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Chronik Österreich
02/22/2022

Kurioser Prozess um einen Mord, der nie passierte, muss wiederholt werden

Eifersüchtiger Steirer soll im Darknet nach einem Auftragskiller suchen haben lassen. Geschworene sprachen 27-Jährigen frei, Richter hoben das Urteil auf

von Elisabeth Holzer

"Ich habe nicht nachgedacht“, verteidigt sich der 27-Jährige. Der Richter  kommentiert, dass Denken grundsätzlich nicht schlecht wäre, speziell wohl aber in diesem Fall:  Der Steirer steht seit Dienstag  wegen eines Mordes  vor Gericht -  auch wenn dieser Mord nie passiert ist. Seit beinahe einem Jahr sitzt er deshalb auch schon in Untersuchungshaft.

Der Angeklagte soll nämlich nach einem Auftragskiller gesucht haben, oder genauer: suchen haben lassen. Das wirft ihm der Staatsanwalt vor. Im Mai 2021 soll der 27-Jährige einem Bekannten ein brisantes Geschäft angeboten haben: Er möge doch im Darknet -  einem versteckten und nur mit spezieller Software erreichbaren Teil des Internets - nach einem potenziellen Auftragsmörder suchen.

10.000 Euro

Opfer dieses erst noch zu findenden Attentäters sollte der neue Freund der Ex-Lebensgefährtin des 27-Jährigen sein. 10.000 Euro wäre ihm der Mord an dem Nebenbuhler  wert, soll der Steirer behauptet haben. Sogar einen Plan soll sich der Angeklagte  erdacht haben: Am liebsten wäre ihm, der andere Mann würde von einem Auto erfasst, quasi ein Unfall mit Fahrerflucht. Sollte der Auftragsmörder kein geeignetes Gefährt dafür parat haben, auch kein Malheur: Dann würde der 27-Jährige eben einfach seinen eigenen Pkw zur Verfügung stellen.


Allerdings  war das Mordkomplott zu Ende, bevor es überhaupt anfing. Der Bekannte, der nach einem potenziellen Täter suchen sollte, ließ die Finger davon. Allerdings bekam die Polizei einen Tipp: Die Beamten stellten  Daten sicher, in denen der mörderische Plan  beschrieben wurde.

Der "Treuetest" floppte


Der Verteidiger beteuert die Unschuld seines Mandanten: „Das erinnert ja an gewisse Hollywood-Geschichten.“  Vor Gericht will der 27-Jährige auch nichts mehr von  dem Auftrag wissen: Nach der Trennung von seiner Freundin habe er nur an Suizid gedacht, zudem sei er laut Verteidiger „in einen unglücklichen Teufelskreis aus Alkohol und Drogen“ geraten und mehrmals in psychiatrischer Behandlung in der Klinik gewesen.


 „Waren Sie eifersüchtig?“, hakt der Richter nach, eine nicht grundlose Frage. Der Angeklagte soll die Lebensgefährtin eines Freundes dafür angeheuert haben, dass sie beim Rivalen  einen „Treuetest“ macht   die Frau sollte versuchen, den neuen Lebensgefährten seiner  Ex  zu verführen, um zu beweisen, dass der Mann zur Untreue neigt. Allerdings vergeblich, er  ignorierte die Verlockung in Form anzüglicher Nachrichten.  Der Angeklagte war aber 3.000 Euro los, so viel soll er  dem Lockvogel für die Bemühungen bezahlt haben. Erst als der Mann dem „Treuetest“ standhielt, sollen die Mordpläne aufgekeimt sein.


Der Prozess war bis Donnerstag  angesetzt. Angeklagt  war versuchter Mord als Bestimmungstäter. Der Strafrahmen  ist gleich wie bei tatsächlich ausgeführtem Mord, zehn bis zwanzig Jahre Haft oder lebenslang.

Wider Erwarten endete der Prozess aber schon am Mittwochabend – mit einem Knalleffekt: Denn die Geschworenen sprachen den Steirer mit 4:4 Stimmen frei, doch der Richtersenat setzte das Urteil aus, da es „rechtsirrig“ sei. Der Prozess muss nun wiederholt werden.

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