© Kurier/Jeff Mangione

Naturschutz-Krimi
11/07/2021

(K)eine Spur vom Biber

Drei Zweibeiner und ein Hund suchen einen Biber auf der Donauinsel. Die Spurensicherung funktioniert einwandfrei. Das ist aber auch schon alles

von Barbara Mader

Der Tag dämmert vor sich hin und Bubi ist schon putzmunter. Bubi ist der Hund von Autorin Bettina Balàka, wir haben ihm im KURIER vor einiger Zeit ein Porträt gewidmet. Klein, schwarz, selbstständig. Das Kinnbärtchen von feinen weißen Strähnen durchzogen, immerhin ist er jetzt 12.

Diesmal sollte der umtriebige Terrier-Dackel-Mischling eigentlich nur eine Nebenrolle spielen. Die des Detektivs, der Autorin, Journalistin und den Fotografen auf die Biberfährte bringt. Der Hund hat es allerdings schon wieder so gedreht, dass er die Hauptattraktion geworden ist. Er ist ein sehr selbstbewusster Hund.

Dabei hat dieser Spätoktobertag auf der Donauinsel einiges zu bieten. Der Herbst will zeigen, was er kann. Rote und gelbe Blätter leuchten durch den Nebel, Enten, Möwen, Blesshühner machen auf sich aufmerksam. Nur nicht der, wegen dem wir eigentlich hier sind.

Der Biber. Er lässt sich nicht blicken. Der Ruhm, dem ihm Bettina Balàka mit ihrem Biber-Kinderbuch verschafft hat, scheint ihm zu genügen. Vielleicht ist er auch beleidigt wegen des Titels. „Dicke Biber“. Ein Naturschutz-Krimi aus den Donauauen. Graureiher, Stockenten, Hirschkäfer, neugierige Kinder und vorurteilsbeladene Erwachsene kommen darin vor, außerdem eine Biberkatastrophe um einen dicken Nager. Wobei: Der Biber ist an und für sich vollschlank, soll er auch sein, schließlich verbringt er viel Zeit im kalten Wasser.

Rund 400 Biber gibt es in Wien, keiner davon will an diesem Tag in die Zeitung. Aber wir sind in guter Gesellschaft. Als die Autorin unlängst mit Wiens Forstdirektor auf den Wienerberg stieg, um den seit einiger Zeit dort ansässigen Biber zu sehen, hatte sie ebenfalls Pech. Dabei ist der Wienerberg-Biber höchst prominent: Aus der Liesing ist er über die Triesterstraße gekommen und hat sich am Wienerbergteich niedergelassen, als man ihn daheim nicht mehr wollte. Man weiß ja: Biberfamilien dulden keine fast erwachsenen Nesthocker. Mit zwei Jahren müssen sich die sogenannten Halbstarken eine neue Bleibe suchen. Viele lassen auf der Herbergssuche ihr Leben, der Wienerberg-Biber hat es, weil im Lockdown wenig Verkehr war, tatsächlich über die viel befahrene Triester Straße geschafft und sich ein neues Revier am Wienerberg geschaffen. Trotz der beachtlichen Leistung blieb er publicityscheu. Wie nun die Donauinsel-Biber.

Hier stehen wir jetzt ein paar Meter stromabwärts der Reichsbrücke bei der sogenannten Kleinen Bucht am Rande eines Naturlehrpfades. Stellenweise tut sich diese Stadt schon viel an, um jungen Menschen einen Begriff von Natur zu vermitteln. Wissenswertes über Tier- und Pflanzenwelt auf der Donauinsel, Bilder von Fröschen, Bibern und eine Sterlet-Aufzucht-Station gibt es hier. Ein Sterlet, für die, die das nicht wissen (die Autorin dieser Zeilen zählte dazu), ist ein Fisch, gehört zu den kleinsten Stör-Arten weltweit. Wien beteiligt sich an einem länderübergreifenden, von der EU-geförderten Boku-Projekt zur Wiederansiedlung des Mini-Fisches.

Der Sterlet also. Und jede Menge Wasservögel. Nur kein Biber. Gerade muss er noch hier gewesen sein. Bubi stöbert wichtigtuerisch im Unterholz herum. Ob er sich im Klaren ist, wie groß so ein Biber sein kann und wie fest seine Zähne zubeißen können? Der Bubi, der höchstens ein Drittel eines ausgewachsenen Bibers wiegt, hält sich für einen Wolf und er hat keine Ahnung, was ein durchschnittlicherer Nager ihm tun könnte. Seine Besitzerin schon, sie lässt ihn bedauerlicherweise keine Sekunde aus den Augen oder gar von der Leine. Bubi hat es nicht leicht. Keine Freiheit auf der Donauinsel. Sein Zuhause muss er mit zwei Katzen und einem Einsiedlerkrebs teilen und außerdem schreibt die zweibeinige Mitbewohnerin ständig über andere Tiere (nachdem Bettina Balàka ihm eh auch einen Roman gewidmet hat, ist aber eine Weile her. „Unter Menschen“ heißt er und ein Kritiker schrieb, er sei „von wunderbar durchtriebener Heiterkeit“.)

Der schlechte Leumund

Zuletzt schrieb Balàka über Tauben („Die Tauben von Brünn“) und da, sagt sie, ist sie auf den Geschmack gekommen. Nämlich über Tiere zu schreiben, die keinen guten Leumund haben. „Ich hab ein Herz für die Renegaten der Tierwelt.“ Nach den Tauben nun die Biber, verschrieen dafür, dass sie alles anknabbern, Bäume mitunter gefährlich zuspitzen und Hunden unangenehm werden können.

Ein bisserl Imagepflege

Auf den Biber gekommen ist die Autorin, als sie die Nager Anfang der 1980er-Jahre in Kanada zum ersten Mal gesehen hat. Der in den Donauauen seit 1863 ausgerottete Biber wurde da gerade erst wieder angesiedelt. Auf ihren Gassitouren mit Bubi ist Bettina Balàka ihm auf die Spur gekommen und will nun ein bisserl was für sein Image tun. Denn der Biber ist ein super Umwelttyp. Gerade seine ausgeprägten Holzknabbereien tun dem Wasser gut, fungieren als eine Art Filter. Das Totholz bietet vielen anderen Tieren, etwa Insektenlarven ein Zuhause. Der Biber tut was für den Öko-Kreislauf.

Aber es wird heute nix mit der Image-Politur. Er lässt sich nicht blicken. Wir sehen bloß jede Menge Biberrutschen, steile Einstiegsstellen ins Wasser. Und frisch angenagte Baumstämme, die wie gespitzte Bleistifte aussehen, teils völlig entrindet. Angeknabbertes Schilf und Rohrkolben, wahrscheinlich die Frühstücksreste. Ganze Arbeit wurde da geleistet.

Mir nichts, dir nichts ist der heiter-durchtriebene Hund schon wieder im Gebüsch, an der Leine hinter sich seine Autorin. Kann gut sein, dass der Bubi an diesem nebeligen Herbsttag einen Biber gesehen hat. Uns bleibt zumindest eine Spur von ihm.

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