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Chronik Österreich
01/30/2019

Masernfälle in der Steiermark weiten sich aus

26 nicht geimpfte Kinder dürfen nicht in die Schule, sie hatten Kontakt mit erkranktem Buben. 27 Babys aus Spital entlassen.

von Elisabeth Holzer

Die Masern-Welle in der Steiermark breitet sich aus: Am Mittwoch wurde bekannt, dass ein Fünftel der Schüler einer Volksschule im Bezirk Weiz aus Sicherheitsgründen zu Hause bleiben müssen -  sie hatten Kontakt mit einem erkrankten Buben und waren wie er nicht geimpft.

Die Bezirkshauptmannschaft Weiz bestätigte einen entsprechenden Bericht der Kleinen Zeitung online. 26 von 130 Volksschulkindern in Anger dürfen bis zum 10. Februar weder in die Schule noch Freizeitaktivitäten außer Haus unternehmen, die sie mit vielen anderen Menschen zusammen bringt, das schließt Besuche in der Praxis eines Kinderarztes ebenso ein wie Sporttrainings. 15 weitere Kinder hatten nur die erste Teilimpfung, die zweite soll nun nachgeholt werden.

 

Wie berichtet, gibt es bereits 13 bestätigte Masernfälle in der Steiermark, doch darüber hinaus noch viele Verdachtsfälle wie etwa 28 Babys, die in der Kinderklinik Graz prophylaktisch behandelt werden. Sie hatten vermutlich in einer Ordination Kontakt mit einem erkrankten Kind.

Babys erfolgreich behandelt

Mittwochmittag teilte das Klinikum Graz mit, dass 27 Babys bereits wieder entlassen werden konnten. Sie wurden einer Therapie mit Immunglobulinen unterzogen, dies ist im Gegensatz zur Impfung eine passive Immunisierung. Bei einem Säugling besteht der Verdacht, dass er erkrankt sein könnte, das Laborergebnis ist aber noch ausständig. Außerdem hat die Klinik weitere elf Steirer informiert, deren Kinder mit dem Virus in Kontakt gekommen sein könnten: Unter ihnen sind fünf Babys, die noch keine Impfung haben. auch sie bekommen nun die Therapie mit Immunglobulinen.

Ausgelöst wurde der „Masern-Cluster“, wie die gehäuften Meldungen von Experten derzeit genannt werden, durch einen 15-Jährigen: Der Jugendliche war am 11. Jänner in der Ambulanz der Kinderklinik, wusste aber nicht, dass er an Masern erkrankt war.

Der Grazer Kinderklinikvorstand Ernst Eber erklärte beim Pressegespräch am Mittwoch, dass seit dem 11. Jänner rund 50 Patienten wegen Masern bzw. wegen des Verdachts behandelt wurden. Zwei Säuglinge erkrankten. Weitere 22 hatten alle in einer Kinderarztpraxis im Raum Hartberg eine mögliche Ansteckung erfahren, sagte Eber. Fünf neue Verdachtsfälle wurden am Mittwoch ins LKH bestellt.

Oft entscheidet der Zufall

Wie viele Fälle nun noch kommen könnten, sei schwierig hochzurechnen, weil oft der Zufall entscheide. Um weitere Ansteckungen weitgehend ausschließen zu können, sei eine Herdenimmunität von 95 Prozent nötig, diese gibt es derzeit aber in der Steiermark nicht. "Es wäre ein großes Glück, wenn das nun das Ende wäre, aber wir rechnen nicht damit", sagte Eber. Laut Werner Zenz, Experte für Infektionskrankheiten in der Pädiatrie, liegt die Durchimpfungsrate für die erste Impfung in der Steiermark derzeit bei 89 Prozent, für die zweite Impfung bei 79 Prozent.

Die Maßnahme aus Anger hält Klinikvorstand Eber für sinnvoll: "Das Kind hat mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit alle anderen nicht geimpften Mitschüler angesteckt." Dass sehr viele Kontakte überprüft werden müssten, unterstreiche eine Zahl: Eine einzige Patientin mit Masern, die am LKH behandelt wird, habe bereits 51 Kontakte. Es reiche bereits, wenn diese im selben Raum waren. Von diesen 51 waren zehn noch kein Jahr alt. Von diesen wurden nun fünf als neue Fälle auf die Kinderklinik bestellt, um sie mit Immunglobulinen zu therapieren. Diese "passive Impfung" hilft zu 83 Prozent gegen die Masern. Die klassische Doppelimpfung dagegen hilft zu 99 Prozent.

Marianne Wassermann-Neuhold von der steirischen Landessanitätsdirektion schilderte am Mittwoch im APA-Gespräch, dass bei ihr 14 gemeldete Masern-Fälle auflägen. Von diesen seien mittlerweile zwölf bestätigt. Bei zweien - ein Fall war erst am Dienstag gekannt geworden - waren Mittwochmittag noch die Ergebnisse der Untersuchungen ausständig. Unter den bestätigten Fällen sind drei erst im Jahr 2018 geborene Babys, bei denen eine Impfung vorher nicht möglich war. Bei den anderen Masern-Infektionen handelt es sich um Kinder, die eigentlich schon geimpft sein sollten. Außerdem hat sich auch eine 34-jährige Mutter angesteckt.

Die Fachbereichsleiterin erwartet in den kommenden Tagen sowie auch noch in der kommenden Woche mit neuen Verdachtsfällen: "Es ist sehr schwierig, alle Kontaktpersonen zu finden sowie die Wege der infizierten Kinder nachzuvollziehen." Mittwochvormittag hatte die routinemäßige Sitzung aller steirischen Amtsärzte stattgefunden. Da seien die Masern das vorherrschende Thema gewesen. Den Ärzten zufolge handelt es sich bei den Masern-Fällen vorwiegend um "Impfgegner", aber nicht alle: "Manche hatten Impftermine wegen Krankheit der Kinder verschoben und dann darauf vergessen."

Wassermann-Neuhold erklärte, dass ein mit Masern infiziertes Kind, das sich auf der Kinderklinik am sogenannten Indexpatienten angesteckt hatte, möglicherweise 22 weitere Säuglinge im Raum Hartberg infiziert hat. Die Eltern waren mit dem Kind nämlich nach dem Besuch auf der Kinderklinik zwei Mal in einer Kinderarztpraxis im Raum Hartberg gewesen. Eine Maßnahme wie in der Volksschule in Anger, wo über die nicht geimpften Kinder ein dreiwöchiges Schulverbot verhängt wurde, findet sie sinnvoll und gerechtfertigt: "Die Ausbreitung muss laut Gesetz unterbunden werden, um Säuglinge und Immunschwache, die nicht geimpft werden können, zu schützen."
 

Gesundheitsministerin gegen Impfpflicht

Nach mehreren Masern-Ansteckungen von Babys in Graz ist die Debatte um Impfungen wieder aufgeflammt. Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) hat sich am Mittwoch gegen eine Impfpflicht ausgesprochen. Man setze auf "Selbstbestimmung" und Aufklärung durch das Gesundheitspersonal, dass Impfungen sinnvoll seien, sagte sie am Rande des Ministerrats.