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„Weit weg von der Erde“: Was sich schwerstkranke Kinder wünschen

Make-A-Wish-Geschäftsführerin Birgit Fux erfüllt mit ihrem Team Träume von Kindern und Jugendlichen: vom Treffen mit Messie bis zum Höhenflug.
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Birgit Fux ist überzeugt, dass ihr Engagement auch den Heilungserfolg unterstützt.

KURIER: Stimmt es, dass der Verein „Make-A-Wish“ weltweit alle 17 Minuten den Wunsch eines schwerstkranken Kindes erfüllt?

Birgit Fux: Ja. Wir sind in über 50 Ländern präsent und haben vergangenes Jahr über 20.000 Wunscherfüllungen geschafft.

Von wem stammt denn die Idee?

Der an Leukämie erkrankte, siebenjährige Sohn von Linda, einer aus Arizona/USA stammenden Frau, hatte den Traum, Polizist zu sein. Genau das hat sie gemeinsam mit dem Dorfpolizisten für einen Tag organisiert. Er bekam eine Uniform und durfte Strafzettel verteilen, wovon es ganz entzückende Fotos gibt. Als Linda die Wirkung auf ihr Kind sah, beschloss sie, so etwas mehr Kindern zugänglich zu machen, und gründete mit zwei weiteren Partnern die Organisation. Ich durfte sie viel später auf einer internationalen Konferenz kennenlernen. Sie ist noch immer ehrenamtliche Wunscherfüllerin.

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Wie kamen Sie selbst dazu?

Über eine Zeitungsannonce. Zuerst habe ich mich ehrenamtlich engagiert – später wurde ich dann selbst Geschäftsführerin.

Wie kommen die Kinder zu Ihnen?

Sie werden vor allem aus den Spitälern gemeldet, mit den Kinderkliniken gibt es eine sehr gute Zusammenarbeit. Da sind wir auch Teil des Behandlungsplans. Die wissen am besten, ob man zum Beispiel vor oder nach einer Chemo diesen Kraft- und Hoffnungsimpuls setzen soll. Aber natürlich melden sich auch Familien, die davon gehört haben.

Das nutzt dem Heilungserfolg?

Ja, das wurde in internationalen Studien bestätigt, an denen Österreich auch beteiligt war. Man hat dafür Eltern und Kinder, deren Wunscherfüllung schon fünf Jahre zurückliegt, über die Wirkung befragt. Es kam ganz oft, dass diese Freude und Kraft noch über Jahre angehalten hat.

Zur ausführlichen KURIER TV-Sendung "Salon Salomon"

Was war der ausgefallenste Wunsch?

Oh, da gab es ganz viele! Ein Bub hat sich einen Hühnerstall für die eigenen drei Hühner gewünscht, den er präzise aufgezeichnet hatte. Ein anderer wollte möglichst weit weg von der Erde sein. Dafür haben wir ein MiG-Kampfflugzeug organisiert, das ich eigentlich nur aus Top Gun kannte. Ein Fünfjähriger hat sich ein Batman-Pool gewünscht. Zunächst hatten wir nur diese riesigen Villen mit gemauerten Pools im Kopf. Wir haben dann ein Aufstellbecken organisiert und eine Firma gefunden, die für uns wasserfeste Batman-Sticker produziert hat – perfekt für den kleinen Buben.

Was war der teuerste Wunsch?

Ich würde sagen, ein Treffen mit Lionel Messie. Nicht, weil er eine Gage verlangt hätte. Aber er spielte damals bei FC-Barcelona, und das Kind war in einem normalen Flugzeug nicht transportfähig, weil es liegen musste. Wir haben einen Piloten gefunden, der sich gratis zur Verfügung gestellt hat. Aber alles in allem hat es dennoch rund 10.000 Euro gekostet.

Gibt es auch ganz billige Wünsche?

Natürlich, ein Wiener Kind hat sich zum Beispiel ein Treffen mit Christl Stürmer gewünscht. Wir richten uns aber gar nicht nach den Kosten, sondern schauen, was der Herzenswunsch ist.

Gibt es Unerfüllbares?

Ja, gelegentlich machen Prominente nicht mit – und manchmal gibt es dafür auch gute Gründe, etwa, wenn sie selbst im familiären Umfeld eine Krankheit haben und damit nicht konfrontiert werden wollen.

Was war herzzerreißend?

Für mich sind es immer die Momente, wo ich bei der Wunscherfüllung selbst dabei bin – wie zum Beispiel jetzt bei Hanna, die den Skirennläufer Manuel Feller getroffen hat. Die quirlige Zehnjährige wusste nicht, dass er schon zum Frühstück kam, sie hat ihn erst später erwartet. Ihr ist der Mund vor Staunen offengeblieben. Es war so süß zu sehen! Sehr berührend ist auch, wenn junge Erwachsene von ihrem damaligen Wunscherfüllungserlebnis erzählen: etwa Bianca, die einmal eine Sendung moderieren durfte, oder Josef, der sich einen Rasenmähertraktor gewünscht hat und heute selbst Bauer ist.

Wie oft kommt es vor, dass Ihre Schützlinge nicht überleben?

Wir schätzen, dass es rund fünf Prozent leider nicht schaffen. Die Krankheit ist da, die können wir nicht ändern, aber etwas tun, damit es den Kindern und ihren Familien besser geht.

Um welche Krankheiten geht es da?

Um lebensbedrohliche, etwa Krebs oder schwere Stoffwechsel- und Herzerkrankungen.

Nimmt einen das Leid der Familien nicht mit? Sie haben ja auch selbst Kinder.

Gott sei Dank sind meine gesund. Das berührt schon. So eine Diagnose verändert ja das Leben der Familie schlagartig. Aber in unserer Mission spielt die Krankheit nach dem Erstgespräch keine Rolle mehr. Da geht es nur noch um den individuellen Wunsch. Viele Kinder möchten das Disneyland Paris besuchen. Da schauen wir dann sogar drauf, ob das Kind eher die Mickey Mouse mag oder zum Beispiel Star Wars-Fan ist. Am Ende fiebern alle mit, auch die Geschwister.

Bleiben Betroffene dem Verein auch nach der Wunscherfüllung verbunden?

Etliche bleiben in Kontakt, arbeiten auch mit. Ein Kind hat sich zum Beispiel ein Treffen mit einem kanadischen Zauberer gewünscht, der wirklich gute Kartentricks kann. Der kommt weiterhin zu unseren Veranstaltungen und verzaubert jetzt auch die Mitarbeiter.

Welche Bedeutung hat der Teddy mit dem blauen T-Shirt, den Sie mitgenommen haben?

Der Bär ist unser Symbol und heißt „Hope“ – den bekommen alle Wunschkinder von uns als Andenken überreicht. Die meisten behalten ihn bis ins Erwachsenenalter.

Sie sind spendenfinanziert. Merken Sie die Wirtschaftskrise?

Rund 5000 Euro kostet im Schnitt eine der insgesamt 100 bis 120 Wunscherfüllungen, die wir pro Jahr umsetzen. Ja, wir spüren es – bei Firmen, wie bei Kleinspendern. Heuer ist ein schwieriges Jahr. Jetzt hoffen wir auf die Weihnachtssaison. Ich bin grundsätzlich eine Optimistin.

Steigt nicht ohnehin die Zahl der Menschen, die keine Familie haben und Ihr Geld einer sozialen Sache widmen wollen?

Mittlerweile stammen schon über zehn Prozent des österreichischen Spendenvolumens von Testamentspenden. Aber wir sind leider nicht so bekannt wie andere.

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Sie waren 20 Jahre lang beim Mischkonzern Henkel. Was ist der Unterschied, ob man ein Waschmittel oder eine Sache mit Herz verkauft?

Ich habe auch Waschmittel mit Leidenschaft verkauft und sehr viel gelernt bei Henkel: Marketing, Vertrieb. Das kann ich jetzt gut brauchen. Danach wollte ich etwas machen, das mehr mit Menschen zu tun hat. Die jetzige Aufgabe macht mir Riesenfreude. Es gibt noch viel zu tun: Pro Jahr erkranken 750 Kinder in Österreich schwer.

Sie waren in Ihrer Jugend bei den Pfadfindern. Hatte das Einfluss auf Ihr späteres soziales Engagement?

Ich stamme selbst aus einer sehr sozialen Familie. Bei den Pfadfindern erlebt man, was Gemeinschaft bedeutet. Das begeistert mich auch bei „Make-A-Wish“: gemeinsam etwas bewirken.

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