Ein furchtbarer Krieg hat unschuldigen Menschen, darunter auch vielen Kindern, ihre Heimat und Existenzgrundlage geraubt. In Wien suchen in diesen Tagen 600 Syrer Zuflucht.

© APA/EPA/SEDAT SUNA

Stimmungswandel
10/02/2014

KURIER-Leser helfen Syrien-Flüchtlingen

Das Schicksal der Flüchtlinge aus Syrien bewegt die Österreicher. Viele wollen helfen. Der KURIER zeigt, wie und wo Ihre Unterstützung am wirkungsvollsten ist.

von Sandra Lumetsberger, Uwe Mauch

Wien, Erdbergstraße 186, Karl-Heinz Grundböck zeigt sich zufrieden. Der Sprecher des Innenministeriums erlebt in diesen Tagen ein anderes Österreich: Menschen kommen und erkundigen sich, wie sie helfen können. Ohne sich zu fürchten. Ohne die alten Ängste zu beschwören. Einer sagt: "Mein Boot ist noch nicht voll." Andere geben Sachspenden ab.

Am Montag sind in Wien die ersten Flüchtlinge aus Syrien gelandet. Seither wurden in der ehemaligen Zollwacheschule 250 Männer, Frauen und Kinder einquartiert. Weitere 350 werden erwartet und sollen in der ehemaligen Wirtschaftsuniversität in der Althanstraße ein Notquartier finden. Die Flüchtlinge werden im Auftrag und unter strenger Aufsicht des Ministeriums von jener Schweizer Firma betreut, die auch im Flüchtlingslager Traiskirchen zum Zug kam. Grundböck betont, dass die Erstversorgung der Menschen gesichert ist. "Gestern wurden die ersten Winterjacken geliefert. Aber natürlich kann man auch Sachspenden bei uns abgeben."

SPENDENAKTION: SO KÖNNEN SIE HELFEN

Zeit spenden

Klaus Schwertner, Generalsekretär der Caritas Wien, wendet sich an die KURIER-Leser, mit der Bitte, nicht nur Geld und Kleidung, sondern Zeit zu schenken. Besonders gesucht: Freiwillige, die beim Deutschlernen helfen und Nachhilfestunden für die Schule geben möchten und vor allem unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bei ihren Freizeitaktivitäten begleiten. Eine dringende Bitte um honorarfreie Expertise ergeht an Ärzte, speziell Gynäkologinnen, Kinderärzte und Allgemeinmediziner.

Auch Klaus Schwertner freut sich über die Hilfsbereitschaft seiner Landsleute. "Die Zahl der Anrufer, die sich erkundigen, wie sie helfen können, wird nicht kleiner. All die stillen Helfer hört man nicht." Und natürlich werden bei der Caritas und zum Beispiel bei der Asylkoordination gerne Geldspenden angenommen, unter anderem, um für die Flüchtlinge neue Matratzen anzuschaffen oder das Projekt Connecting people zu unterstützen.

Lesen Sie im KURIER am Sonntag: Wie Leser helfen – und weitere Spendenadressen für alle Bundesländer.

Sie haben Erfahrung mit Flüchtlingen und wollen ein Stück Glück teilen

Die Psychotherapeutin sieht sich in einer privilegierten Situation. "Ich habe Glück, dass ich hier geboren worden bin, ich hätte genauso gut wo anders auf die Welt kommen können. Wir haben so viel geschenkt bekommen, ich möchte ein Stück weitergeben." Das tut Anna Rakoš, indem sie sich ein Mal in der Woche mit Omar trifft. Der 18-Jährige floh aus Somalia und lebt seit eineinhalb Jahren in Österreich. Vermittelt wurden die beiden von"Connecting People", ein Projekt, das von Care unterstützt wird und Patenschaften für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge anbietet. "Ich rufe ihn meist vor dem Wochenende an und schlage etwas vor. Ich möchte ihm die Chance geben, seinen Horizont zu erweitern und ihn aus seinem Alltag herausholen." Gemeinsam besuchen sie Ausstellungen oder gehen ins Kino. Der Kinobesuch hat ihn an seine Kindheit erinnert. "Er erzählte, dass seine Eltern ein Kino besaßen, sie mussten es aufgeben, als die Milizen kamen." Neben der politischen Lage in seiner Heimat sprechen die beiden auch über Omars Zukunft. "Er ist sozial sehr kompetent und möchte eine Pflegehelferausbildung machen."

Ein weiterer Grund für Anna Rakoš Engagement ist die Lebensgeschichte ihres Vaters, der aus Kroatien flüchten musste. "Er konnte ein gutes Leben haben, weil er nett und gut aufgenommen wurde. Das hatte auch auf mein Leben direkte Auswirkung."

Bereicherung für unser Leben

Es ist nicht so, dass der Verkehrsexperte der AK Niederösterreich und die Informatikerin mit eigenem Institut für Kinder mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche zuvor kein ausgefülltes Leben gehabt hätten. Nikola Truxa, die im deutschen Saarland geboren wurde und seit 13 Jahren in Österreich lebt, und Thomas Kronister, der sechs Jahre lang zuvor im Saarland verbracht hat, wollten viel mehr ein Zeichen setzen.

Beide haben selbst erlebt bzw. erleben noch immer, wie es ist, wenn man anderswo ein neues Leben beginnt. Dabei ist ihr Anderswo das jeweilige Nachbarland. So eine Erfahrung prägt. Dabei ist es auch für Truxa und Kronister, die mit beiden Beinen im Berufsleben stehen, kaum vorstellbar, wie es ist, wenn man als Kind in einem anderen Kulturkreis ankommt, ohne Rückflugticket, ohne Eltern, die man jederzeit um Hilfe rufen kann, ohne ein Wort all dieser fremden Erwachsenen zu verstehen.

"Für uns ist der Mohamed ein ungeheuer mutiger Mensch und eine echte Bereicherung für unser Leben", erklären die beiden Paten, die im Sommer ihr Haus im Süden von Wien für den 17-Jährigen aus Afghanistan geöffnet haben und damit nebenbei auch seine Schulängste bekämpfen konnten. Inzwischen sind die beiden nicht nur Paten, sondern auch anerkannte Pflegeeltern. Ein großes Glück im Unglück!

Privat Asyl gewähren: Ja, aber...

Anny Knapp, Obfrau der "Asylkoordination Österreich", bekommt derzeit unzählige Mails. Viele Menschen melden sich bei ihr, weil sie gerne Flüchtlinge bei sich zu Hause aufnehmen möchten. Das freut die Expertin für Asylrecht, gleichzeitig betont sie aber, dass es einiges zu beachten gibt: "Im Prinzip kann man den Flüchtlingen eine Wohnung anbieten. Wichtig ist, dass es einen Mietvertrag gibt, sonst gibt es in der Regel keine Mietunterstützung." Heißt: So lange die Flüchtlinge noch keine positive Entscheidung über ihren Asylantrag haben, bekommen sie nur 120 Euro Unterstützung aus der Grundversorgung für den Wohnungsaufwand. Bei einer Familie beträgt sie 240 Euro.

Insgesamt sei also die Unterstützung für Asylwerber, wenn sie privat wohnen, sehr niedrig. Gibt es kein Mietverhältnis, wird auch keine Unterstützung zum Wohnen und nur der Lebensunterhalt ausbezahlt.

Kontaktaufnahme

Um Flüchtlinge zu finden, die bei einem wohnen könnten, empfiehlt sie die Kontaktaufnahme mit betreuenden Organisationen. "Die kennen die Flüchtlinge und könnten diese ansprechen und mit ihnen gemeinsam überlegen, ob das Angebot passt."

Ein wichtiger Punkt ist laut Knapp auch die Meldepflicht der Flüchtlinge. "Sie müssen binnen drei Tagen eine Meldebestätigung haben, das hat sonst Auswirkungen auf ihren Asylbescheid." Und: "Man muss sich darauf einstellen, dass man anfangs vielleicht ein paar Betreuungsaufgaben übernimmt." Das geht von Arztbesuchen bis zu Behördengängen. Damit das Zusammenleben funktioniert, sollten die Wohneinheiten etwas separiert sein, oder einen eigenen Eingang oder Stockwerk haben. "Das Wohnangebot sollte auch ein bisschen länger bestehen, weil man den Leuten nicht zumuten kann, dass sie sofort in der Lage sind, etwas Neues zu finden."

Besonders betroffen sind Flüchtlinge, die nach einem positiven Asylbescheid binnen vier Monaten aus dem Flüchtlingsheim ausziehen müssen. "Sie brauchen dringend eine Wohnlösung, während des Asylverfahrens können sie nicht arbeiten und kommen mittellos auf den Wohnungsmarkt."

Info: Die Asylkoordination bietet in ihrem Projekt "Connecting People" aktuell ab November wieder eine Schulung für Patenschaften mit jungen Flüchtlingen: www.connectingpeople.at

So können Sie den Menschen aus Syrien helfen:

ZEITSPENDEN

Caritas Wien
Tel.: 01 / 259 20 49

Asylkoordination Österreich/Connecting people
Tel.: 01 / 53 212 91 14

SACHSPENDEN

Bitte abgeben beim Portier der Flüchtlingsunterkunft des Innenministeriums in 1030 Wien, Erdbergstraße 186.

GELDSPENDEN

Caritas
Erste-Bank-Konto: IBAN: AT472011189089000000
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Matratzen

Asylkoordination Österreich
BAWAG-Konto: IBAN: AT081400001810665749
BIC: BAWAATWW
Verwendungszweck: Spende connecting people

Caritas Niederösterreich:
Raiffeisenbank-Konto: IBAN: AT28 3258 5000 0007 6000
BIC: RLNWATWWOBG
Verwendungszweck: Flüchtlingsdrama Syrien

Caritas Oberösterreich:

Raiffeisenlandesbank
IBAN: AT203400000001245000
BIC: RZOOAT2L
Kennwort: Hungerhilfe

Caritas Vorarlberg:

Raiffeisenbank Feldkirch Nr. 40006
IBAN: AT32 3742 2000 0004 0006
BIC: RVVGAT2B422

Kennwort: Nothilfe Syrien

Rotes Kreuz

IBAN: AT57 2011 1400 1440 0144 BIC: GIBAATWWXXX Kennwort: Syrien

Diakonie Flüchtlingsdienst

Spendenkonto Erste Bank: IBAN: AT97 2011 1287 2204 5678
BIC: GIBAATWWXXX

Flüchtlingsprojekt Ute Bock:

Verein Ute Bock Hypo Bank Tirol

IBAN: AT625700052011017499
BIC: HYPTAT22

Hilfswerk Austria International

PSK-Spendenkonto

IBAN: AT71 6000 0000 9000 1002

BIC: OPSKATWW

Kennwort: „Syrien

Verein Projekt Integrationshaus

Bank Austria
IBAN: AT07 1200 0006 7140 0000 BIC: BKAUATWW

Zeit- und Wissensspenden:

Tirol: Melden Sie sich bei der Caritas unter 0512 -7270-41 oder unter http://www.freiwillige-tirol.at/projekte

Gut. Reden wir darüber.

Da das Thema Asyl/Flüchtlinge immer wieder sehr kontroverse Diskussionen auslöst, wollen wir dieses Forum offen halten. Gleichzeitig soll dieses Forum auch dazu dienen, Missverständnisse auszuräumen, Vorwürfe gegen Institutionen abzuklären, Ängste zu nehmen.

Daher haben wir Experten der Caritas gebeten, mit den Userinnen und Usern via Forum in einen Dialog einzusteigen.

Wir weisen ausdrücklich auf unsere ANB hin, im Speziellen auf folgenden Absatz:

"Es ist dem Nutzer untersagt, Werbung jeder Art und rechtsverletzende Inhalte, insbesondere rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende, verleumderische sowie ruf- oder geschäftsschädigende Inhalte, in Bereiche des Portals einzustellen. Bei Verstößen behält sich der Betreiber rechtliche Schritte und insbesondere die Löschung der jeweiligen Inhalte vor."

Darüber hinaus gilt die Netiquette. Verstöße werden von uns - auch ohne Vorwarnung - gelöscht.

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Stellungnahme zum Thema Meinungsfreiheit vs. Verhetzung in Online-Foren

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