Chronik | Österreich
20.05.2018

Michael Ludwig: „Ich zweifle nicht eine Sekunde“

Der künftige Wiener Bürgermeister über sein Team, Zielvorgaben und mögliche Neuwahlen.

Heimspiel für Michael Ludwig. Am Floridsdorfer Markt direkt vor dem Schlingerhof eröffnet die neue Gebietsbetreuung für den 21. und 22. Bezirk. Ludwig zeigt noch vor seinem Amtsantritt als Bürgermeister, dass er es ernst meint mit der Aufwertung der Außenbezirke.

KURIER: „Im Zweifel entscheidet der Bürgermeister“, sagten Sie bei der Präsentation Ihres Regierungsteams. Wollen Sie den straffen Führungsstil eines Sebastian Kurz übernehmen?

Michael Ludwig: Da brauch’ ich keine Verweise auf andere Regierungen. Laut Stadtverfassung hat der Bürgermeister eine sehr starke Position, steht an der Spitze der Politik und der Verwaltung. Und das von der Stadtverfassung eingeräumte Recht werde ich ausschöpfen.

Soll die Kommunikation der Stadträte künftig zentral über die Partei laufen?

Nein, aber wir werden uns als Stadt stärker und koordinierter präsentieren.

Ihr Vorgänger Michael Häupl hat die Stadträte an der langen Leine gehalten. Wird das zurückgefahren?

Nein, ich habe ganz bewusst starke Persönlichkeiten gesucht. Aber ich sehe mich sehr stark in der Position dessen, der die Linien vorgibt und im Zweifelsfall ist klar, dass meine Interpretation der Linie die richtige ist.

Ihr neues Team besteht aus Quereinsteigern und Managern. Sind das die geeigneten Leute, um einen Wahlkampf zu führen und zu gewinnen?

Ich bin überzeugt, dass das Team in der Lage ist, Herausforderungen, die auf uns zukommen, zu meistern. Dass wir am Ende der Legislaturperiode Wahlkampf haben werden, ist richtig. Davor brauchen wir uns nicht fürchten, wenn wir gute Leistungen bringen. Dann wird uns die Wiener Bevölkerung das Vertrauen schenken.

Die größten Herausforderungen hat wohl Ihr neuer Gesundheitsstadtrat Peter Hacker, etwa beim Krankenhaus Nord. Wie ist es Ihnen gelungen, Hacker – der nie in die Politik wollte– zu überzeugen?

Seine Entscheidung ist ein echter Freundschaftsdienst – gegenüber mir, aber auch der Wiener Bevölkerung. Er wird sich sehr gut in das Team einbringen.

Die ehemalige Büroleiterin von Sonja Wehsely wird diesen Job auch bei Hacker einnehmen. Wie verhindern Sie, dass die Ex-Stadträtin noch Einfluss ausübt?

Ich gehe davon aus, dass die neuen Stadträte ihr Ressort ungeachtet vergangener Entwicklungen leiten werden. Jeder hat für sein Ressort und seine Schritte zu haften. Ich habe mir immer verbeten, dass man in mein Ressort hineinregiert. Ich gehe davon aus, dass das die jetzigen Stadträte auch so halten.

Das Spitalskonzept 2030 läuft aus dem Ruder. Sollte Hacker nicht die Stopptaste drücken und das Projekt neu aufsetzen?

Ein Konzept, das auf viele Jahre ausgerichtet ist, muss in der Umsetzung immer an die laufenden Gegebenheiten angepasst werden. Die großen Linien bleiben aber erhalten.

Der neue Finanzstadtrat Peter Hanke hat bereits angekündigt, den Sparstift anzusetzen. Wo sehen Sie in der Stadt die größten Sparpotenziale?

Die Entwicklung in diesem Ressort wird sich um zwei Pole bewegen: Das Budget stabil zu halten – also Sparmaßnahmen zu setzen. Auf der anderen Seite gezielte Impulse für den Wirtschaftsstandort Wien zu setzen und damit Arbeitsplätze zu sichern und zu schaffen.

Wo konkret könnte er sparen?

Hanke hat von mir den Auftrag bekommen, alle Bereiche zu durchforsten.

 

Die neue Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal gilt als eine Ihrer loyalsten Mitstreiter. Wird sie Ihren Kurs in der Wohnbau-Politik fortsetzen?

Die große Herausforderung ist es, mit dem großen Bevölkerungswachstum umzugehen. Also mehr leistbare Wohnungen auf den Markt zu bringen und sich gleichzeitig um den historischen Bestand zu kümmern.

Die größte Überraschung war die Bestellung von Veronica Kaup-Hasler als Kulturstadträtin. Was hat gegen Hannah Lessing gesprochen?

Gar nichts. Ich hatte drei Kulturmanagerinnen im Auge. Letztlich habe ich mich bewusst für Kaup-Hasler entschieden.

Sie wird den Umbau des Wien Museums und des Karlsplatz verantworten. Haben Sie keine Angst, dass es von den Kosten wieder nicht hält, wie bei anderen Projekten der Stadt?

Angst habe gar keine, sonst wäre ich nicht in der Politik tätig. Man konzentriert sich in den Medien zu sehr auf Dinge, die nicht so funktionieren. Das Wien Museum wird Aufgabe der Kulturstadträtin sein, aber nicht nur. Da sind auch andere Ressorts gefordert. Das wird sicher eine der großen gemeinsamen Aktivitäten.

Wollten Sie immer eine Frau für diesen Posten haben?

Ja, weil ich eine Geschlechterparität haben wollte. Das ist wie bei einem Rubik-Würfel: Wenn man eine Veränderung vornimmt, sind zwei, drei andere Positionen auch zu verändern, damit die ursprüngliche Zielvorgabe realisiert werden kann. Das ist mir gelungen.

Was macht Sie so sicher, dass die neue Regierung am Donnerstag im Gemeinderat eine Mehrheit findet?

Ich zweifle nicht eine Sekunde. Rot-Grün hat 54 Mandate. Wir werden bei der Abstimmung am Donnerstag mindestens 54 Stimmen haben.

Und jene der Opposition?

Die Opposition hat das Recht, mich und die Stadtregierung zu bewerten und uns zu wählen oder nicht. Genauso habe ich das Recht, die Oppositionsparteien zu bewerten und mir ein Bild zu machen, welche Partei Interesse hat, mit uns in Zukunft enger zu kooperieren.

Warum sind Neuwahlen für Sie derzeit kein Thema – sind doch die Mitbewerber aktuell personell so schwach aufgestellt wie schon lange nicht mehr?

Man sollte sich um Menschen kümmern, statt strategische Überlegung anzustellen. Die Mitbewerber werden in zwei Jahren nicht besser aufgestellt sein als jetzt.