Chronik | Österreich
07.01.2013

Die Lehren aus Prinz Frisos Unfall

Nach Prinz Frisos tragischem Lawinenunfall setzt man am Arlberg noch stärker auf Bewusstseinsbildung.

Ausverkauft waren Lawinen-Airbags vor Weihnachten in vielen Vorarlberger Sportgeschäften. Jene Hilfsmittel, die sich in Sekunden aufblasen und einen Wintersportler auf dem Schneebrett halten sollen, statt von ihm verschüttet zu werden.

Doch was steckt hinter diesem steigenden Bedürfnis nach mehr Sicherheit? Es dürfte nicht zuletzt mit dem tragischen Unfall des niederländischen Prinzen Friso zusammenhängen, der am 17. Februar 2012 bei Lawinenwarnstufe 4 im freien Skiraum bei Lech verschüttet wurde. Seither liegt er im Koma(siehe Beitrag rechts).

„Durch den Ansturm der internationalen Medien wurde sicher das Bewusstsein bei einem breiteren Publikum geschärft“, bestätigt Christian Röhrig von den Skiliften Lech.

Jedenfalls setzt man im Nobel-Skiort im heurigen Winter besonders auf Information und Bewusstseinsbildung. Denn die Arlberg-Region ist prädestiniert als Off-Pist-Gelände – für Abfahrten abseits gesicherter Pisten.

Vorbeugen

„Das Unglück hat uns in unserer Entscheidung bestärkt, noch mehr vorbeugend zu tun. Denn alles abzusperren geht nicht und wäre kontraproduktiv“, betont Lech-Zürs-Tourismus-Direktor Hermann Fercher. „Deshalb wollen wir noch stärker darauf hinweisen, dass die Natur mit Gefahren verbunden ist – und wie man sich bestmöglich schützt“, ergänzt Bürgermeister Ludwig Muxel.

Und so wurde in Zürs Anfang Dezember die erste Snow & Safety Conference realisiert – nach einer Idee, die Fercher vor zwei Jahren auf der ITB, der Internationalen Tourismusbörse in Berlin, mit einem Vertreter des niederländischen Skiverbands entwickelt hat. Fachleute, wie die Leiter der Lawinenwarndienste, Andreas Pecl (Vorarlberg) und Rudi Mair mit Stellvertreter Patrick Nairz (Tirol), gaben ihr Wissen an rund 200 Interessierte weiter. In der Theorie, aber auch bei Workshops.

„Im Winter bieten die Skischulen auch Kurse für Gäste an“, sagt Fercher, der für Abfahrten im freien Skiraum zu Skiguides rät. „Denn mit Guide ist bei uns in den letzten 30 Jahren nichts passiert.“ Zudem will der Tourismusverband „mit richtigen Bildern“ Gusto auf das Tiefschnee-Paradies machen.

Info-Tafel

Auch im Skigebiet ist einiges passiert, „nicht nur wegen Prinz Frisos Unfall“, berichtet Christian Röhrig von den Skiliften Lech. Mit Skiführern und Bergrettern wurden neue Info-Tafeln gestaltet, die bei je zwei Tal- und Bergstationen angebracht sind. Ihr Motto: „Check your Risk“.

Angeführt sind darauf alle Varianten der Lawinen-Info – vom Telefon-Tonband bis zur App, Lageberichte und die Lawinengefahrenskala. „Die Gäste erfahren, dass bei Warnstufe 4 und 5 die Leuchten blinken und da niemand außerhalb des Skigebiets sein sollte“, erläutert Röhrig. Auch die „unverzichtbare Ausrüstung“ wird angeführt: Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS), Sonde, Schaufel, Rucksack, Handy, Airbag – und die Direkt-Nummer zur Pistenrettung, „weil im Notfall jede Sekunde zählt“.

Viele Nachfragen habe es heuer zu den LVS-Trainingssuchfeldern gegeben. Röhrig: „Zwei bestehende haben wir aktualisiert und ein drittes neu eingerichtet.“

Prinz liegt weiterhin im Koma

Jäh hatte die Tragödie am 17. Februar 2012 den Skiurlaub der niederländischen Königsfamilie beendet: Trotz Lawinenwarnstufe 4 waren Prinz Friso, 44, und Post-Hotel-Direktor Florian Moosbrugger im Bereich Litzen-Zugertobel in den freien Skiraum eingefahren und hatten ein Schneebrett ausgelöst.

Beide waren zwar mit LVS ausgerüstet, aber nur Moosbrugger trug zusätzlich auch einen Airbag. Der 43-jährige Chef des Hotels Post in Lech, in dem die königliche Familie seit Jahrzehnten logiert, blieb an der Oberfläche und setzte den Notruf ab.

25 Minuten später konnte Prinz Friso geborgen werden. Nach 25 langen Minuten, in denen sein Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt war. Zudem wurde er nach einem Herzstillstand 50 Minuten reanimiert. Seither liegt er im Londoner Wellington-Krankenhaus im Koma. Im November wurde bekannt, dass Anzeichen eines minimalen Bewusstseinszustandes festgestellt wurden – einer Gehirnaktivität auf einfache Fragen, die mittels Magnetresonanztomografie dargestellt werden kann.

Bereits im Oktober hatte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen Moosbrugger einstellt. „Danach war im Dorf große Erleichterung spürbar“, sagt Bürgermeister Ludwig Muxel. Die Entscheidung wurde damit begründet, dass beide geübte Variantenfahrer waren und wussten, dass in Tiefschneehängen stets die Gefahr einer Lawinenauslösung droht.

Bleibt die Frage, ob die Königsfamilie 2013 wieder in Lech Skiurlaub macht. Kronprinz Willem-Alexander hatte dies im Sommer angekündigt. Jüngste Meldungen wurden vom Königshaus zumindest nie dementiert.

Die niederländische Königsfamilie