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Chronik Österreich
06/15/2019

Lungau stimmt über Windkraft ab: Kein Ergebnis für die Ewigkeit

Die Entscheidung der Lungauer Gemeinden über die Windkraft wird an Bedingungen geknüpft und zeitlich begrenzt.

von Matthias Nagl

Eines steht schon vor der Abstimmung fest. Es wird kein Ergebnis für die Ewigkeit. Wenn am heutigen Samstag 15 Lungauer Bürgermeister in Tamsweg über die Windkraft im Bezirk entscheiden, wird es unabhängig vom Ergebnis Bedingungen geben. „Es wird kein bindender Beschluss für die Ewigkeit“, sagt daher Manfred Sampl, Obmann des Regionalverbandes, zum KURIER.

Konkret lautet die Frage: „Sollen unter den jetzigen Rahmenbedingungen Windkraftanlagen im Lungau errichtet werden können?“ Vor der Abstimmung gibt es für alle 191 Gemeindevertreter des Bezirks eine Informationsveranstaltung. Dann entscheiden die Abgeordneten jeweils für ihre Gemeinde. Die Mehrheit der Gemeinden sorgt schließlich für das Ergebnis, das auch im räumlichen Entwicklungsprogramm des Bezirks seinen Niederschlag finden soll.

Erwartet wird ein einigermaßen eindeutiges Nein zur Windkraft. Für diesen Fall soll es aber Bedingungen geben. „Es ist gut möglich, dass der Beschluss zeitlich beschränkt wird“, erklärt Sampl. Im Raum steht eine Dauer von rund zehn Jahren. Dazu soll es Bedingungen geben, unter denen Windkraft doch möglich wäre. „Etwa, dass man die Energieerzeugung fair aufs Land verteilt und dass man Bürgerbeteiligungsmodelle sucht“, sagt der Regionalverbandsobmann.

Skepsis bei Haslauer

Ein Indiz für die skeptische Haltung vieler Gemeindevertreter war die Beteiligung an einer vom Land vergangene Woche organisierten Windparkbesichtigung. Nur 15 der 191 Abgeordneten nahmen teil. Politisch hat im Lungau übrigens die ÖVP eine überwältigende Mehrheit. Sie stellt 13 von 15 Bürgermeister und 107 Gemeindevertreter.

Auch in der Landesregierung dominiert die ÖVP – und auch dort herrscht beim Thema Windräder Uneinigkeit. Landeshauptmann Wilfried Haslauer gilt als Skeptiker der Windkraft, sein Stellvertreter Heinrich Schellhorn von den Grünen ist klar dafür. „Es ist nicht der große Spaltpilz in der Regierung“, stellt Haslauer klar. Für ihn hängt die Machbarkeit vom konkreten Standort ab.

Zustimmung in Umfrage

Schellhorn appellierte per Brief an die Gemeindevertreter. Ein Ja gelte nicht für ein konkretes Projekt, sondern wäre „ein grundsätzliches Ja zum Klimaschutz“, schrieb der Energie-Landesrat. Auch auf anderen Ebenen wird in die eine oder die andere Richtung lobbyiert.

Die Interessengemeinschaft Windkraft hat diese Woche eine Umfrage unter 200 Lungauern veröffentlicht. Demnach gibt es im Bezirk eine klare Mehrheit für die Energieform. 71 Prozent sprachen sich für den Ausbau der Windkraft auch in Salzburg aus. Nur 16 Prozent erwarteten negative Auswirkungen auf die Lebensqualität.

Projektbetreiber gab auf

Der Auslöser für die nunmehrige Abstimmung war ein geplanter Windpark am Fanningberg in der Gemeinde Weißpriach mit acht Windrädern. In der damaligen Debatte war ein klares Votum für die Windkraft im Lungau nicht ersichtlich. Aufgrund der gleichermaßen aufgeheizten wie kontroversiellen Diskussion um den Windpark zog der Betreiber das Projekt im vergangenen Herbst zurück, obwohl die Gemeinde das Projekt befürwortet hätte.

Schon vor mehreren Jahren ist ein anderes Projekt am Aineck auf 2.200 Metern Seehöhe in der Gemeinde St. Margarethen gescheitert. In einer Bürgerabstimmung sprachen sich 60 Prozent gegen die Genehmigung von drei Windrädern auf dem Berg aus. Nun sollen die Gemeinderäte für den ganzen Bezirk für Klarheit sorgen – zumindest für zehn Jahre.