Chronik | Österreich
12.04.2017

Lkw durchbricht Anti-Terror-Sperre

Tonnenschwere Betonteile halten Zehn-Tonnen-Lkw nicht ab. Poller sind teuer und schwer zu montieren.

"Meine Steine machen Hamburg sicher", tönte Thomas Pampel im Jänner in der Bild-Zeitung. Der Chef der Firma Stoneland wollte das Wundermittel gegen den Terror durch die Lkw gefunden haben. In der MDR-Sendung "Umschau" ruderte er bereits zurück und meinte kleinlaut: "Das hat nur einen Placeboeffekt."

Denn ein Versuch der deutschen Prüfgesellschaft Dekra für den Sender MDR hat nun gezeigt, dass schon ein Zehn-Tonner reicht, um die Sperre zu durchbrechen. Zum Vergleich: Der Lkw beim Anschlag in Berlin hatte sogar 40 Tonnen, also weit mehr Wucht beim Aufprall.

Poller in Wien

Auch in Österreich wird seit Tagen wieder einmal heftig diskutiert, was gegen eine mögliche Lkw-Amokfahrt unternommen werden könnte. Boulevardzeitungen und die FPÖ versuchen seit Wochen, dahingehend Druck zu machen. Der Wiener Polizeipräsident Gerhard Pürstl kündigte jetzt Poller für die Bundeshauptstadt an. An fünf Stellen in der Innenstadt (etwa Herrengasse und Michaelerplatz) sollen solche Poller installiert werden. Geschützt werden damit allerdings nur das Innenministerium, das Bundeskanzleramt und die Präsidentschaftskanzlei.

Das Problem: Wirksamer Schutz ist teuer und nur bei einzelnen Gebäuden sinnvoll. In Erinnerung sind etwa die für den Weihnachtsmarkt in Schönbrunn aufgestellten Sperren, die bei Experten für Heiterkeit gesorgt hatten. Für das Steirerfest am Rathausplatz wurden Steine aufgelegt, die – wenn man sich den Test in Deutschland anschaut – bestenfalls einem SUV-Geländefahrzeug standhalten könnten – wenn überhaupt.

40.000 Euro pro Stück

Tatsächlich wirksam sind Poller erst ab der Güteklasse IWA 14-1. In Europa sollen Sperrpfosten nach dieser Norm einen 30 Tonnen schweren Lkw mit einer Geschwindigkeit von rund 80 km/h stoppen. Derartige Poller müssen allerdings rund zwei Meter tief in den Boden eingegraben werden.

Ist dies überhaupt möglich, kommt noch der Kostenfaktor dazu. Etwa 30.000 bis 50.000 Euro kostet so ein Poller inklusive Einbau. Allein die Wiener Innenstadt hat 30 Straßen, die zu Fußgängerzonen führen. Die Poller müssen sehr eng stehen, damit kein Lkw durchschlüpfen kann. Nimmt man vorsichtig etwa zehn Poller pro Einfahrtsstraße in die City, dann wären dafür rund zwölf Millionen Euro fällig.

Danach blieben aber immer noch die Mariahilfer Straße, die Meidlinger Hauptstraße, die Favoritenstraße und so mancher Markt, die ebenfalls zu schützen wären. Dazu kommen wichtige Landeshauptstädte wie Graz, Linz, Salzburg oder Innsbruck. Am Ende würde das wohl mehrere hundert Millionen Euro kosten, um ganz Österreich gegen Anschläge zu sichern.

Einsatzfahrzeuge

"Dabei muss man auch immer die Folgen im Auge haben", warnt Norbert Leonhardmair vom Wiener Zentrum für sozialwissenschaftliche Sicherheitsforschung (Vicesse). "So kann es dann durchaus sein, dass auch Einsatzfahrzeuge, wie etwa die Rettung, nicht mehr zufahren können." Der Experte verweist auf die Sicherheitstüren, die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in Flugzeuge eingebaut wurden – und dann den Selbstmord-Absturz einer Germanwings-Maschine erst ermöglichten.

Dazu haben Terroristen aus den Maßnahmen gelernt. "Die Bomben werden weniger, dafür werden die Mittel niederschwelliger. Nun werden Alltagsgegenstände wie Messer und Lkw verwendet", sagt Leonhardmair.