Chronik | Österreich
24.11.2013

„Das wird wirklich ein Teufelsritt“

Diese Woche entscheidet sich, ob im Dezember ein „Weihnachtsstern“ erscheint.

Es ist ein Mythos, dass vor 2013 Jahren ein Komet drei Weisen aus dem Morgenland den Weg zu Jesus Geburtsort nach Bethlehem gewiesen hat. Trotzdem wird jetzt wieder ein Komet von Medien zum Weihnachtsstern hochstilisiert. Der in Russland entdeckte Komet ISON rast am Donnerstag an der Sonne vorbei und soll im Dezember am Nachthimmel (auch über Österreich) leuchten.

Doch so sicher ist das nicht. Denn zunächst muss der Komet seinen Höllenritt in Sonnennähe überstehen. Nur wenn er sich dabei nicht auflöst, werden wir ihn sehen können. Der KURIER sprach mit „Science-Buster“ Heinz Oberhummer über die rätselhaften Himmelskörper.

KURIER: Warum verhalten sich Kometen anders als Planeten oder Kleine Planeten?

Heinz Oberhummer: Dabei handelt es sich um „eisige Schmutzbälle“, weil sie aus Eis und Staub bestehen. Das auffälligste Kennzeichen ist dabei der Kometenschweif, der mehrere 100 Millionen Kilometer erreichen kann. Ein Kometenschweif entsteht durch Verdampfen von Gasen und Staub vom Kometen in der Hitze der Sonne.

Auch heute fürchten sich noch Menschen vor Kometen, warum eigentlich?

Von jeher galten sie im Volksglauben als Unheilsbringer. Kometen können tatsächlich – wenn auch ganz selten – auf der Erde einschlagen und dadurch eine Katastrophe auslösen. Der Komet ISON ist aber harmlos. Er wird mit 60 Millionen Kilometer weit an der Erde vorbeiziehen.

Bilder: Der Weg von Ison

Der Weg von Ison

1/16

Ison, Komet, Jauerling 12…

Ison, Komet, Jauerling 11…

Ison, Komet, Jauerling 10…

Ison, Komet, Jauerling 9…

Ison, Komet, Jauerling 8…

Ison, Komet, Jauerling 7…

Ison, Komet, Jauerling 6 mit Mars links…

Ison, Komet, Jauerling 5…

Ison, Komet, Jauerling 4…

Ison, Komet, Jauerling 3…

Ison, Komet, Jauerling 2…

Ison, Komet, Jauerling, 1…

Ison…

Ison…

Ison…

Ison Zombie…

Medien kündigen einen Weihnachtsstern an. Garantiert ist das nicht. Wird das ein zweiter Komet Kohoutek, der 1973 als Jahrhundertkomet gefeiert wurde und den fast niemand sah?

ISONs Helligkeit blieb lange Zeit unter den Erwartungen. Doch in den vergangenen zehn Tagen hat er durch Ausbrüche im wahrsten Sinne des Wortes richtig Gas gegeben. Das kann zweierlei bedeuten. Entweder er entwickelt sich so weiter, dann könnte es ein spektakuläres Himmelsschauspiel werden. Oder er löst sich in Sonnennähe auf. Dann wäre er wie der Komet Kohoutek ein „Jahrhundert-Flop“.

Bisher hat ISON mit seinem Helligkeitsverhalten die Wissenschaft genarrt. Warum tut sich die Forschung bei ihren Prognosen so schwer?

Kometen sind von Natur aus launisch. Man kann ihre Bahn durch unser Sonnensystem sehr genau berechnen. Das ist aber bei der Helligkeit nicht der Fall. Der Grund ist, Kometen zerbrechen und können sich auflösen und damit schnell an Helligkeit verlieren. Oder sie werden durch Ausbrüche unvermutet rasch heller. Man kann auch nicht die Entwicklung des Kometenkerns genau beobachten, weil dieser von einer nebeligen Dunstglocke umgeben ist. Das macht Prognosen so schwierig.

Am 28. November rast der Schweifstern an der Sonne vorbei. Ein Ritt durch die Hölle?

Jetzt beginnt der „Final Countdown“ zum Vorbeiflug an der Sonne. Das wird wirklich ein Teufelsritt. ISON wird nur etwas mehr als einen Sonnendurchmesser entfernt mit 600 km/s an der Sonne vorbei sausen. Nach meinen Berechnungen wird der Komet einer Temperatur von 3090 Grad Celsius ausgesetzt. Man muss sich einmal vorstellen: ein riesiger Eisbrocken wird durch solche extreme Temperaturen erhitzt.

So er das übersteht, ab wann besteht Hoffnung, dass wir von Österreich aus den Kometen zu Gesicht bekommen?

Wir sollten ihn dann Anfang Dezember sowohl in der Morgen- als auch in der Abenddämmerung sehen können.

Was ist so besonders an diesem Kometen, dass die NASA Hubble Space und andere Weltraumsonden einsetzt. Es heißt doch, Kometen sind für die Wissenschaft weitgehend abgehakt, sprich erforscht?

Von Kometen kann man noch immer sehr viel lernen. Sie sind vor 4,6 Milliarden zur gleichen Zeit wie unser Sonnensystem entstanden. Sie waren seither in der Kälte der äußersten Gefilde unseres Sonnensystems gefangen und konserviert. ISON reist nun das erste Mal ins innere Sonnensystem. Beobachtungen des Kometen helfen uns zu ergründen, welche Bedingungen zu Beginn des Sonnensystems geherrscht haben.

Die ISON-Show ist weltweit im Gang. Es sind sogar Kometen-Flüge geplant. Auch die Science-Busters werden am 6. und 7. Dezember den Kometen aufs Korn nehmen. Was wird enthüllt?

Die Science Busters behandeln immer auch aktuelle naturwissenschaftliche Entdeckungen. Ein Thema wird der Komet sein. Die Show findet zum optimalen Zeitpunkt statt. Denn wir werden dann wissen, was mit ISON bei seinem Höllenritt um die Sonne passiert ist. Und der Titel der Show „XXL“ passt sicher dazu, wenn man bedenkt, dass Kometenschweife über sagenhafte 100 Millionen Kilometer lang werden können.

Mehr Infos unter www.stadthalle.com/events/Science-Busters-XXL/7391