Kühe trampelten Urlauberfamilie nieder: „Ich habe nur noch Beine gesehen“

Marcus Heier und sein Frau Kathrin waren mit ihren Kindern auf Wanderurlaub. © Bild: /Marcus Heier

Frau und Kinder von Marcus Heier kamen mit leichten Verletzungen davon. Sie wurden beim Wandern in Obertauern von Kühen niedergerannt

Für Marcus Heier und seine Frau Kathrin war es der erste Wanderurlaub mit ihren kleinen Kindern Paula (4) und Luisa (1). Dieser endete am Mittwoch beinahe in einer Katastrophe. Die deutsche Familie aus der Nähe von Leipzig war im Gebiet der Salzburger Gemeinde Obertauern auf dem Weg vom Grünwaldkopfsee in Richtung Bergstation des Grünwaldkopfliftes. Ihre Kinder hatte das Paar in Rückentragen. Als ein Kalb einer auf der Wiese liegenden Mutterkuhherde aufschreckte, wurden die Urlauber von den Tieren attackiert.

"Die Mutter des Kalbes ist auf mich zugerannt und hat mich umgestoßen", erzählt Heier. Am Boden liegend habe er dann gesehen, dass auch andere Tiere auf ihn zuliefen. Als die Frau des 31-Jährigen versuchte, zu helfen, gingen die Kühe auf sie los. "Sie haben Kathrin umgerannt und sind mehrmals über sie und Luisa drüber getrampelt. Ich habe nur noch Beine gesehen."

Es ist eine von mittlerweile mehreren Attacken von Mutterkuhherden auf Wanderer im heurigen Jahr, von denen eine in Tirol sogar tödlich endete. Stets waren dabei auch mitgeführte Hunde im Spiel. Bei den Heiers war das jedoch nicht der Fall.

"Wir haben uns vor unserem Urlaub noch darüber informiert, welche Gefahren es gibt: Dass man keine Hunde mit sich führen, Blickkontakt vermeiden und den Kühen nicht den Rücken zudrehen soll. Dass man sich einem Kalb nicht nähern soll, sagt einem der Hausverstand", sagt der Medizinstudent. Was das Kalb aufgeschreckt hat, weiß er nicht. "Aber ich kann verstehen, dass Muttertiere ihre Jungen schützen."

Blutüberströmt

Marcus Heier und seine vierjährige Tochter haben den Sturz ohne gröbere Blessuren überstanden. Heiers Frau Kathrin und die einjährige Luisa hatten Glück im Unglück. "Nach dem Angriff lagen sie blutüberströmt da. Aber es ist glimpflich ausgegangen. Luisa hat eine Kopfplatzwunde und meine Frau Abschürfungen und Prellungen. Auf der Haut sieht man zum Teil noch die Hufabdrücke", erzählt der Deutsche.

Seine ältere Tochter, die mitansehen musste, wie Schwester und Mutter überrannt wurden, sei noch ein wenig traumatisiert. Und auch seiner Frau stecke der Schrecken in den Knochen. "Ich habe mich sehr hilflos gefühlt." Mit Paula am Rücken habe er nicht einschreiten können.

Andere Wanderer eilten der Familie zu Hilfe. Laut Polizei gibt es auf der Alm Hinweisschilder "Achtung Weidevieh". Die hat Heier nicht gesehen. Eine Möglichkeit, die Kühe auf einem anderen Weg zu umgehen, habe es aber ohnehin nicht gegeben. Das Ganze sei wohl einfach Pech gewesen. Die Familie ist inzwischen wieder heim nach Deutschland gereist.

( kurier.at ) Erstellt am 20.07.2017