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Chronik Österreich
04/01/2021

Kärntner Intensivbetten-Koordinator: "Es braucht jetzt eine ehrliche Ansage"

Intensivbetten-Koordinator Rudolf Likar über Zurufe aus dem Osten und warum es keine emotionalisierte Wissenschaft braucht.

von Anja Kröll

Primar Rudolf Likar ist Mitglied im österreichweiten Intensiv-Koordinationsgremium und Intensivbetten-Koordinator des Landes Kärnten. Im KURIER-Interview spricht er über die Auslastung der Intensivbetten, was die Menschen nun brauchen und wie anonyme Feiern verhindert werden können.

Herr Primar, wie würden Sie folgenden Satz beenden: Die Situation der Intensivbetten in Kärnten ist…

Rudolf Likar: Überschaubar.

Das bedeutet?

Wir haben genug Intensivbetten. Auch die Kollegen aus Salzburg und Vorarlberg melden eine überschaubare Situation. Und das, obwohl wir in Kärnten bereits 90 Prozent der britischen Mutation vorliegen haben.

Im Burgenland müssen die Spitäler hingegen in den Notbetrieb gehen. Aus dem Osten heißt es, auch der Rest Österreichs wird nicht lange vor dieser Situation verschon bleiben. Ihre Einschätzung? 

Die Frage lautet: Ist man Prophet, oder Wissenschaftler? Ich halte nichts von emotionaler Wissenschaft und Horrorszenarien, in denen es heißt, dass in 14 Tagen die Intensivstationen übergehen werden. Alles wird von negativen Konjunktiven begleitet. Vorarlberg hat seit Tagen offen und nichts ist übergangen. Das zeigt, alles was kontrolliert passiert, ist gut.

Mit kontrolliert, meinen Sie Öffnen mit testen?

Genau, ich bin für eine Öffnung der Schanigärten und Gasthäuser, aber mit Eintrittstest. Bei den Leuten am Land ist die Luft draußen. Was da im Geheimen stattfindet, ist der Wahnsinn. Vorne beim Gasthaus sind die Fenster mit der Zeitungen verpickt und hinten stehen die Leute und feiern. Genau das könnte verhindert werden, wenn klar gesagt wird: Schaut`s, das Gasthaus ist offen, ihr dürft rein, aber braucht einen Eintrittstest. So filtere ich viel mehr Kranke heraus und kriege das anonyme Geschehen in den Griff.

Aber genau diese Eintrittstests wurden im Osten abgeschmettert.

Dabei schaffen Tests die so wichtige Awareness für diese Krankheit. Eintrittstests sind nichts Schlechtes, wir brauchen nur genügend Teststraßen. Dann werden die Leute auch den Ernst der Lage verstehen, das fehlt zum Teil noch. Wir haben noch zu wenig Impfstoff, also nützen wir doch, dass wir die Testungen haben. Es gibt keine andere adäquate Maßnahme.

Doch gerade bei Impfungen herrscht nach den Todesfällen durch Astra Zeneca eine große Verunsicherung.

Die Impfung wird seit Wochen madig gemacht. Ich sage es ganz klar: Wir haben kein anderes Ausstiegsszenario. Man kann über alles diskutieren, aber wenn es keine Alternativen gibt, nützt diese Diskussion niemanden.

Was würde es nun brauchen?

Eine ehrliche Ansage. Von Null-Covid zu reden, ist unrealistisch. Diese Krankheit wird sich nicht ausrotten lassen, wir werden lernen müssen, mit ihr zu leben. Null Verkehrstote wird es auch nie geben, außer wir verbieten alle Autos. Es gibt im Leben ein Restrisiko. Das ist eine ehrliche Ansage.

Die Regierung verschiebt immer wieder die Vorgaben, ab wann geöffnet werden soll. Welcher Wert macht aus medizinischer Sicht Sinn?

Die Leute brauchen eine Lebensperspektive. Und wenn wir kontrolliert, mit Eintrittstest öffnen, ist das eine gute Perspektive. Wenn man hingegen ständig Stimmen aus dem Osten hört die sagen: gebt`s Ruhe, bei euch kommt das auch noch daher, dann ist das keine gute Perspektive. Mir fehlt das Positive in dieser Diskussion. Nicht was könnte alles Schlimmes kommen, sondern, wo läuft es gut, was gibt uns Hoffnung.

Kärnten könnte im Ernstfall Intensivpatienten aus dem Osten übernehmen?

Wir könnten Patienten aufnehmen, es müssten nur die Anrufe kommen. Wir haben in Kärnten auch Covid-Ärzte, die Patienten mit einem leichteren Verlauf zu Hause betreuen. Das spart Ressourcen in den Spitälern. Das ist ein tolles System. Die Bundesländer könnten hier noch einiges voneinander lernen.

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