© ORF/ORF/dreiD/Marc Graf

Chronik Österreich
04/02/2021

Meister Petz zieht auf Futtersuche durch Kärnten

Bär soll Futterstelle beschädigt haben. Warum es gerade Bären-Junggesellen nach Kärnten zieht.

von Anja Kröll

Ruhig klingt Josef Smrtniks Stimme am Telefon, wenn er davon erzählt, was sich am Wochenende bei seiner Reh-Futterstelle bei Trögern in Eisenkappel-Vellach zugetragen hat. Smrtnik hat Besuch von einem Bären bekommen.

„Er hat die Bretter der Futterstelle durchbrochen“, berichtet Smrtnik. Meister Petz selbst habe er nicht gesehen, aber seine Spuren. „Wir liegen auf einem uralten Weg, auf dem die Bären immer wieder durchziehen. Die Tiere tauchen aber in den vergangenen Jahren immer öfter auf“, sagt Smrtnik.

Die Anwälte der Bären

Einer, der Österreichs Bären so gut kennt, wie kaum ein anderer ist Georg Rauer, Bärenanwalt für die Steiermark, Niederösterreich und Salzburg. Ein Vermittler zwischen Tier und Mensch und ist erste Anlaufstelle, wenn es darum geht, Hinweise über Bären zu sammeln.

Insgesamt 16 Bären sind genetisch in Österreich seit Beginn der Aufzeichnung erfasst worden. In einem durchschnittlichen Jahr streifen ein bis drei Bären durch die Alpenrepublik. In außergewöhnlichen Jahren können es auch bis zu sechs Bären sein.

„Der Großteil der Bären in Österreich kommt ganz klar in Kärnten vor“, sagt Rauer. Dies hänge vor allem damit zusammen, dass sich eine große Bärenpopulation mit 800 bis 900 Tieren in Slowenien angesiedelt hat.

Bären-Junggesellen lieben Kärnten

Besonders die Männchen machen sich immer wieder auf Wanderschaft und gelangen so bis nach Österreich. „Wir haben bisher nur von männlichen Bären genetische Spuren in Österreich entdeckt“, sagt Rauer. Kärnten sei eine Art Rückzugsgebiet für Bären-Junggesellen.

Sender, die an den Tieren angebracht wurden, hätten gezeigt, dass sie zur Paarungszeit nach Slowenien zurückkehren. Eine eigene Bärenpopulation sei durch das Fehlen eines weiblichen Tiers in Kärnten bisher ausgeblieben.

Dass bei der zerstörten Fütterung tatsächlich ein Bär der Übeltäter war, ist plausibel. Bären halten bis März Winterschlaf, dann werden die ersten Tiere aktiv.

Zum Ruf des Bärens sagt Rauer: „Er ist besser als jener des Wolfes, aber wenn es zu Schäden kommt, ist das ein Problem.“ Smrtnik in Trögern sieht dies ähnlich: „Wenn man mit der Natur leben will, muss man auch den Bären akzeptieren.“

Kärntens treuster Bär: Ktn03

Und dass sich Bären in Kärnten wohl fühlen, zeigt der Fall von „Ktn03“. Ein Männchen, das seit dem Jahr 2008 immer wieder seine Spuren im Süden Österreichs hinterlässt.

Doch wie verhält man sich richtig, sollte einem wirklich einmal Meister Petz persönlich gegenüberstehen? „Ruhig bleiben und sich keinesfalls dem Bär nähern, weil man vielleicht ein Foto von ihm machen will. Weil auch das ist schon vorgekommen“, sagt der Bärenanwalt.

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