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Chronik Österreich
03/22/2020

Marchfeld Bundesstraße S 8: Landwirt könnte das geplante Projekt verhindern

Der Marchfelder Landwirt Leopold Haindl spricht über seine Beweggründe: "Das ist reine Selbstverteidigung."

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Dort, wo sich im Marchfeld Fuchs und Hase gute Nacht sagen, betreibt Leopold Haindl in vierter Generation einen landwirtschaftlichen Betrieb. Rund 250 Hektar Fläche werden nördlich von Markgrafneusiedl bewirtschaftet, davon rund 17 Hektar mit Aronia-Sträuchern.

Die schwarz-roten Früchte stammen aus Nordamerika, gehören zu den Apfelbeeren und sind extrem gesund – wegen des hohen Flavonoidgehalts und zahlreicher Vitamine. Damit die Sträucher auf den kargen Böden Erträge liefern, müssen sie mit einer gigantischen Beregnungsanlage bewässert werden. Durch diese steppenartige Landschaft soll aber in Zukunft die Marchfeld Bundesstraße S 8 rollen. Mitten durch Haindls rekultivierte Bio-Äcker. Ein Todesstoß für seinen Agrarbetrieb, sagt der Landwirt. Doch Haindl hat einen Trumpf in der Hand, der das Projekt in seiner jetzigen Form stoppen dürfte.

Der vom Aussterben bedrohte Vogel Triel hat sich auf Haindls Ländereien eingenistet. Die letzten Exemplare des bräunlich gestreiften Zugvogels haben dort gute Lebensbedingungen. „Er ist einer der seltensten Brutvögel Österreichs. Derzeit sind hierzulande nur noch zwei Triel-Vorkommen bekannt“, räumt das Land Niederösterreich ein.

Über den Triel und sein Brutgebiet streiten sich die Geister – vor dem Wiener Bundesverwaltungsgericht: auf der einen Seite Leopold Haindl, die Umweltschutzorganisation Virus und Anwalt Wolfgang List. Auf der anderen Seite der Schnellstraßenbauer Asfinag, das Land Niederösterreich und das Verkehrsministerium.

Der Naturschutzgutachter des Gerichts hat dem Projekt bereits eine Abfuhr erteilt.

Gestritten wird schon seit etwa 15 Jahren. Doch Haindl ist weder ein verwirrter Don Quichotte noch ein klassischer Rebell. „Ich mache das nicht zum Spaß, das ist reine Selbstverteidigung“, sagt er. „Ich wurde in all den Jahren von keinem einzigen Politiker gefragt, warum ich gegen das Projekt bin.“ Haindl sei nämlich nicht gegen den Bau der Straße an sich, sondern nur gegen die Trassenführung durch seinen Betrieb. „Wir haben schon vor 15 Jahren die Unzulänglichkeiten dieses Projekts aufgezeigt. Es hat sich nur niemand für unser Anliegen interessiert.“

Bürgermeister-Trasse

Ursprünglich sollte die S 8 – Kostenpunkt 310 Millionen Euro – auf der sogenannten Bürgermeister-Trasse südlich von Haindls Äckern verlaufen. „Die Bürgermeister-Trasse ist dann verschwunden und die neue Trasse ist 300 Meter weiter nördlich, mitten in unser Feld, verlegt worden“, sagt der Bauer. Über die Jahre haben die Behörden zahlreiche Gutachter beigezogen und immer wieder die Größe des Natura-2000-Gebietes und damit die Trassenpläne adaptiert.

Mit den Jahren wurden aber die Triel-Brutpaare weniger. Das Brutgebiet lag früher südlich von Haindls Feldern in einem Natura-2000-Schutzgebiet. Doch das wurde laut Biologen sträflich vernachlässigt und der Triel zog sich auf Haindls Äcker zurück. „Die Brutgebiete haben sich enorm nach Norden verschoben, die letzten zwei Brutpaare sind unmittelbar entlang der S-8-Trasse zu finden“, sagt Biologe Egon Zwicker.

Haindl wartet nun gespannt auf das Urteil des Verwaltungsgerichts. „An der Stelle, wo der Brutraum ist, kann das Projekt nicht mehr umgesetzt werden“, sagt Haindl. „Die Gesetze gelten für mich und müssen auch für die Asfinag gelten.“

Asfinag gibt sich noch nicht geschlagen

Obwohl das Bundesverwaltungsgericht zur Naturschutz-Thematik bei der S 8 das Ermittlungsverfahren zwecks Urteilsfällung  im Februar bereits geschlossen hat, hat der Autobahnbetreiber Asfinag Anfang März weitere Beweisanträge und einen Wiedersetzungsantrag bei Gericht eingebracht. Die Asfinag bringt dabei vor, dass das Ermittlungsverfahren „verfrüht“ beendet wurde.


 Außerdem waren für die Asfinag die neuen Kritikpunkte am Projekt durch den Naturschutz-Gerichtssachverständigen Georg Bieringer  „unvorhersehbar“. Und weil  der frühere Sachverständige der Asfinag sein ursprüngliches Gutachten hinsichtlich Naturschutz revidiert hat, habe man nicht mehr „auf der erforderlichen fachlichen Ebene reagieren können“.


Das  sei ein „erheblicher Rechtsnachteil“ für die Asfinag. Somit stellten die Anwälte des Autobahnbauers „einen Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand“. Anders gesagt: Das Bundesverwaltungsgericht soll das Ermittlungsverfahren im Punkt Naturschutz wieder öffnen und unter Berücksichtigung der neuen vorgelegten Unterlagen fortsetzen.  Darin zeigt die Asfinag „schadensvermeidende Maßnahmen“ für das Brutgebiet des Triel auf.  

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