Ein Triel

© Getty Images/iStockphoto/Slavisa Tomanovic/iStockphoto

Marchfeld-Schnellstraße
01/22/2020

Marchfeld-Schnellstraße S8: Der Triel als Sorgenkind der Straßenbauer

Renommierter Gerichtsgutachter kritisiert die örtlichen Naturschutzmaßnahmen scharf. Die Landregierung bestreitet die Vorwürfe.

von Kid Möchel, Kevin Kada, Dominik Schreiber

Der Vogel ist kaum größer als eine Taube, wiegt maximal ein halbes Kilo, überwintert in Afrika und brütet von März bis Juni – insbesondere im östlichen Marchfeld. Die Rede ist vom braun gefiederten Triel. Dieser Regenpfeifer ist stark gefährdet. Seine Wahrscheinlichkeit in Österreich in den nächsten zehn Jahren auszusterben, liegt bei 50 Prozent. Doch bisher war er eher nur professionellen Ornitologen bekannt.

Jetzt bringt der Triel das Projekt Marchfeld-Schnellstraße S8 massiv ins Wanken. „Das Vorhaben beschädigt eine Fortpflanzungsstätte des Triels“, hält der vom Bundesverwaltungsgericht beauftragte Naturschutzgutachter Georg Bieringer fest. Die Schnellstraßen-Trasse sei mit dem Naturschutz nicht vereinbar. Das Projekt steht somit auf der Kippe. Der KURIER hat in der Mittwoch-Ausgabe darüber berichtet.

„Zehn Jahre sind nun Gutachterkosten, Verfahrenskosten, sprich Steuergeld, sinnlos verursacht worden, weil die Asfinag stur und nicht belehrbar war“, klagt Anwalt Wolfgang List, der den Anrainer-Landwirt Leopold Haindl und die Bürgerinitiative für ein lebenswertes Marchfeld vertritt. „Vor zehn Jahren haben wir es der Asfinag bereits gesagt, dass die S8 in einem Natura-2000-Naturschutzgebiet nicht genehmigungsfähig ist.“

Landwirt Haindl aus Markgrafneusiedl gilt als der Projekt-Gegner. Kein Wunder, würden vom Bau S8 zwei Drittel seiner landwirtschaftlichen Fläche betroffen sein. Für den Betrieb wäre das existenzgefährdend.

Haindl hat international angesehene Gutachter aus Italien und England engagiert, insbesondere Triel-Experten. „Unsere berechtigten Einwände wurden immer wieder vom Tisch gewischt, der vom Gericht bestellte Sachverständige hat uns in allen Punkten bestätigt“, sagt Haindl zum KURIER. „Der erweiterte Lebensraum des Triels war immer schon im Bereich der geplanten Schnellstraßentrasse. Man hätte das von Haus aus berücksichtigen müssen. Das sind aus unserer Sicht schwere Planungsfehler.“

Falsche Einstufung?

Dazu kommt laut dem Gerichtsgutachter Bieringer, dass das Gebiet der Marchfelder Schnellstraßentrasse in Sachen Naturschutz offiziell falsch eingestuft wurde. Der Erhaltungszustand des betroffenen Naturschutzgebietes soll mit „gut“ an die EU gemeldet worden sein, laut Gutachter ist aber die niedrigste Stufe „schlecht“ zutreffend. Laut Gerichtsgutachter soll seit 2015 „weder ein Monitoring noch die laufenden Sicherung der Brutplätze finanziert“ worden sein.

Diese Anschuldigungen weisen Naturschutzexperten der NÖ Landesregierung zurück. Laut einem Sprecher der Landesregierung laufen in diesem Gebiet schon seit einigen Jahren Naturschutzprojekte und diese bestehen auch weiterhin.Für Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko, der für das NÖ Straßennetz zuständig ist, ist klar, dass das Land von der geplanten Schnellstraße nicht abrücken wird: „Wir stehen zu dem Bau und das haben auch die Vorarbeiten im Landesstraßennetz unter Beweis gestellt.“

Konkret geht es um die Errichtung des Zubringers in Gänserndorf zur geplanten S8, sowie die Umfahrung bei Raasdorf und eine straßenrechtliche Genehmigung der Umfahrung Groß Enzersdorf. Die beiden letzten Projekte sind zwar an der S1, sie dienen aber als Anschluss an die Marchfeld Schnellstraße. Für Schleritzko ist der Bau der S8 beschlossene Sache: „Die Asfinag hat vom Nationalrat den Auftrag erhalten diese Straße zu bauen und wir gehen davon aus, dass das auch passiert.“ Auch dem Verkehrslandesrat geht es vor allem um die zahlreichen betroffenen Bürger, die dort tagtäglich von Fahrzeugmassen beeinträchtigt werden. „Aber auch für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung braucht die Region dieses Straßenbauprojekt.“

 

Laut Wolfgang Rehm, Sprecher der Naturschutzorganisation VIRUS, soll es bereits vor Jahren Vorplanungen für alternative Umfahrungen gegeben haben. Das negiert der Verkehrslandesrat. Eine Parallelplanung wäre, so Schleritzko, nicht möglich und wird vom Land auch nicht betrieben.