© Nicolas Zangerle

Chronik Österreich
05/03/2021

Kritik an Werbesujet für schwule Touristen am Wörthersee

Ist es diskriminierend, Homosexuelle aufzufordern, ihre „wärmsten Momente“ in sozialen Medien zu teilen? Darüber wird am Wörthersee nach einer Werbekampagne heftig diskutiert

von Anja Kröll

Die Bilder sollen Lust auf Urlaub am Wörthersee machen. Doch in sozialen Medien haben sie vor allem eines ausgelöst: eine Diskriminierungsdebatte. Die Rede ist von einem Posting mit verbundenem Gewinnspiel der Wörthersee Tourismus GmbH auf Instagram. Darauf zu sehen: Zwei Männer in weißen T-Shirts, die sich verliebt aneinanderschmiegen. Und die vier Worte: „Warme Momente am Wörthersee!“

Gesucht werden mit dem Sujet Botschafter für das Pink-Lake-Festival, das seit mehr als zehn Jahren Hunderte Homosexuelle an Kärntens größten See bringt. Gefunden wurde aber vor allem heftige Kritik aufgrund der gewählten Formulierung „warm“. So sind unter dem Bild des Pärchens Kommentare zu lesen wie: „Viel unsensibler kann man einen Werbeslogan nicht formulieren… Epic fail!!!!“ Oder: „Absolutes No-Go!!!“

Kampagne polarisiert

Roland Sint, Geschäftsführer der Wörthersee Tourismus sieht die Debatte „entspannt“: „Die Kampagne soll polarisieren. Uns ist es wichtig, dass wir aus der Community selbst positives Feedback bekommen und genau das ist der Fall.“ Überlegungen, das Sujet offline zu nehmen, gebe es nicht.

Zustimmung aus der Community findet sich tatsächlich in den Kommentaren. Dort ist etwa zu lesen: „Wir als schwule Männer und Aktivisten für queere Rechte können die Aufregung Einzelner unter diesem Post nicht nachvollziehen! „Warm“ wird hier offensichtlich positiv und respektvoll verwendet.“

50 bis 60 Bewerbungen seien bisher bei der Wörthersee Tourismus eingetroffen.

Zur Erklärung der Idee hinter der Kampagne: Wer ein besonders romantisches Foto, oder, wie auf Instagram formuliert, seinen „wärmsten Paar-Moments“ postet, kann drei Nächte in einem Vier-Sterne-Hotel am Wörthersee gewinnen, inklusive „spritziger“ Motorbootfahrt auf einem der – Fakt – wärmsten Alpenseen Europas.

Werben seit Jahren um Zielgruppe

Der Wörthersee hat bereits vor Jahren die schwule Community als kaufkräftige Zielgruppe entdeckt. Seither wird mit Offenheit geworben. „Wir haben seit 14 Jahren das Pink-Lake-Festival bei uns und damit mehr als bewiesen, dass wir die Community sehr ernst nehmen und respektvoll behandeln“, sagt Geschäftsführer Sint. Heuer ist das Fest, nach einjähriger Corona-Zwangspause, von 26. bis 29. August, geplant. 


Der Verein Queer Klagenfurt, der sich für die LGBTQ+-Community einsetzt, äußerte sich gegenüber dem KURIER wie folgt: „Es ist natürlich positiv, zu sehen, dass Kärnten versucht, um queere Urlauber*innen zu werben, allerdings erwecken die Bilder den Eindruck, dass nur homosexuelle Paare – in erster Linie schwule Männer – an dem Gewinnspiel mitmachen dürfen. Darüber hinaus wirkt die Wortwahl dem vermutlich lustig gemeinten Gedanken entgegen, die Verantwortlichen haben sich hoffentlich nur aus Unwissenheit dieser diskriminierenden Sprache bedient.“ 

 

Kritik an Bezeichnung "warm"

Und wie schätzt man die Verwendung des Wortes „warm“ ein? „„Warm“ ist keine Selbstbezeichnung von homosexuellen oder queeren Personen, die Bezeichnung ist immer noch negativ konnotiert. Eine positive Besetzung erwächst über Jahre aus der Community heraus und nicht, weil eine Agentur „mit einem Augenzwinkern“ Tickets für ein Festival verkaufen will.“

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