Rolle nahezu aufgedrängt. 2006 sorgte sie mit dem Kauf des Nobel-Golfklubs Eichheim und des daneben gerade in Bau befindlichen Hotel Grand Tirolia in Kitzbühel  für Aufruhr.
25 Millionen Euro ließ sich die reichste Russin diesen Deal, der über eine Stiftung abgewickelt wurde, kosten. Als Frau des damaligen Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkow war Baturina mit einer Baufirma zur Milliardärin aufgestiegen und stand dabei immer wieder im Verdacht, bei Aufträgen von der Stellung ihres Mannes profitiert zu haben.  

Milliardärsvilla

Das Kitzbüheler Investment wurde hingegen nie so recht zur Erfolgsgeschichte. Das Engagement war vielmehr von Millionenverlusten begleitet. Das Management wechselte mehrfach. Für Schlagzeilen sorgte die heute 55-jährige Milliardärin  in Tirol aber auch abseits ihres Hotelgeschäfts. Nämlich mit dem Kauf eines Domizils in der Nobelgemeinde am Hahnenkamm, der für EU-Ausländer mit besonders hohen Hürden behaftet ist.
Die wurden beim Kauf einer Villa in Kitzbühel-Aurach 2008 erst im zweiten Anlauf mit Genehmigung des Landes übersprungen. 2011 verkaufte die Russin das Haus, nur um im selben Ortsteil ein noch größeres Anwesen zu erwerben.