Innenminister Sobotka verspricht mehr Polizisten.

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Kriminalstatistik
03/06/2017

Kriminalität 2016: Mehr Cybercrime und Gewaltdelikte

Plus 3,8 Prozent mehr Anzeigen. Mehr ausländische Tatverdächtige. Österreichweit haben 2016 Cybercrime, Wirtschafts- und Gewaltdelikte zugenommen.

Wie sicher ist Österreich? Wie sich zeigt, ist die Gesamtkriminalität 2016 leicht gestiegen: Im Vorjahr gab es österreichweit um3,8 Prozent mehr Anzeigen.

Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) und Franz Lang, Direktor des Bundeskriminalamts, präsentierten am Montag die entsprechenden Daten zur Entwicklung der Kriminalität. Demnach bleibt Cyberkriminalität die Herausforderung Nummer eins. Die Zahl der Wohnhauseinbrüche und der Kfz-Diebstähle ging hingegen zurück.

>> Kommentar von Michael Jäger: "Angstgefühle"

Im Detail

Bei Gewaltdelikten stiegen die angezeigten Fälle von 40.333 auf 43.098 im Jahr 2016. Fast um ein Drittel stiegen Cybercrime-Delikte, von 10.010 auf 13.103 Anzeigen im Vorjahr. Eine Zunahme von 10,9 Prozent gab es bei Wirtschaftskriminalität.

Um zehn Prozent zurück gingen Diebstahlsanzeigen von Kraftfahrzeugen, konkret von 3.326 Fällen auf 2.994. Einbrüche in Wohnungen und Wohnhäuser gingen gar um 16,4 Prozent zurück. Wurde dieses Delikt 2015 noch 15.516 mal angezeigt, waren es im darauffolgenden Jahr 12.975 Fälle - so wenige, wie zumindest seit 2007 noch nie.

Die Aufklärungsquote betrug 83,9 Prozent – was dem höchsten Wert seit zehn Jahren entspricht. Zwei von drei Gewalttaten waren übrigens Beziehungstaten.

Tatverdächtige: Vier von zehn sind Ausländer

Die Polizei konnte 2016 insgesamt 270.160 Tatverdächtige ausforschen. 60,9 Prozent davon waren inländische und 39,1 Prozent ausländische Tatverdächtige. Die Zahl der ausländischen Tatverdächtigen ist gegenüber 2015 um 13,7 Prozent gestiegen – dies ist der höchste Wert der vergangenen zehn Jahre.

Asylwerber

Hierbei gab es unter den Asylwerbern im Jahr 2016 die höchste Zunahme: Die Zahl der Beschuldigten stieg um 54,2 Prozent von 14.458 Beschuldigten auf 22.289 Beschuldigte. Bei den Straftaten handelte es sich in erster Linie um Diebstahl, gefolgt von Körperverletzung und Verstoß gegen das Suchtmittelgesetz. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren waren 8679 Asylwerbende als Beschuldigte registriert.

Dennoch zähle Österreich zu den sichersten Ländern weltweit, betonte Sobotka: "Damit das so bleibt, werden wir 2017 mehr als 1500 neue Polizisten in den Dienst stellen."

Kritik an Zahlen

Experten hatten bereits im Vorfeld der Veröffentlichung massive Kritik geäußert. So sei der Anstieg vor allem auf das Konto von Kontrolldelikten zurückzuführen. Der Kriminalsoziologe Reinhard Kreissl kritisierte die fehlende wissenschaftliche Begleitung und sprach von einer Argumentation mit nicht haltbaren Zahlen.

Die Zahl der angezeigten Straftaten ist im Vorjahr in Wien um 5,2 Prozent auf 205.219 Fälle gestiegen. Ein Plus von 4,3 Prozent gab es bei Gewaltdelikten. Die Zahl der tödlichen Bluttaten ging dabei zwar im Jahresvergleich von 20 auf 16 zurück, jedoch gibt es erstmals seit 2009 ungeklärte Morde. Rückgänge wurden bei Wohnraumeinbrüchen sowie bei Kfz-Diebstählen und -Einbrüchen verzeichnet.

Im Vergleich zu 228.486 Anzeigen im Jahr 2009 wurde ein Rückgang um 10,2 Prozent verzeichnet, während gleichzeitig die Bevölkerung in Wien um 9,5 Prozent gewachsen ist, hielt Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl fest. Die Aufklärungsquote blieb mit 37,9 Prozent im Vergleich zum Jahr 2015 gleich und liegt damit deutlich unter dem österreichweiten Schnitt von 45,9 Prozent.

Rund 45 Gewalttaten pro Tag wurden 2016 in Wien gemeldet. Von den insgesamt 16.618 Fällen betrafen 14.435 leichte Körperverletzungen. Die Zahl der angezeigten Vergewaltigungen stieg um 8,5 Prozent auf 343 Taten. Diese wurden laut Pürstl überwiegend im Familien- und Bekanntenkreis verübt. Ein starkes Plus von 55,5 Prozent gab es bei Anzeigen wegen sexueller Belästigung und öffentlich geschlechtlichen Handlungen. Das sei darauf zurückzuführen, dass der entsprechende Paragraf 218 StGB Anfang des Vorjahres ausgeweitet wurde, erläuterte der Leiter des Landeskriminalamts Wien, Josef Kerbl. So sind seit 1. Jänner 2016 auch "körperliche Belästigungen im Bereich der sexuellen Sphäre" - Stichwort "Po-Grapschen - strafbar. Außerdem gebe es einen "Zusammenhang mit dem Zuzug von Fremden".

50,9 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen waren im Vorjahr Fremde (2015: 49,1). Die Zahl der Anzeigen gegen Asylwerber stieg laut Kerbl von 6.494 auf 9.441. Dabei wurden vor allem bei Diebstählen und Körperverletzungen große Zunahmen verzeichnet.

Die Zahl der Morde und Mordversuche stieg von 56 auf 57 Fälle. Drei der 16 vollendeten Tötungsdelikte waren 2017 noch ungeklärt. Im Juni wurde ein 50-jähriger Baumeister und Besitzer eines Innenstadtlokals vor seinem Wohnhaus in der Leopoldstadt erschossen. Dabei gelang dem Täter ebenso unerkannt die Flucht wie Mitte November in Meidling, wo ein 46-jähriger Friseur in seinem Salon niedergeschossen wurde. Außerdem war bereits Anfang April in einer Wohnung in der Leopoldstadt die stark verweste Leiche einer 75-Jährigen gefunden worden. Erst bei der Obduktion stellte sich heraus, dass die Frau erdrosselt wurde, wie bei der Pressekonferenz erläutert wurde.

Bei den Einbrüchen in Wohnungen und Wohnhäuser wurde mit 6.173 Fällen ebenso der niedrigste Wert in den vergangenen zehn Jahren verzeichnet wie bei den Einbrüchen in Kraftfahrzeuge (7.022). Die Kfz-Diebstähle gingen ebenfalls weiter auf 1.418 zurück.

15 Überfälle auf Geldinstitute im Jahr 2016 bedeuten den "niedrigsten Wert in den letzten 40 Jahren", sagte Kerbl. Im Jahr davor waren es noch doppelt so viel. Bei den Rauben auf Juweliergeschäfte wurde ein Rückgang von 13 auf vier verzeichnet - was zumindest in den vergangen zehn Jahren der niedrigste Wert ist. Die Zahl der Trafiküberfälle sank ebenfalls von 35 auf 21. Tankstellen wurden neun überfallen, nach acht im Jahr 2015.

Umfrage (Ende 2016): Wie sicher kann man sich in Österreich fühlen?

Zahlen zum vorvergangenen Jahr 2015