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Chronik Österreich
12/11/2020

„Kochtöpfe mit Sprengstoff“: Häftling drohte Bundespräsident

23-Jähriger wollte mit wirrem Brief seinen Zellengenossen freipressen. Zwei Jahre Haft, nicht rechtskräftig.

von Elisabeth Holzer

"So ein Schreiben ist in dieser Zeit nicht ganz gescheit“, umschreibt der Staatsanwalt höflich. Der Angeklagte ist direkter: "Das war ein riesiger Mist, ein kompletter Scheiß, was ich da aufgeführt habe.“

Dieser "Mist" bestand aus einem Brief, den der 23-Jährige vom Grazer Gefängnis aus an die Kanzlei des Bundespräsidenten schickte. Darin ging es um Informationen die er über einen möglichen Terroranschlag habe: Diese würde er nur preisgeben, wenn sein zu neun Jahren Haft verurteilter Zellengenosse begnadigt würde.

Bis zu zehn Jahre Haft

Er wisse von "afghanischen Brüdern", behauptete der Steirer, die Bomben aus "Kochtöpfen mit Sprengstoff" bastelten. Damit würden sie Anschläge in den USA und Österreich planen. Allerdings war das Schreiben so wirr, dass die Staatsanwaltschaft Graz das Verfahren einstellen wollte, auf Wunsch der Oberstaatsanwaltschaft aber weiter verfolgen musste. Deshalb ist der 23-Jährige am Freitag vor einem Geschworenengericht: Angeklagt ist der selten benutzte Paragraf 249 - Verbrechen der Gewalt gefährliche Drohung gegen den Bundespräsidenten, der Strafrahmen beträgt ein bis zehn Jahre Haft.

Keine Erinnerung

Das sei einfach dumm gewesen, beteuert der Angeklagte am Freitag, der wegen Drogendelikten in Haft sitzt. "Aber der Kevin hat gemeint, so klingt es realistischer.“ Kevin ist jener Zellengenosse, den er freipressen habe wollen und ihm den Brief eigentlich erst diktiert habe. Der Kumpan kann sich allerdings nicht daran erinnern. "Ich habe damals viele Medikamente genommen", entschuldigt er sich. "Außerdem habe ich meine Briefe immer selbst geschrieben.“

Das Urteil: Zwei Jahre Haft, nicht rechtskräftig.

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