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Chronik | Österreich
04/29/2019

Lkw-Brand: Lenker fuhr mit technischem Defekt in den Tunnel

Der Fahrer blieb mit brennendem Schwerfahrzeug in Tunnel-Mitte stehen. Röhre "enorm beschädigt“.

Als die Einsatzkräfte der Feuerwehren Schwechat und Rannersdorf um Montag kurz vor 4.30 Uhr in der Früh in den gesperrten S1-Tunnel bei Rannersdorf einfuhr, schlug ihnen dichter schwarzer Rauch entgegen. „Dann hat sich die Rauchabzugsanlage eingeschaltet, dadurch ist die Sicht besser geworden“, sagt Maximilian Puhane, Sprecher der Feuerwehr Schwechat, zum KURIER.

Ein brennender Lkw, der Werkzeug geladen hatte, stand seit zehn Minuten in Brand und sorgte für im 600 Meter langen Tunnel auf der Schwechater Schnellstraße für ein regelrechtes Inferno. Laut Polizei war dem Fahrer vor der Einfahrt in den Tunnel aufgefallen, dass die Lenkung leicht flatterte. Er blieb schließlich am Pannenstreifen stehen und bemerkte, dass es hinter dem Vorderreifen brennt.

Lenker versuchte vergeblich zu löschen

Der Lenker versuchte noch, die Flammen mit seinem Feuerlöscher zu löschen, ergriff dann jedoch mit dem Lenker eines nachfolgenden Lastwagens die Flucht. Als sich die Feuerwehrleute schließlich unter Atemschutz die letzten 80 Meter zum Brandherd bahnten, stand der Lkw bereits in Vollbrand. Glücklicherweise war der Tunnel bis auf zwei Schwerfahrzeuge leer. Die Ladung, Werkzeug in Plastikverpackungen und Kartonagen und die Lkw-Plane hatten für eine starke Rauchentwicklung gesorgt. 

Nach 30 Minuten war der Brand mittels Schaum gelöscht, die Nacharbeiten dauerten bis Mittag. Umfangreiche Staus waren die Folge. Die Abluftanlage, meint ein Feuerwehrmann, habe die Löscharbeiten erleichtert. Dennoch war durch die große Hitze Beton von der Tunneldecke abgeplatzt. Der Brand dürfte laut Polizei auf Grund eines technischen Defektes entstanden sein

Tunnelbrände sind auch für geübte Feuerwehrleute immer wieder eine große Herausforderung. Vor allem die enorme Hitze des Feuers, die nicht abziehen kann, macht den Löschmannschaften in Tunnels zu schaffen.

Hohe Sicherheit

Dass der Unfall vergleichsweise glimpflich ausging, ist vermutlich einem anderen Brand-Inferno zu verdanken, das sich vor ziemlich genau 20 Jahren im Tauerntunnel abgespielt hat (siehe Zusatzbericht). In der Folge wurden die Sicherheitsmaßnahmen schlagartig verschärft.

Seit dem Jahr 2000 hat die Asfinag mehr als vier Milliarden Euro in die Sicherheit der 165 Tunnels investiert.

In jedem Tunnel gibt es alle 125 bis 150 Meter eine Löschnische mit einem Hydranten, dazu kommen Notrufnischen und alle 250 bis 500 Meter gibt es Fluchtwege. Die Wiener Außenringschnellstraße wurde erst nach dem Unfall gebaut und entsprechend hoch sind die Sicherheitseinrichtungen.

Derzeit werden die letzten einröhrigen Tunnel, darunter der Gleinalmtunnel auf der Pyhrnautobahn(A9), Perjentunnel auf der Arlberg Schnellstraße (S16) und der Karawankentunnel auf der gleichnamigen Kärntner Autobahn um eine zweite Röhre erweitert. Dafür werden 458 Millionen Euro von der Asfinag investiert.

Österreich führend

In ganz Europa wurden Milliarden in die Hand genommen, um solche Einrichtungen zu bauen.

Einer der Initiatoren war Verkehrsexperte Willy Matzke, der im aktuellen Fall ein „grobes Fehlverhalten des Lkw-Lenkers“ als Ursache ortet: „Die Tunnelsicherheit ist wesentlich besser geworden. Der Lkw-Lenker hätte einfach zu einem der Löschgeräte gehen müssen und das Feuer löschen können“, meint Matzke im KURIER-Gespräch. „Das hat einen Pistolengriff und ist so einfach zu bedienen wie ein Hochdruckreiniger. Das kann jeder machen“.

Offenbar fehlt aber vielerorts die Information, dass es solche Einrichtungen überhaupt gibt. Matzke betont, dass Tunnels, durch die umfassenden Maßnahmen, die sichersten Orte auf Autobahnen sind. Österreich sei in diesem Punkt europaweit führend.

„Enorme Brandlast“

„Wenn ich merke, dass mein Lkw zu brennen beginnt, dann ist es nicht vernünftig, noch in den Tunnel hineinzufahren“, betont auch Asfinag-Finanzvorstand Josef Fiala. „Denn die Gefährdung der anderen Verkehrsteilnehmer und der Straßeninfrastruktur ist dort ungleich höher als im Freiland. Dort kann die enorme Brandlast sozusagen nach oben entweichen und die Schäden und Belastungen sind immer geringer als im Tunnel.“

Derzeit werden von den Experten der Asfinag die Schäden im Tunnel bei Rannersdorf erhoben. Das endgültige Ergebnis wird für Dienstagnachmittag erwartet.

„Das starke Lüftungssystem war in der Lage, die extreme Rauchgasentwicklung abzusaugen. Es ist aber davon auszugehen, dass nicht nur die Elektroinstallationen, sondern auch die Fahrbahn und der Tunneloberbau mit der Betonschalung enorm beschädigt wurden“, sagt Fiala.

Wie lange der Tunnel Rannersdorf gesperrt sein wird, ist vorerst nicht abschätzbar. Das wird davon abhängen, wie schwer die Bausubstanz tatsächlich in Mitleidenschaft gezogen wurde. Das herauszufinden kann Tage dauern.

Viel Löschschaum eingesetzt

Feuerwehr im Einsatz

Der Brand

Beschädigte Decke

Tunnelsperre

Ausweichen über A4 und A23

Der Tunnel Rannersdorf bleibt in Richtung  Knoten Vösendorf auf unbestimmte Zeit gesperrt, der Verkehr wird bei der Anschlussstelle Schwechat Süd abgeleitet.

In Richtung Flughafen ist die S1 seit Montagvormittag wieder  durchgängig befahrbar. Somit müssen Autofahrer, die  aus Richtung Osten kommen, großräumig über die A4 und die A23 ausweichen. Laut ÖAMTC ist dabei zu Hauptverkehrszeiten mit  zähem Verkehr oder Stau zu rechnen. Aufgrund des Feiertags am Mittwoch gibt es laut Verkehrsexperten am Dienstag zudem ein erhöhtes Lkw-Aufkommen.