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Chronik Österreich
10/04/2019

Verseuchte Wurst: Verdächtige Ware in Niederösterreich und der Steiermark

Die Ware wurde an eine Hotelkette ausgeliefert. Laut Behörden wurde die Wurst teilweise vernichtet.

von Birgit Seiser

Nachdem am Donnerstag bekannt wurde, dass mit Listerien-Bakterien verseuchte Wurst von Deutschland auch nach Österreich exportiert wurde, prüft die AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) derzeit zwei Unternehmen in Niederösterreich und der Steiermark. Wie berichtet, gab es in Deutschland zwei Todesfälle durch die Listerien.

Der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Gerd Jung, bestätigte dem KURIER die Fälle in den Bundesländern. Demnach wurden neun Stangen der verseuchten Salami an ein Unternehmen in der Steiermark geliefert, welches die Ware aber nach Bekanntwerden der Probleme vernichtete. Das Unternehmen in Niederösterreich lieferte die Wurst an eine Hotelkette, wie Jung sagt: "Die Hotels wurden mittlerweile überprüft. Es schaut so aus, als wäre die Ware nicht an die Buffets gelangt."

Listerien-Gefahr noch nicht gebannt

Ob Konsumenten mit Listerien infiziert wurden, ist aber derzeit noch nicht endgültig auszuschließen. Zwar gibt es laut Ingrid Kiefer, Expertin der AGES, derzeit noch keine Erkrankungen in Österreich, die Gefahr ist aber keineswegs gebannt: „Die Inkubationszeit bei Listerien geht von einem Tag bis zu 70 Tage. Das ist sehr, sehr lange. Daher können wir im Moment nicht ausschließen, dass wir in den nächsten Wochen oder Monaten auch Krankheitsfälle in Österreich verzeichnen müssen“, sagt Kiefer.

Fraglich ist, ob eine Infektion überhaupt bemerkt wird. Gesunde Erwachsene merken oft gar nicht, dass die infiziert sind. Umso gefährlicher ist es für Risikopatienten, wie die AGES-Expertin Kiefer erklärt: „Vor allem für Schwangere sind Listerien gefährlich und können Fehl- oder Totgeburten auslösen. Auch für ältere Personen oder Menschen, die sich einer Chemotherapie oder einer Kortisontherapie unterziehen, kann die Erkrankung sehr häufig tödlich enden.“

Listerien sind Bakterien, die zu Durchfall und hohem Fieber führen können. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem können sie lebensgefährlich sein. Risikogruppen wie Schwangere, Neugeborene oder chronisch kranke Menschen sollten auf den Verzehr von rohem Fleisch oder nicht pasteurisierten Milchprodukten verzichten.

Listerien kommen in der Natur häufig vor. Sie sind besonders gefährlich, weil sie sich auch unter widrigen Umständen, wie beispielsweise im Kühlschrank, vermehren können. Außerdem ist ein Befall von Lebensmitteln nicht durch den Geschmack, Geruch oder ein verändertes Aussehen erkennbar.

Die Bakterien finden sich oft in Tierfutter oder Kot und können deshalb schon in der Lebensmittelproduktion die Waren befallen.

Hände weg von rohen Lebensmitteln

Gefährlich sind die Bakterien vor allem, weil man sie nicht riecht, schmeckt oder sieht und sie bei allen Lebensmitteln vorkommen können. Zwar vermehren sie sich meist in rohen Fleisch- oder Fischprodukten, aber auch auf Obst und Gemüse kommen sie vor. Deshalb warnt Kiefer: „Man sollte alle Lebensmittel immer gründlich waschen und immer darauf achten, kein rohes Fleisch zu essen.“

Die nordhessische Firma "Wilke Wurstwaren", von der die verseuchte Wurst produziert wurde, ist mittlerweile von deutschen Behörden geschlossen worden und hat Konkurs angemeldet. Es dürfte schon seit dem Frühjahr immer wieder Probleme im Zusammenhang mit der Hygiene bei der Produktion gegeben haben. In Deutschland sind zwei Pensionisten gestorben, 37 Krankheitsfälle wurden bis dato gemeldet.

Das Traditionsunternehmen bestand über 80 Jahre lang, hatte 2019 zirka 160 Mitarbeiter und machte laut Creditreform rund 40 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Ein kleiner Teil des Fleisches, das die Firma verarbeitete, stammte auch aus Österreich.

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