© Seiser Birgit

Chronik Österreich
10/06/2020

Leichen im Gemeindebau: DJ, Poker-Profi, Gamer – und Mörder?

In Favoriten wurden zwei Leichen gefunden. Der Verdächtige verdiente sein Geld vor allem im Internet.

von Birgit Seiser, Dominik Schreiber

Als Polizisten am Montagabend in eine Wohnung in die Per-Albin-Hansson-Siedlung gerufen wurden, dürften der Mieter und seine Lebensgefährtin schon länger tot gewesen sein. Nachbarn hatten Alarm geschlagen, weil die Eingangstür, seit dem Wochenende offen gestanden hatte.

Im Inneren fanden die Ermittler dann die Toten: Eine 30-jährige Österreicherin und Mario Z., der 33 Jahre alt war. Nach ersten Erhebungen dürfte er die Frau mit einem Hammer erschlagen und sich dann selbst das Leben genommen haben.

Er saß in Haft

In sozialen Netzwerken gingen schnell die Wogen hoch. Die einen trauerten um Mario Z., die anderen wunderten sich wenig über die Tat, denn – wie auch die Polizei bestätigte – war der 33-Jährige kein unbeschriebenes Blatt und bereits wegen anderer Delikte amtsbekannt gewesen. Er saß auch wegen Vergewaltigung im Gefängnis.

Im Jahr 2016 wurde dem damals 29-Jährigen Vergewaltigung vorgeworfen. In einem Altersheim verging er sich demnach an einer 86-Jährigen. Ein Schöffensenat verurteilte ihn schließlich zu 32 Monaten Haft.

Damals gab er an, unter Drogeneinfluss gestanden zu sein und deshalb keine Erinnerungen an die Tat zu haben – und die Schöffen glaubten ihm. Er habe eine Kombination aus Alkohol, Kokain und sogenannten Happy Pills eingenommen. Das glaubte damals er zumindest. Weil ihm der Dealer aber statt diesen Pillen ein Narkosemittel verkauft hatte, könne er sich nicht an die Vergewaltigung erinnern.

Damals überführten Mario Z. DNA-Spuren. Ob auch diesmal Drogen im Spiel waren, muss nun die Obduktion klären. Seine Haftstrafe erklärt aber die Lücke, die in dem sehr detailreichen Facebook-Profil des 33-Jährigen. Denn im Internet machte er sich einen Namen als Poker-Profi, Techno-DJ und auch im Computerspiel Counter Strike (ein sogenannter Ego-Shooter) spielte er unter dem Usernamen „PREDA7OR“ in der Oberliga.

Geld durch Gamen

In diesen Metiers dürfte er auch sein Geld verdient haben. Laut Nachbarn ist er nämlich nicht arbeiten gegangen. Schaut man sich das Profil des Mario Z. an, bemerkt man schnell, dass er sich gerne als Draufgänger präsentierte: Schnelle Autos, Live-Streams seiner Computerspiel-Duelle und der Poker-Turniere finden sich massenhaft auf seinem Profil. Einmal soll er stark alkoholisiert gespielt haben und das live geströmt haben.

Die teure Technik, die er stolz präsentierte, dürfte er sich vor allem durch das Pokern verdient haben. Laut verschiedener Poker-Seiten dürfte er sechsstellige Gewinne gefeiert haben. Als DJ war er in der Electro-Szene bekannt und gut gebucht. Ein Star-Discjockey, wie mancherorts behauptet, war er allerdings nicht.

Im Internet präsentierte er stolz seinen Computer:

Mehrsprachiger Wiener

Außerdem dürfte er mehrere Sprachen gesprochen haben. Kommentare zu seinem Online-Auftritt kommentierte er unter anderem auf Englisch, Französisch und Italienisch. In den vergangenen Monaten entwickelte er sich anscheinend immer mehr zum Corona-Leugner. Er postete Bilder von HC-Strache, der bekanntlich auch gegen die Maskenpflicht ist, und verwendete dessen Parteilogo als Facebook-Profilbild.

Was den 33-Jährigen zu der Tat bewogen hat, muss nun ermittelt werden. Im Gemeindebau kannten ihn die Nachbarn eigentlich als freundlichen Menschen, wenngleich bekannt war, dass er dem Alkohol nicht abgeneigt war. Es gibt aber auch unbestätigte Berichte, wonach er Messer bei sich gehortet haben soll. Wer das weibliche Opfer ist, ist vorerst unklar. Auch im Internet gab er an, Single zu sein.

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