Chronik | Österreich
05.10.2018

Warum im Westen für Windräder Flaute herrscht

In Westösterreich setzt sich die Windkraft nur schwer durch. Das zeigen zwei Salzburger Projekte.

Die Windkraft hat es schwer in den Bergen. Westlich von Oberösterreich gibt es in Österreich noch kein einziges Windrad. In Salzburg haben aktuell zwei Projekte im Lungau schon vor ihrer Einreichung mit starkem Gegenwind zu kämpfen. Auf dem Fanningberg in Weißpriach sollen acht Windräder entstehen, und in Ramingstein gibt es Ideen für einen Windpark mit 17 Windrädern.

Die Bürgerinitiative „Alternativen für einen Lungau ohne Windräder“ lehnt beide Projekte ab. „Weil sie dem Lungau nur Nachteile bringen, die Wirtschaftlichkeit äußerst fragwürdig ist und die Winddaten viel niedriger sind als im Flachland“, sagt Sprecherin Waltraud Grübl zum KURIER. Robert Gruber vom Projektbetreiber Lungauwind am Fanningberg hält dem entgegen: „Es wird ein Windgutachten gemacht und geschaut, ob die Windräder wirtschaftlich sind oder nicht. Es wird keine Bank irgendetwas finanzieren, was sich nicht rechnet“, sagt er.

Gemeinden stimmen ab

Die Bürgermeister der 15 Lungauer Gemeinden wollen beim Thema Windräder ein für alle Mal Klarheit. Sie haben im Regionalverband beschlossen, nach der Gemeinderatswahl im kommenden Frühjahr alle 200 Gemeinderäte für oder gegen Windräder abstimmen zu lassen. Die Mehrheit der Gemeinden entscheidet. „Das Ergebnis wird auch ins regionale Entwicklungsprogramm aufgenommen und ist damit rechtlich bindend“, sagt Manfred Sampl, Bürgermeister von St. Michael und Regionalverband-Obmann.

Die FPÖ hat im Landtag eine – nicht bindende – Volksbefragung beantragt, erhielt dafür aber keine Unterstützung. Interessant: Sowohl Projektbetreiber als auch -gegner fänden eine Volksbefragung besser als die Abstimmung der Gemeinderäte. Windkraft kann aber auch in den Bergen funktionieren. Nicht weit vom Lungau entfernt, steht seit 16 Jahren in der Steiermark mit dem „Tauernwindpark“ Österreichs höchstgelegene Windkraft. Anfang der 2000er Jahre gelang dessen Errichtung noch ohne größere Nebengeräusche.

Skepsis auch in Kärnten

Langen Atem benötigen die Betreiber von Windrädern auch in Kärnten. Das liegt an umständlichen Behördenverfahren sowie massenhaften Einsprüchen von Naturschutzbund sowie Anrainern. Daher sind bislang in Kärnten erst zwei Windräder in Betrieb, die jeweils auf dem Plöckenpass errichtet wurden – das zweite aufgrund der Bürokratie erst nach zwölfjähriger Wartezeit im Vorjahr.

Nach Jahren des Rechtsstreites wurde im August dieses Jahres auch der erste Kärntner Windpark bewilligt. Acht Windkraftanlagen sollen auf der Kuchlalm nahe der steirischen Grenze künftig rund 20 Megawatt Strom erzeugen, Baubeginn ist im Jahr 2019. „In Summe werden zwischen 16 und 18 Millionen Euro in das Projekt investiert“, sagt Projektleiter Werner Feuerabend. Der auf der Kuchlalm produzierte Strom wird auch im Nachbarbundesland eingespeist.

Weiter westlich sieht es ähnlich aus wie in Salzburg. Um ein auf dem Pfänder bei Bregenz geplantes Windrad ist es still geworden, Ideen für einen Windpark in der Nähe des Brenners wurden wieder verworfen.

Salzburger Touristiker sind skeptisch

Besonders die Touristiker sind in Salzburg gegenüber den Windrädern skeptisch. Vor allem im Lungau wird das Ausbleiben der Gäste befürchtet. Aber auch Erich Egger, Geschäftsführer der Schmittenhöhebahn in Zell am See, sagt zur Möglichkeit der Energiegewinnung in Skigebieten: „Wir belasten das Landschaftsbild durch die Liftanlagen bereits. Deshalb sind wir, was die Windkraft betrifft, zurückhaltend“.

Die Schmittenhöhebahn setzt dagegen auf Photovoltaikanlagen auf Betriebsgebäuden. Der steirische Tauernwindpark befindet sich allerdings in unmittelbarer Nähe eines Skigebiets.