Chronik | Österreich
18.01.2018

Lawinengefahr: St. Anton über Straße nicht erreichbar

Für Wintersportler herrschten sehr ungünstige Verhältnisse, vor allem in Tirol, Salzburg und Niederösterreich. Auswirkungen auch auf den Bahnverkehr: Westbahnstrecke in Tirol gesperrt.

In Tirol hat am Donnerstag weiter große Lawinengefahr geherrscht, als Stufe "4" der fünfteiligen Skala. Vor allem im Westen und Norden Nordtirols wurde die Situation als kritisch bewertet. In den übrigen Regionen des Bundeslandes wurde die Gefahr oberhalb von etwa 1.600 Metern als groß, darunter als "erheblich", also mit Stufe "3", eingestuft.

Die Lawinengefahr hat am Donnerstag auch zu etlichen Straßensperren in Tirol geführt. Laut ÖAMTC musste etwa die Arlberg Straße (B197) zwischen dem S16-Anschluss St. Anton und Rauz gesperrt werden. Die Orte St. Anton und St. Christoph waren somit auf dem Straßenweg nicht erreichbar, nach Zürs und Lech gelangte man von der Vorarlberger Seite über Stuben aus.

Bahnstrecke gesperrt

Wegen der prekären Lawinensituation ist am Donnerstag die Westbahnstrecke zwischen Landeck-Zams und St. Anton am Arlberg gesperrt worden. Die Dauer der Sperre war vorerst nicht absehbar. Die ÖBB haben einen Schienenersatzverkehr zwischen Landeck-Zams und Bludenz ohne Halt in St. Anton am Arlberg eingerichtet. Für Reisende, die nach St. Anton wollen, stünden aber in Bludenz Shuttle-Züge bereit.

Neuschnee und Wind

Die Kombination aus weiteren Neuschneefällen - dies betraf vor allem den Westen des Landes - unverändert stürmischem Wind und steigenden Temperaturen erhöhte die Wahrscheinlichkeit von spontanen Schneebrettlawinen während des Tages, erklärten die Experten des Lawinenwarndienstes. Man rechnete am ehesten im Westen mit meist mittelgroßen, nur vereinzelt auch mit großen Lawinen. Dies hatte damit zu tun, dass hauptsächlich nur der seit zwei Tagen gefallene und vom Wind verfrachtete Neuschnee als Schneebrett abgehen werde. Ein Durchbrechen in tiefere Schichten sei nur in Einzelfällen in noch nicht entladenen Steilhängen, vermehrt im besonnten Gelände oberhalb von etwa 2.500 Metern denkbar.

Schlechte Bedingungen für Wintersportler

Für Wintersportler herrschten sehr ungünstige Verhältnisse. Im schattigen Gelände musste aufgrund von eingeschneitem Oberflächenreif von einer allgemein sehr hohen Störanfälligkeit der Schneedecke ausgegangen werden. Im besonnten Gelände fanden sich mögliche Schwachschichten im Neuschnee, so dass auch hier frischem Triebschnee im Steilgelände konsequent ausgewichen werden sollte. Vergleichsweise besser war die Situation nur im südlichen Osttirol. Frische Triebschneepakete waren dort kleiner, jedoch auch sehr leicht zu stören.

Seit Mittwochfrüh hatte es in Nordtirol sowie im nördlichen Osttirol nochmals 20 bis 40 Zentimeter geschneit. Somit waren seit Dienstag in Summe meist um 50 Zentimeter, im Westen und Nordwesten zum Teil um einen Meter Neuschnee zusammengekommen. Im südlichen Osttirol waren es nur wenige Zentimeter.

NÖ: Situation bleibt angespannt

Auch die Lawinengefahr in Niederösterreich wurde am Donnerstag weiterhin zum Teil als erheblich beurteilt. Stufe 3 auf der fünfteiligen Skala herrschte in den Ybbstaler Alpen, den Türnitzer Alpen und in höheren Lagen des Rax-Schneeberggebiets. In den übrigen Regionen war das Risiko mäßig. Die Lawinensituation bleibe angespannt, teilte der Warndienst Niederösterreich mit.

Als Gefahrenstellen wurden vor allem die Expositionen Nord über Ost bis Süd genannt, wo frischer, instabiler Triebschnee eingelagert worden sei. Weiterhin war den Experten zufolge in windabgewandten Bereichen (Lee), hinter Geländekanten und in Einfahrten zu Rinnen und Mulden die Auslösung von Schneebrettlawinen durch geringe Zusatzbelastung möglich. Im Laufe des Donnerstags war mit einer zunehmenden Wahrscheinlichkeit von spontanen Schneebrettlawinen und Wechtenbrüchen zu rechnen. In tieferen Lagen seien spontane mittelgroße Lockerschneelawinen möglich, die laut Prognose auch exponierte Verkehrswege erreichen können.

In den niederschlagsreichsten Regionen - den Ybbstaler und Türnitzer Alpen - wurden nach 30 Zentimetern Neuschnee am Mittwoch bis zu 30 weitere Zentimeter am Donnerstag erwartet, im Rax-Schneeberggebiet bis zu 15 Zentimeter. In der Semmering-Wechselregion wurde nur mit vereinzelten Schauern gerechnet. Dem Warndienst zufolge sollte die Schneefallgrenze im Laufe des Donnerstags auf über 1.000 Meter Seehöhe steigen, bevor sie in der Nacht auf Freitag wieder bis in die Täler sinkt.

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