2023 will der Konzern den Standort in Steyr schließen.

© FOTOKERSCHI.AT/WERNER KERSCHBAUM

Chronik Österreich
10/15/2020

MAN-Mitarbeiter auf den Barrikaden

Polizei rechnet mit mindestens 2.500 bis 3.000 Teilnehmern. SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner hat sich auch angekündigt.

von Petra Stacher

Heute, Donnerstag, wird es in der Altstadt in Steyr wohl voll und laut werden, denn die MAN-Belegschaft streikt – und mit ihr jeder, der sie dabei unterstützen will. Denn nach wie vor wackeln die 2.300 Arbeitsplätze, soll das Werk doch bis 2023 geschlossen werden.

Um 12.30 Uhr beginnt der seit Tagen angesagte Protestmarsch. Vom Werksgelände geht es am schnellsten Weg über die Damberggasse und durch die Fußgängerzone zum Steyrer Hauptplatz. Laut Polizeiinspektion Stadtplatz werden alle relevanten Kreuzungen von Beamten besetzt. Wie viele Polizisten im Einsatz sind, könne man nicht genau sagen.

Pamela Rendi-Wagner vor Ort

Es stehe aber eine Einsatzreserve bereit. „Wir rechnen mit mindestens 2.500 bis 3.000 Teilnehmer“, heißt es auf KURIER-Nachfrage. Gerüstet seien sie aber auch für 5.000 Protestierende. „Es ist schwer zu sagen, wie viele Menschen aus den umliegenden Bezirken kommen. Es haben sich auf alle Fälle Busse angemeldet“, so die Polizei.

Unter den Teilnehmern wird sich auch politische Prominenz befinden: Neben dem Steyrer Bürgermeister Gerald Hackl (SPÖ), der die Begrüßung übernimmt, wird sich voraussichtlich auch SPÖ-Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner zu Wort melden. Ebenso Vertreter der Gewerkschaft sind als Gastredner geladen. Zuvor wird aber MAN-Betriebsratsvorsitzender Erich Schwarz der Menge noch den aktuellen Stand präsentieren.

Vertrag prüfen

Dieser habe sich vorerst nicht sonderlich geändert: „Derzeit werden alle Daten von den Rechtsanwälten zusammengesammelt und geprüft“, sagte Schwarz am Mittwoch. Denn die Hoffnung liege nach wie vor darin, dass der Standort- und Beschäftigungssicherungsvertrag, der bis 2030 gegolten hätte, nicht kündbar sei.

Dieser wurde vom MAN-Konzern jedoch Ende September vorzeitig aufgelöst, obwohl er erst am 4. Dezember 2019 unterzeichnet wurde. Nur drei Monate später folgten über Medien erste Gerüchte, dass der Standort in Steyr geschlossen werden soll. Diese dementierte der Konzern zunächst gegenüber dem Betriebsrat. „Das ist eine Sauerei bis zum Gehtnichtmehr“, sagte Schwarz gegenüber dem KURIER beim Bekanntwerden der konkreten Schließungspläne.

Insgesamt will der Lkw- und Bushersteller MAN, der zum VW-Konzern gehört, weltweit 9.500 Stellen abbauen. Dabei werde es jedoch vermutlich nicht bleiben, bedenkt man etwa Zulieferer. „In Steyr kann man die 2.300 verdoppeln“, sagte Schwarz im September.Petra Stacher

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