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Cyber-Crime
01/25/2020

Kryptowährungen: Spurensuche im Internet

Für viele ist es noch eine schwer durchschaubare Materie. Kriminalisten müssen sich immer häufiger damit befassen.

von Konstantin Auer, Michaela Reibenwein

Familie G. zeigt gerne, wie gut es ihr geht. Auf Youtube präsentiert man das neue Leben mit Kind und Kegel in Dubai.

Doch diese Aufnahmen machen etliche Personen wütend. Denn sie haben viel Geld verloren – insgesamt geht es um mehrere Millionen. Denn Cristian G., ein Österreicher, soll Hunderte Personen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz betrogen haben – mit der Kryptowährung Arbitracoin. Die Wiener Staatsanwaltschaft ermittelt.

"In ersten Tagen verdreifacht"

Arbitracoin kam Anfang 2018 auf den Markt. „Der Kurs war mit 45 Cent gestartet, hat sich dann in den ersten Tagen mehr als verdreifacht. Und ist im Mai schließlich auf 1 Cent gefallen“, schildert eine Betroffene. Verkaufen konnte sie ihre Kryptowährung erst nach 100 Tagen – eine derartige Option war ihr und auch anderen empfohlen worden.

Im September 2018 warnte die Finanzmarktaufsicht: Bei Arbitracoin bestehe Betrugsverdacht. Den Investoren half das nicht mehr. Sie hatten ihr Geld bereits verloren. Und die Familie G. war längst ausgewandert.

Doch einige kämpfen nun um Schadenswiedergutmachung. Eine große Wiener Anwaltskanzlei unterstützt mehr als 50 Geschädigte bei der Klage.

Auch das Bundeskriminalamt (BK) und seine Cyber-Crime-Spezialisten (C4) werden durch die virtuellen Währungen vor Herausforderungen gestellt. Die Kriminalität verlagert sich ins Internet und dabei kommen häufig Kryptowährungen zum Einsatz.

„Crime as a Service“

Vor allem das Darknet (ein anonymisierter Bereich des Internets, Anm.) hat kriminelle Dienstleistungen in Form von „Crime as a Service“ verstärkt. Das heißt, dass dort etwa Erpressertrojaner oder betrügerische Massenmails gekauft werden können. In diesen Mails werden Opfer etwa aufgefordert, einen gewissen Betrag in Kryptowährungen – vor allem in Bitcoins – zu überweisen, da sonst private Daten, Fotos oder Videos vom Opfer veröffentlicht würden.

Überraschend ist für die Cyberkriminalisten, dass Österreich bei Kriminellen, die es auf Kryptowährungen abgesehen haben, so beliebt ist. Laut einer Studie der Nationalbank haben rund zwei Prozent der Österreicher Kryptowährungen. „Aber bei Massenmails zahlt sich sogar das aus“, sagt Alfred Taudes, Vorstand des Forschungsinstituts für Kryptoökonomie an der Wiener Wirtschaftsuniversität. Das C4 wünscht sich deshalb 50 bis 100 zusätzliche Spezialisten.

"Wollen kein echtes Geld"

„Viele Kriminelle wollen kein echtes Geld mehr“, erklärt Erhard Friessnik, Leiter des C4. Das BK hat deshalb seit 2017 einen Spezialbereich für Blockchain-Ermittlungen. Als Blockchain bezeichnet man verknüpfte Datensätze, in denen die Transaktionen, die mit Kryptowährungen getätigt werden, gespeichert werden.

Die Ermittler versuchen, in diesen Datensätzen Transaktionen nachzuverfolgen. Bei Bitcoin oder Ethereum geht das, weil die virtuellen Geldtaschen (Wallets) mit Nummern versehen sind.

Die Behörden schlagen aber erst zu, wenn die Währung zu echtem Geld gemacht wird. Hilfreich ist dabei eine neue EU-Richtlinie, die Geldwäsche verhindern soll: Firmen, die den Tausch in echtes Geld ermöglichen, müssen die Identität ihrer Kunden erfassen und sie bei Verdacht auf Geldwäsche melden. „Das Kriminalamt ist zwar fix, die Kriminellen aber auch. Das ist wie bei dem Kinderspiel Räuber und Gendarmen“, schätzt Taudes die Lage ein. Die Kriminellen würden jetzt auf anonyme Währungen wie „Monero“ umsteigen.

Die Polizei muss üben

Um die Nase vorne zu behalten, übt das BK mit einer eigenen – nicht gewerblich gehandelten – Währung, dem „BK-Token“. „Die Polizei hat noch wenig Erfahrung. Es ist schwierig, über Kryptowährungen zu reden, wenn Beschuldigte diese besessen haben, Polizisten aber nicht“, sagt C4-Ermittler Alexander Hahslinger. Die eigene Übungswährung und Schulungen sollen helfen, und auch die Bevölkerung wolle man verstärkt informieren, sagt Hahslinger – und ruft zu einem sensibleren Umgang mit dem Internet auf.

Kryptowährungen: Darunter versteht man computergenerierte Tausch- und Wertmittel, die man im Internet direkt – ohne Bank oder staatliche Institution – übertragen kann.
2.500

Mehr als 2.500 Kryptowährungen gibt es derzeit, schätzt das Bundeskriminalamt. Die größten darunter sind Bitcoin, Ethereum, Ripple, Litecoin, Monero und Dash.

7.529 Euro ist ein Bitcoin derzeit etwa wert. Er dürfte mittlerweile der stabilste unter den Kryptowährungen sein. Er wurde 2008 unter dem Pseudonym Satashi Nakamoto als Zahlungssystem eingeführt.

144 Euro kostet derzeit ein Ether, die Währung von Ethereum. Sie ist die Kryptowährung mit der zweitgrößten Marktkapitalisierung.

19.627 Anzeigen gab es im Bereich Cyber-Crime im Jahr 2018. 2017 waren es 16.804. Die Dunkelziffer dürfte hoch sein. Die Aufklärungsquote liegt bei 32,1 Prozent. Kryptowährungen sind bei Kriminellen beliebt.